Eine abstrakte Sicht auf das Unileben Zwischen Büchern, Bier und Pasta – das etwas andere Studiportrait

08.11.2021, 10:59 Uhr 3 min Lesezeit
<p>Vorlesung der Universität Luzern: Ab September kann man hier auch Wirtschaft studieren.  (Bild: zvg)</p>
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Studentinnen in ihrer natürlichen Umgebung an der Uni Luzern – was es wohl mit der Sitzordnung auf sich hat? (Bild: zvg)

Versteckt hinter dem Bahnhof Luzern liegt das Territorium einer faszinierenden Spezies: der Studierenden. Ein Höhepunkt der menschlichen Evolution sind sie sicherlich nicht. Doch sie kompensieren ihre partielle Alltagsuntauglichkeit mit Intelligenz. Zwischen Büchern, Bier und Pasta versuchen sie den Unialltag zu meistern.

Studenten sind paradoxe Individuen. Sie können problemlos komplexe Zusammenhänge herstellen, pflegen faktenbasierte Diskussionen über Gott und die Welt oder äussern bedachte Prognosen über die Krisenentwicklung in Drittweltländern. Gleichzeitig endet der Versuch, die Steuererklärung selbstständig auszufüllen, in kompletter Resignation.

Intelligente Wesen?

Eine weitere Schwierigkeit stellt die Kurzzeitplanung der Studentinnen dar. Sie sind anfällig für Selbsttäuschung. Der Klassiker hierbei ist: «Wenn ich eine Episode Netflix schaue, lerne ich danach motivierter und effizienter.» Dass dies noch nie funktioniert hat und nie funktionieren wird, scheinen die Studenten nicht zu erkennen oder bewusst zu ignorieren.

Einzigartig ist auch ihre Art und Weise zu zählen. So müssen bei «noch ein Bier» mindestens 3 weitere addiert werden, «nur noch fünf Minuten schlafen» muss gar mit drei multipliziert werden. In Bezug aufs Lernen hingegen entspricht jeweils 2/3 der proklamierten Dauer der effektiven Lernzeit.

Pastatarier

Das Hauptnahrungsmittel des Studenten scheinen Nudeln zu sein. Sie haben somit eine klassische Ein-Menü-Woche. Wer nun denkt, dass dies nicht wirklich ausgewogen ist, hat vollkommen recht. Allfällige Mangelerscheinungen werden mit einem überhöhten Koffeinkonsum kompensiert. Als Konsequenz dessen würden Studentinnen fast alles tun für kostenloses Essen.

Diese Konstellation muss eine evolutionäre Entwicklung ausgelöst haben, denn die Studenten haben einen einzigartigen Instinkt entwickelt. Ihre Sinne sind stark sensibilisiert auf essbare Werbegeschenke, Gratisbuffets oder mitgebrachte Geburtstagskuchen. So sind sie stets die Ersten, wenn etwas kostenlos verteilt wird.

Die Vorlesung

In der Vorlesung scheint es keine besondere Sitzordnung zu geben, dennoch besteht eine gewisse Hierarchie. Die Studentinnen setzen sich mit abnehmender Motivation oder zunehmender Schüchternheit weiter entfernt vom Dozenten. Diese Abstufung spiegelt sich auch während der Seminare wider.

Während sich die vorderen Reihen an bereichernden und gut gemeinten Aussagen, Thesen und Erfahrungsberichten überbieten, hüllen sich die hinteren Reihen in geheimnisvolles Schweigen. Ob sie nichts zu sagen haben, nichts sagen wollen oder bereits an ihre Mittagspasta denken, wird wohl für immer ein Mysterium bleiben.

Die Dozentin

Eine besondere Rolle nehmen dabei die Dozenten ein. Sie scheinen ein absolutes Sprechmonopol zu haben, sobald sie den Raum betreten, verfallen die Studentinnen in respektvolles Schweigen. Falls die blosse Anwesenheit der Universitätskoryphäen nicht genügt, bedienen sie sich einem sehr mächtigen Codewort. «Prüfungsrelevant», laut ausgesprochen, löst es höchste Alarmbereitschaft aus.

Kommilitoninnen werden hastig aufgeweckt, Stifte überspitzt und das Klima des Raums stellt auf Panik. Unter Adrenalin und Zukunftsängsten wird jedes gesagte Wort hastig mitgeschrieben. Die Studenten hingegen haben einen Weg zur Deeskalation gefunden. Nach dem ersten Schock beginnen sie sich gegenseitig mit ihrem Lernverzug zu überbieten.

Währenddessen leitet die Dozentin eine Diskussion basierend auf Fakten, «die Sie im Gymnasium bereits gehabt haben» an. Die Studenten nicken wissend, bevor sie die «wohlbekannten» Fakten im Internet nachschlagen. Meist folgt darauf eine Faktenaufbereitung in Kleingruppen. Auch hier gibt es ein Ritual.

Bevor die Studentinnen sich an die Arbeit machen, fragt mindestens eine der Gruppe «was genau müssen wir machen?», dies ist das Signal für den Rest der Gruppe, mit den Schultern zu zucken. Am Ende der Stunde verabschiedet sich der Dozent, und die Studentinnen beginnen sanft auf den Tisch zu klopfen. Entweder dient dies der Entspannung der schreibverkrampften Hände oder sie wollen sichergehen, dass der Dozent nicht von Neuem zu sprechen beginnt.

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