Der Umgang mit Mitmenschen
Wieder bewusster begegnen

  • Lesezeit: 4 min
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Ob nur einmal an der Haltestelle oder regelmässig – wir müssen uns wieder bewusster begegnen. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Zu unserem Leben gehört es, immer wieder neuen Menschen zu begegnen. Manche begleiten uns ein ganzes Leben lang, manche streifen nur kurz. Wichtig ist es, all dies nicht einfach als selbstverständlich zu erachten …

Im folgenden Blog möchte ich für einen bewussteren und liebevolleren Umgang mit unseren Mitmenschen plädieren. Auch die Menschen, welche unser Leben nur am Rande durchkreuzen, haben unsere Aufmerksamkeit und unseren Respekt verdient!
Das Thema beschäftigt mich nicht ohne Grund. Und der Anlass für diese Zeilen ist ein denkbar trauriger.

Es traf mich ganz unvermittelt an jenem Samstagmorgen. Ich sass in Trainerhosen gekleidet am Küchentisch, schlürfte Kaffee und blätterte gleichgültig durch das Magazin meiner alten Schule. Da fiel mein Blick auf einen Nachruf für einen kürzlich verstorbenen Lehrer.

Er war gerade einmal 43 Jahre alt geworden, bevor er den Kampf gegen seine schwere Krankheit verloren hat.
Und obwohl ich nie die Gelegenheit hatte, in den Genuss seiner Unterrichtsstunden zu kommen, und ihn ausschliesslich vom Sehen kannte, überfiel mich sofort ein Gefühl der Betroffenheit. Mir schossen tausend Bilder von Situationen in den Kopf, in denen sich unsere Wege kreuzten. Beim Klassenzimmerwechsel in den Pausen, beim Nachschreiben von Prüfungen im Lehrerzimmer oder beim Anstehen an der Mensa-Kasse. Auch ohne dass wir uns persönlich gekannt hatten, dieser Mensch gehörte während sechs Jahre zu meinem kleinen Alltags-Universum. Und ich fragte mich, ob ich ihm vielleicht nicht einmal bewusster hätte begegnen können. Anstatt einfach nur schnell an ihm vorbeizugehen, hätte ich auch nichts verloren, hätte ich ihn einmal gegrüsst.

Vermeintlich unwichtige Begegnungen

Menschen, wie eben dieser Lehrer, begegnen uns in unserem Leben zuhauf. Dabei ist uns oft nicht bewusst, wie wertvoll all diese Aufeinandertreffen für uns sein können.
Beispiel gefällig? Kein Problem!

Wie in meinem letzten Blog angekündigt, bin ich kürzlich umgezogen. Und mit meinem alten Zuhause habe ich auch die über elf Jahre gereifte Alltagsroutine hinter mir gelassen. Mein persönliches Universum hat sich verschoben und hat Menschen, denen ich Tag für Tag begegnet bin, zurückgelassen. Wege haben sich getrennt und neue Pfade haben sich aufgetan. Die markanteste Veränderung für eine Dauerpendlerin wie mich war dabei der neue Arbeitsweg.

Neues schon wieder alltäglich

So stand ich nun morgens also an einer neuen Haltestelle. Um mich herum neue Gesichter. Das alles führte dazu, dass es mir in den ersten zwei Wochen merklich schwerer fiel, halbwegs motiviert in den Tag zu starten.
Das änderte sich, als ich eines morgens exakt zwei Schritte hinter einer elegant gekleideten Dame in die Strasse zur S-Bahn-Haltestelle einbog. Der Zufall wollte es nämlich, dass sich unsere Morgenroutinen von da an aufeinander eingestimmt haben. Ohne krampfhaft darauf achten zu müssen, biege ich nun täglich hinter ihr in die Strasse ein. Auf dem Perron angekommen folgt dann jeweils das gleiche Prozedere: Die Dame bleibt stehen, während ich an ihr vorbei noch ungefähr 20 Schritte weitergehe. So hat diese kurze und vermeintlich unwichtige Begegnung morgens dazu geführt, dass ich angekommen bin. Und die unbekannte Dame ist Teil meines Alltags geworden.

Ähnlich verhält es sich mit den drei Kommilitonen, die in diesem Semester auch bereits mittwochs ihre Woche im Roadhouse ausklingen lassen. Würden sie für einmal nicht am Nebentisch sitzen und ihre fundierten Gespräche über den FC Luzern führen, es würde definitiv etwas fehlen. Und auch die Frau, die am Uni-Kiosk seit Jahren darum besorgt ist, unsere Kaffeewünsche zu erfüllen, trägt einen nicht unwesentlichen Teil zu unserem Alltag bei. Sie kennt unsere Wünsche und macht unseren Alltag persönlicher, wie es mein Blogger-Kollege Peter in seinem Blog beschrieben hat.  
 
Gemeinsame Momente und Erinnerungen

Ich könnte noch einige weitere solche Anekdoten erzählen. Aber ich glaube, jeder Einzelne von uns macht dieselben Erfahrungen. Was ich allerdings schade finde, ist, dass wir uns viel zu selten Zeit nehmen, um solche Begebenheiten auch bewusst wahrzunehmen. In unserer immer ambitionierteren Gesellschaft nehmen wir zu viel als selbstverständlich wahr. So auch all jene Menschen, die unserer Leben manchmal kaum merklich kreuzen. Die Kiosk-Frau an der Uni, die Dame am Perron und die Kommilitonen am Nenbentisch des Roadhouse, sie alle gehören dazu.

Auch wenn wir sie nicht persönlich kennen, uns verbinden am Ende des Tages gemeinsame Momente und Erinnerungen. Wenn wir uns das nun ab und zu einmal wieder ins Gedächtnis rufen und diese kleinen Dinge wieder mehr wertschätzen, dann gehen wir vielleicht wieder respektvoller und liebevoller mit unseren Mitmenschen um. Es tut nämlich gar nicht weh! Und es kann unser Leben nur bereichern. Also fangt schnell damit an! Denn wer weiss schon, wann es zu spät sein wird!

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