Unerwünschte Zwei-Personen-Theaterstücke Wie Dauerflüsterer in der Bibliothek der Uni Luzern nerven

22.11.2021, 10:59 Uhr 3 min Lesezeit
Das Geflüster in der Bibliothek kann einem ganz schön auf die Nerven gehen.
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Das Geflüster in der Bibliothek kann einem ganz schön auf die Nerven gehen. (Bild: Toni Rasic)

In der Bibliothek der Universität Luzern zu arbeiten bringt auch Ablenkung mit sich. Nein, nicht durch meinen Laptop. Na ja, das auch, aber vor allem durch meine Tischnachbarn an der Uni. Ein verärgerter Tatsachenbericht.

Die Szene ist die Folgende: Ich sitze in der Bibliothek der Universität Luzern. Um mich herum höre ich eine Sinfonie, zusammengesetzt aus dem Tippen auf zahlreiche Tastaturen, dem Säuseln der Ventilatoren und dem Knacken besetzter Holzstühle. Dem Ganzen wird Takt verliehen durch das gelegentliche Husten oder Schniefen meiner Mitstudierenden.

Flüstern ist Silber, Schweigen ist Gold

Es herrscht zwar keine wahre Stille, sondern eher eine Monotonie von Hintergrundgeräuschen. Sie machen mir jedoch nichts aus. Sie sind unaufdringlich genug, dass ich sie einfach ausblenden und an meiner Sache weiterarbeiten kann. Plötzlich aber – und es ist immer plötzlich – wird die Öde durch ein gesprochenes Wort unterbrochen. «Wötsch Pause mache?», heisst es. «Ich weiss ned, ich bin ned so wiit cho». «Hesch die neu Folg gluegt?» Und so geht es weiter.

«Ich sag dir was ins Ohr»

Das Quatschen untereinander ist zwar eigentlich untersagt, doch fliegt man nicht raus, weil man plötzlich sein Rezept für Gugelhopf austauschen muss. Man weiss, dass es sich nicht gehört und dass man andere möglicherweise stört. Deshalb flüstern die Bibliotheksplapperer:innen. Sie hoffen vermutlich, somit etwas unauffälliger zu sein.

Das Flüstern ist jedoch dafür gedacht, jemandem etwas leise ins Ohr zu sagen, sodass kein anderer es hört. Das funktioniert natürlich nicht, wenn man mit seinem Sitznachbarn plaudern will, der 1,5 Meter weit weg ist. Dies hindert sie jedoch nicht daran, es zu versuchen. Was daraus resultiert, ist einfach ein Sprechen mit viel Gezische und darum kaum leiser als normales Reden. 

Wo ist meine Konzentration hin?

Zum Orchester der Alltagsgegenstände gesellt sich in der Bibliothek also oft noch das eine oder andere Rezitativ hinzu. Anders als die Hintergrundgeräusche kann ich dieses aber nicht einfach ausblenden. Worte tragen nämlich Bedeutung, die mein Verstand automatisch auszumachen versucht.

Das Zischen des versuchten Wisperns verschleiert jedoch manches Wort. Wie bei einem Telefongespräch, an dem ich nicht beteiligt bin, versucht mein Hirn, die Lücken im Gespräch zu füllen. Daher konzentriere ich mich unbewusst eher auf das Gesprochene als auf meine Uniarbeit.

Die Wiederholungstäter

Mir geht es nicht so sehr um das schnelle Abmachen einer gemeinsamen Pause oder um eine schnelle Verabschiedung als um die Wiederholungstäter. Von den begabten Oratoren, welche die hohen Künste des Redens beherrschen, ist hier die Rede. Von jenen, die es nicht abwarten können, bis sie draussen sind, um die Welt um ein neues Gerücht, einen blöden Witz oder einen Bericht vom gestrigen Ausgang zu bereichern. Von jenen, die einmal in Fahrt geraten, sich von keinem noch so düsteren Blick ihrer Nachbarn vom Plappern abhalten lassen.

Die einzige Lösung

Die Gelassenheit und Selbstverständlichkeit, mit der sie das machen, verblüfft mich immer. Ich bin fast geneigt, mich dafür zu entschuldigen, dass ich in ihr privates Arbeitszimmer eingedrungen bin. Oder hätte ich etwas für ihr Stand-up-Special bezahlen sollen?

Wenn ich merke, dass ich statt in der Bibliothek versehentlich auf der Bühne eines Zwei-Personen-Theaterstücks gelandet bin, endet die Szene meistens damit, dass ich meine Sachen packe und den Platz wechsle. Das scheint für mich die beste Lösung zu sein. Bleibe ich sitzen, dann erfahre ich viel mehr über meine Mitstudierenden als über das Buch vor mir. Ihnen zu sagen, dass mich ihre Plauderei stört, kommt nicht infrage. Dann würde ich ja selber zum Plappermaul!

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