Die lange Reise der Sammlungsobjekte der Burg Zug
So schafft es ein Objekt ins Museum

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Einblick in das Sammlungsdepot Museum Burg Zug. (Bild: Museum Burg Zug)

Arbeitet man in einem , sowird man im Freundeskreis oftmals humorvoll mit dem Nachtwächter Larry Daley aus der Filmkomödie «Nachts im Museum» verglichen. Sagt man dann noch, dass man als arbeitet, können sich viele nichts Genaueres darunter vorstellen. Der Blogpost zeigt auf, was es benötigt, damit ein Objekt in die der Burg aufgenommen wird.

Bevor ein angebotenes Objekt zu einem Sammlungsobjekt wird, sind diverse Vorabklärungen notwendig. Die Reise eines möglichen Sammlungsobjekts beginnt also mit dem Angebot, das wir erhalten. Dabei kann es sich um ein Schenkungs- oder Verkaufsangebot handeln. Objekte werden dem aus unterschiedlichsten Gründen angeboten.

Wer kennt die Situation nicht? Man zieht um, räumt den Estrich oder Keller auf, eventuell muss man einen Nachlass regeln. Da trifft man auf Gegenstände, die man selber zwar nicht behalten, aber auch nicht wegschmeissen möchte, weil die Dinge sehr alt oder wertvoll sind, weil sie einen historischen Wert haben oder weil sie ein Zeitdokument darstellen.

Angebot und Vorabklärungen

Erhält das Museum Burg ein Angebot, nehmen wir zuerst mit dem Anbieter Kontakt auf und klären folgende Fragen:

  1. Handelt es sich beim Angebot um ein Schenkungs- oder Verkaufsangebot? Falls es sich um ein Verkaufsangebot handelt: wie hoch ist der Verkaufspreis?
  2. Hat das Objekt einen Zug-Bezug? Also zum Beispiel einen Zuger Hersteller oder ist ein Zuger Motiv abgebildet?
  3. Weiss man etwas über die Herkunft und des Objekts? Wenn ja: was?
  4. Gibt es weitere Hintergrundinformationen zum Objekt?
  5. Wie ist der Zustand des Objekts? Weist es Schäden auf?
  6. Gibt es Fotos?
  7. Wie gross ist das Objekt?

Bei diesen Fragen geht es uns darum, ein möglichst genaues Bild des Objekts zu erhalten. Erst durch diese Vorabklärungen haben wir genügend Grundlageninformationen zusammen, damit wir das Angebot intern beurteilen und besprechen können. Und schliesslich die Entscheidung treffen können, ob das Objekt in die Sammlung aufgenommen wird oder nicht.

Das Museum Burg Zug verfügt, wie andere Museen auch, über ein Sammlungskonzept, das festlegt, welche Kriterien ein Objekt erfüllen muss, um in die Sammlung aufgenommen zu werden. Insbesondere der Zuger-Bezug ist ein wichtiges Argument. Ist dieser nicht gegeben, ist die Sachlage bereits klar und wir lehnen das Angebot dankend ab. Kommt das Angebot grundsätzlich infrage, gleichen wir das angebotene Objekt mit dem Sammlungsbestand ab. Für gewisse Detailabklärungen müssen wir das Objekt teilweise auch vor Ort begutachten. Alle diese Informationen fliessen zusammen in die interne Evaluation ein. Schliesslich wird in einem Gremium entschieden, welche Objekte aufgenommen werden und welche nicht.

Sammlungseingang

Wird ein Objekt aufgenommen, so wird dies der Anbieterin mitgeteilt und einer der wichtigsten Arbeitsschritte wird erledigt. Es wird ein Vertrag (Schenkungs- oder Kaufvertrag) erstellt, welcher die juristischen Details klärt und von beiden Parteien unterschrieben wird. Erst mit dieser Unterschrift wechselt das Objekt den Besitzer und gehört von nun an zum Bestand der Sammlung Museum Burg Zug. Befindet sich das Objekt noch beim Schenkenden beziehungsweise bei der Verkäuferin, muss dieses abgeholt werden. Je nach Objekt kann dieses Unterfangen ziemlich viel Zeit in Anspruch nehmen. Ausserdem muss vor dem Transport eine konservatorische Einschätzung gemacht werden.

Das heisst, wir müssen abklären, ob das Objekt allfällige Giftstoffe enthält wie zum Beispiel Asbest oder Holzbehandlungsmittel. Oder ob es von Schädlingen befallen ist, die im Depot andere Objekte beschädigen könnten. Oberstes Ziel bei Objekttransporten ist immer die Unversehrtheit des Objekts. Damit diese gewährleistet ist, müssen wir einiges beachten. So braucht es eine geeignete Verpackung und auch die korrekte Lagerung des Objekts im Fahrzeug ist wichtig. Hier ist je nach Situation auch die der Konservatorin gefragt, sodass besonders empfindliche Objekte auch sicher heil im Museum ankommen.

Inventarisation und Dokumentation

Befindet sich das Objekt nun bei uns im Museum Burg Zug, kann man mit der Inventarisation in der Sammlungsdatenbank beginnen. Dabei ist es wichtig, ganz genau hinzuschauen. Neben den offensichtlichen Angaben wie Masse, Nennung des Donators und Zugangsdatum muss der Sammlungskurator eine feine Spürnase haben. Er muss die Technik bestimmen, genauso wie das Material und das Alter des Objekts.

Jede kleine Inschrift, eine Signatur, eine Marke oder ein Stempel kann wichtige Hinweise zum Objekt liefern. So kann zum Beispiel die Zinnmarke eines Handwerkers auf einer Zinnkanne wichtige Hinweise darauf geben, wann und wo ein Objekt hergestellt wurde. Je nachdem sind noch weitere Nachforschungen notwendig, wie zum Beispiel Literaturrecherche, Abgleich mit ähnlichen Objekten oder Nachfrage bei einer Fachexpertin für ein bestimmtes Anliegen (etwa Versicherungswert, Material).

In einem nächsten Schritt wird das Objekt fotografisch dokumentiert und die Fotografien werden ebenfalls in der Datenbank verlinkt. Weiter wird das Objekt mit der Inventarnummer versehen. Diese ist besonders wichtig, damit das Objekt später im Depot und in der Sammlungsdatenbank eindeutig identifiziert werden kann. Ebenso wird das Objekt in das Eingangsbuch eingetragen, in welchem alle Eingänge chronologisch sortiert sind.

Lagerung für die Ewigkeit

Bevor das Objekt im Sammlungsdepot eingelagert werden kann, gelangt es zur Konservatorin/Restauratorin. Sie begutachtet das Objekt unter ihren wachsamen Augen und führt allfällige Konservierungs- oder Restaurierungsarbeiten durch. Dabei gilt die Devise. «so wenig wie möglich, so viel wie nötig.» Ziel ist es, dass das Objekt problemlos für die Ewigkeit gelagert werden kann und dass sich allfällige Schäden nicht negativ auf das Objekt auswirken. Werden konservatorische oder restauratorische durchgeführt, werden diese Veränderungen wiederum fotografisch festgehalten und die Informationen über die Arbeiten werden in der Sammlungsdatenbank dokumentiert.

Ist das Objekt bereit für die Lagerung im Sammlungsdepot, verpacken wir dieses transportfertig und bringen es ins Sammlungsdepot. Auch hier ist wieder wichtig, dass das Objekt auf seiner Reise keinen Schaden nehmen kann. Endlich im Depot angekommen, wird das Objekt fachgerecht eingelagert und erhält seinen Platz im Museumsdepot. Dabei muss man immer davon ausgehen, dass das Objekt für die Ewigkeit eingelagert ist und dementsprechend «langlebig» aufbewahrt werden muss.

Als Letztes müssen wir noch den Depotstandort in der Sammlungsdatenbank aktualisieren. Dies ist ein kleiner, aber bedeutender Schritt. Denn mit rund 50’000 Objekten in der Sammlung würde ein heilloses Durcheinander entstehen, wenn nicht jeder Standort jedes Objekts minutiös in der Datenbank erfasst würde. Somit ist die Reise für das Objekt vorerst beendet.

Transport der Leihgabe «Braunvieh-Kuh Priscilla» aus Dermoplastik vom Naturmuseum Luzern durch Fries Transporte Zug für die Wechselausstellung «BRAUN. VIEH. ZUCHT. Nix Natur, alles Kultur» (07.04.2022-04.12.2022) im Museum Burg Zug
Transport der Leihgabe «Braunvieh-Kuh Priscilla» aus Dermoplastik vom Naturmuseum für die Wechselausstellung «BRAUN. VIEH. ZUCHT. Nix , alles » im Museum Burg Zug.

Eine neue Reise beginnt

Nach der Einlagerung im Sammlungsdepot ist die Reise des Objekts vorerst beendet. Zugleich beginnt nun eine neue Reise. Das Objekt wird zum Beispiel für Ausstellungen an ein anderes Museum ausgeliehen oder es wird für eine eigene im Museum Burg Zug benötigt. Weiter kann es sein, dass es für die Forschung wieder zum Leben erweckt wird, um anhand des Objekts diverse Fragestellungen zu beantworten.

Einen interessanten Aspekt gibt es abschliessend zu erwähnen: mit der Übergabe an die Sammlung wird das Objekt zum Sammlungsobjekt und verliert somit seine ursprüngliche Funktion und Art der Handhabung. So darf zum Beispiel ein altes Steckenpferd nur noch mit Handschuhen angefasst werden, auch wenn vorher «Steckenpferd-lebenslang» mit ihm durch die Strassen und über Wiesen gehüpft sind. Das Objekt ist nun Teil der Sammlung und dementsprechend ein materielles Gedächtnis und Träger einer Geschichte.

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