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Badis, in denen niemand schwimmen konnte

Nach dem Training auf dem See ruhen sich die Männer der Ruderclubs beim Siehbach aus. (Foto: Privatarchiv, Jahr unbekannt) (Bild: )

Die erste Stadtzuger Badanstalt wurde 1882 bei der heutigen «Seeliken» am Rand der Zuger Altstadt eröffnet, aber schwimmen konnte damals noch keiner.

Zwölf ist bei einer Freundin und mir die wichtigste Nummer zwischen den Monaten März und Oktober. Wenn das Unterwasserthermometer diese Zahl anzeigt, ist es Zeit für den ersten mutigen Sprung in den See – ein perfektes Ritual, um die Sommersaison einzuläuten. In diesen wärmeren Monaten wandeln sich die Badeanstalten zu den wichtigsten sozialen Treffpunkten.

Es gab Badis, aber niemand konnte schwimmen

Die erste Stadtzuger Badanstalt wurde 1882 bei der heutigen «Seeliken» (von See-Lache) am Südrand der Zuger Altstadt eröffnet. Mit dem rasanten Wachstum der Städte im 19. Jahrhundert ging eine grosse Sport- und Naturbegeisterung einher, und ein Bedürfnis nach mehr Körperhygiene kam auf. Um dieses zu stillen, wurden geschlechtergetrennte Badehäuser gebaut, die abgeschirmt von neugierigen Blicken waren. Um 1900 konnte jedoch die Mehrheit der Bevölkerung gar nicht schwimmen. Erst mit der zunehmenden Institutionalisierung (Schule und Militär) und dem Einfluss der Körperkulturbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts etablierte sich das Schwimmen als Sport und Vergnügen.

Das Prinzip des «Volksbad»

Zunächst waren Badeanstalten einfache Holzbaracken auf Pfählen. Erst in den 1920ern, mit dem Einfluss der Moderne, trat eine spezifische Architektur des Schwimmbads auf und ein Freibad-Boom entstand. Mit den geselligen Freuden des Badens schossen die sogenannten Volksbäder wie Pilze aus dem Boden. Männern und Frauen aller Gesellschaftsschichten war es erlaubt, sich gemeinsam im und am Wasser zu vergnügen. Die Volksbäder boten auch die Gelegenheit für die Zurschaustellung der leicht bekleideten Körper (und das Mustern dieser), aber sie boten auch die Möglichkeit zu kleinen Fluchten aus dem Alltag. Mit Badeanstalten wurde aber auch der öffentliche Zugang zu den Seen- und Flussufern gesichert, was heute ein grosses Glück bedeutet, wenn man bedenkt, wie viele Uferzonen mittlerweile verbaut und privatisiert sind.

Relikte der damaligen Zeit sind nur die Garderoben

1917 wurde im Seeliken in Zug die erste Holzbaracke von 1882 renoviert und mit einer Sonnenbade-Einrichtung für Frauen erweitert. 1950 erfolgte ein weiterer grösserer Umbau mit weiterhin getrennten Bereichen für Frauen und Männer. Die Geschlechtertrennung wurde in der Seeliken offiziell erst 1971 aufgehoben. Im Zuge des Umbaus des Theater Casino Zug 1980 wurde der gesamte Badebereich verändert. Heute erinnert nur noch die erhaltene Männergarderobe an die sozialen Normen von damals.

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