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Zu Gast an der Universität Athen
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Vasilis Providas in der Türkei während seines Austauschsemesters, das er für den Höhepunkt seines Studiums hält. (Bild: zvg)

Das Studentenleben in Griechenland Zu Gast an der Universität Athen

5 min Lesezeit 03.02.2020, 10:58 Uhr

Bloggerin Nathalie Reichel hat die Primarschule vier Jahre in der Schweiz und dann zwei Jahre in Marousi (einem Vorort von Athen) besucht. Dort lernte sie vor 14 Jahren Vasilis kennen. Als sie diesen vor kurzem wiedertraf, entstand eine interessante Diskussion über das Studentenleben. Der Austausch über die Universitäten Athen und Luzern zeigt: Es gibt im Alltag nicht wenige Unterschiede.

Vasilis Providas ist 23 Jahre alt und studiert im zwölften Semester Politikwissenschaften und öffentliche Verwaltung an der Universität Athen. Abschliessen wird er voraussichtlich im kommenden Sommer. Er interessiert sich für andere Länder und Mentalitäten – was seine Studienwahl, seine beiden Austauschsemester und seine Liebe fürs Reisen begründet. Sein Wunsch ist es, die Schweiz näher kennenzulernen und manchmal spielt er mit dem Gedanken, hier den Master zu machen oder zu arbeiten. Hier ein Einblick in die interessantesten Stellen der Diskussion:

Nathalie Reichel: Wie fährst du zur Universität?

Vasilis Providas: Ich wohne in einem Vorort Athens und die Universität befindet sich im Zentrum. Also muss ich zuerst die S-Bahn und dann die U-Bahn nehmen. Den Rest des Weges gehe ich noch etwa zehn Minuten zu Fuss. Insgesamt brauche ich eine knappe Stunde bis zur Uni.

Wie ist dein Studium aufgebaut?

Für meinen Abschluss habe ich 40 bestimmte Fächer zu bestehen. Diese werden auf insgesamt 8 Semester verteilt, das ergibt 5 Fächer pro Semester. Der Unterricht findet in Form von Vorlesungen statt und jede ist 6 Kreditpunkte (ECTS) wert. Somit sind es 30 ECTS pro Semester, wenn ich alle Prüfungen in der Prüfungsphase, die für das Herbstsemester im Januar und für das Frühlingssemester im Juli und September stattfindet, bestehe. Die Mindeststudienzeit beträgt also 4 Jahre.

Wie viele Freiheiten lässt dir dein Studium im Alltag?

Viele. Ich habe zwar die 5 Fächer pro Semester, die ich besuchen und bestehen sollte. Den Stundenplan kann ich mir also nicht selber zusammenstellen, dafür habe ich aber nirgends Anwesenheitspflicht. Wir bekommen für jedes Fach eines oder mehrere Bücher, worin man den Stoff auch zuhause nachlesen kann, wenn man es einmal nicht in die Uni schafft. Bei der Prüfungsphase muss man sich nicht für alle fünf Fächer anmelden, man kann also die eine oder andere Prüfung auch später ablegen. In diesem Falle verlängert sich aber natürlich die Studienzeit.

Dank dieser Freiheiten konnte ich mein Studium gut mit meinem Nebenjob im Kiosk meiner Eltern kombinieren, hatte auch genügend Zeit für Fitness und ab und zu lag auch ein Ausflug drin. Ausserdem hatte ich die Möglichkeit, mir 2 Semester Zeit zu nehmen für meine beiden Praktika.

Was unternimmst du gerne in der Freizeit mit deinen Mitstudenten?

In den ersten Semestern verbrachten wir viel Zeit in Cafés und gingen zusammen ins Kino. In letzter Zeit gehen wir nicht mehr so oft aus, dafür versuchen wir, die Zeit qualitativer zu verbringen: Wir gehen ins Theater, gönnen uns die eine oder andere Mahlzeit in Restaurants oder versammeln uns bei jemandem zuhause für einen gemütlichen Spielabend.

Was würdest du an der Universität oder am Studentenleben in Griechenland ändern?

Einige Gebäude sind ziemlich alt und teilweise ungepflegt, obwohl die Studiengänge der Universität Athen ein gutes Niveau haben, das den europäischen Vorschriften entspricht. Es ist leider auch schon vorgekommen, dass Externe in eines der Unigebäude gedrungen sind und Sachen beschädigt haben. Auch wenn solche Vorfälle nicht die Regel sind, wünsche ich mir, dass die Bereiche der Universität besser überwacht werden und dass man sich um eine moderne Infrastruktur bemüht.

Was hat dir während deines Studiums am meisten gefallen?

Ich habe es genossen, dass ich als Student meine Zeit flexibel einteilen konnte und viele Freiheiten hatte. Am allermeisten haben mir aber meine beiden Auslandssemester in Istanbul und Warschau gefallen.

Wieso würdest du ein Auslandssemester empfehlen?

Jeder meiner beiden Auslandsaufenthalte war unterschiedlich. In Istanbul habe ich an der Universität Fächer auf Englisch besucht, wodurch ich meine Englischkenntnisse auffrischen und erweitern konnte. Auch habe ich Türkisch gelernt – so weit, dass ich mich im Alltag gut verständigen konnte.

Nebst dem sprachlichen Aspekt empfehle ich einen Auslandsaufenthalt auch vor allem aus dem Grund, dass man eine neue Stadt, ein neues Land, eine neue Kultur kennenlernt und somit seine Horizonte auf dem spannendsten Weg erweitert. In Warschau habe ich letztes Herbstsemester ein Praktikum auf der griechischen Botschaft absolviert und bekam Einblicke in eines meiner möglichen künftigen Berufsfelder. Das hat mich total fasziniert.

In Luzern ein wenig anders

Zwischen zwei europäischen Universitäten gibt es doch mehr Unterschiede als gedacht. Ein Student oder eine Studentin der Uni Luzern hat zum Beispiel mehr Freiheiten in der Fächerauswahl und kann sich den Stundenplan jedes Semester grundsätzlich selbst zusammenstellen. Dabei geben Seminare und Vorlesungen nicht immer die gleiche Anzahl an Kreditpunkte (ECTS) wie in der Athener Uni. Das mag das Studium etwas vielfältiger gestalten, andererseits erfordert das auch jede Menge Disziplin, weil die Studienzeit nicht strikt vorgegeben ist und sich Studierende somit eigene Ziele setzen müssen.

Ausserdem geniessen die Studentinnen und Studenten der Uni Luzern und Pädagogischen Fachhochschule ein ziemlich neues und modernes Gebäude, in dem alles für den Studi-Alltag zu finden ist: Seminar- und Vorlesungsräume, Bibliothek, Mensa, Sporträume und sogar ein Laden mit Schreibutensilien, Büchern und Skripten. Notabene: Das ist nicht selbstverständlich!

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