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Vom Elixier der Studenten
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Ohne Kaffee würden viele Studenten den Tag nicht überleben. Was, wenn er ausgeht?

Kein Kaffee mehr an der Universität, ein Horrorszenario Vom Elixier der Studenten

4 Min 11.11.2017, 11:00 Uhr

Unsere Bloggerin Nadia Zwahlen schreibt über eine Horrorvorstellung vieler Studierenden. Kein Kaffee mehr, sowohl in der Mensa als auch an den Automaten nicht. Wie das wohl ausgeht?

Mal alle die Hände hoch, die heute schon einen Kaffee hatten. Oder zwei. Oder fünf. Keine grosse Überraschung, dass sich mir ein Meer aus Händen entgegenstreckt. Ist doch die Kombination aus heissem Brühgetränk und Student schon fast nicht mehr wegzudenken. Aber was wäre, wenn diese Verbindung urplötzlich wegfiele? Der Blick einer Aussenstehenden auf eine der wichtigsten Ressourcen für Studierende.

Die Gänge sind verwüstet, zerrissene Bücher und Notizen liegen verstreut in den verlassenen Unterrichtszimmern. Meine Schritte hallen weithörbar durch das einstige Bildungsinstitut. Kein Mensch ist in Sichtweite. Aber sie sind da. Ich spüre es. Höre sie beinahe zittern in ihren Verstecken. Sehe die Blutspuren, die nach dem letzten grossen Kampf um das wertvollste Gut zurückgelassen wurden. Ich ziehe weiter mit gezückter Waffe, auf alles gefasst, denn auch meine Immunität wird mich nicht schützen. Es ist schwer zu sagen, wer verrückter ist. Ich…oder alle anderen.
 (Mein Name ist Max. Meine Welt ist Feuer und Blut.)

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Gibt es ein Leben vor dem ersten Kaffee

Was hier so dystopisch anmuten lässt, ist in meiner Vorstellung die (wieder einmal leicht übertriebene) Abfolge von Ereignissen, die nach dem plötzlichen Verschwinden von Kaffee an der Uni passieren würde. Erstmal vorweg: Ich trinke keinen Kaffee. Ein für ein an der Universität anzutreffendes menschliches Wesen eher seltenes Verhalten, ich weiss. Es gab mal eine Phase, in der mein leicht zu beeinflussender junger Geist den Massen älterer Studierender nachstrebte und den heiligen Nektar kosten wollte. Einen Monat lang trank ich täglich mehrere Tassen des Gebräus, in der Hoffnung, vor Produktivität zu bersten. Was hat mir mein Experiment gebracht? Abgesehen von einem Loch im Portemonnaie…gar nichts. Ich war weder schneller wach, noch konzentrierter, noch umgeben von der Aura elitärer Schaffenskraft, die Kaffeetrinker gerne versprühen wollen.


«Nein danke, ich trinke keinen Kaffee.»

Nadia Zwahlen, Studentin

Versteht mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen Kaffee! Ich mag zum Beispiel den Geruch. Was ich nicht mag, ist der Geschmack. Und dass er mir nicht hilft – im Gegensatz zu scheinbar allen anderen. Dabei sollte ich als menschlicher Espresso (klein und bitter) das schwarze Gold eigentlich lieben. Wahlverwandtschaft und so. Aber irgendjemand hat mich mit hypersensiblen Geschmacksknospen ausgestattet und so bleibe ich lieber beim Wasser und male mir die Kaffeeapokalypse aus.

Mad Max: Barista Road

Am ersten Tag ist noch nichts bemerkbar. An manchen Automaten kann zwar kein Kaffee mehr bezogen werden, aber das kann ja mal vorkommen. Wird morgen wohl wieder aufgefüllt. Mit fortschreitender Stunde werden die Menschen unkonzentrierter und schnippisch, die Arbeitsmoral nimmt ab und der Ruheraum ist bis auf den letzten Platz belegt. Leises Schnarchen ist aus der letzten Reihe der Vorlesung zu vernehmen. Am zweiten Tag dann die Schocknachricht: Kaffee ist auf mysteriöse Weise von der Erde verschwunden. Grossandrang in der Cafeteria, wo geistesgegenwärtige Baristas den Preis bereits ins Unermessliche hochgeschraubt haben. Entzugserscheinungen machen sich breit. An Tag drei stürmt eine verzweifelte Meute Studenten die Küche und verteilt die restlichen Vorräte unter sich. Kommilitonen wie Lehrkräfte werden gnadenlos niedergetrampelt. Wer eine Ration an sich gerissen hat, tut gut daran, sich schnellstmöglich irgendwo zu verbarrikadieren. Produzenten von Energydrinks sind machtlos gegen die flutartige Nachfrage. Am nächsten Tag liegen neben den Kollateralschäden jene, die den Entzug nicht überlebt haben.

Die Welt steht still. Die Zivilisation ist zusammengebrochen…
Tag 21 post-kaffeeapokalyptischer Zeitrechnung: Neue Gesellschaftsstrukturen haben sich herausgebildet. Nur die Stärksten überleben. Wer jetzt noch über einen Kaffeevorrat verfügt, hat Gottstatus erreicht. Im Untergrund wird einem gepanschtes Dreckwasser zu horrenden Preisen angeboten. Die letzten verbleibenden Kaffeebohnen werden zu Pulver gemahlen, geschnupft oder intravenös verabreicht. Im Keller der Universität hat sich eine Sekte gegründet, die den Gott der alten Zeit verehrt und ahnungslose Reisende mit dem Gerücht auf einen gigantischen Kaffeevorrat ins Verderben stürzt. Langsam schreite ich durch das oberste Stockwerk der Uni, wo ich ein paar abtrünnige Überlebende zusammengepfercht finde. Aber ist das noch Leben? Ich finde schliesslich, was ich gesucht habe. Der Zugang zum Dach scheint in den ersten Tagen der Katastrophe rege benutzt worden zu sein. Ich positioniere mich nach Westen, um bei Sonnenuntergang in cineastisch eindrucksvoller Pose über die Trümmer der alten Welt zu blicken. Allein, bis auf die kleine Stimme im Hinterkopf, die sich von Zeit zu Zeit meldet. 
«Jetzt könnt‘ ich wirklich´nen Kaffee brauchen!»

Der Bohnensaft soll bleiben

Na gut, ganz so desaströs würde es wahrscheinlich dann doch nicht werden. Ein paar Tage Kopfschmerzen, zittrige Hände, übelgelaunte Mitmenschen und Augenringe bis in die Kniekehlen dürfte man aber trotzdem erwarten, sowie die Wehklagen der Genusskonsumenten. Vielleicht sogar den einen oder anderen Produktivitätseinbruch, aber Ersatzdrogen wären ziemlich schnell besorgt. So oder so, zum Wohle aller Kaffeeliebhaber (und der Menschheit) wünsche ich mir, dass das Lieblingsgetränk vieler nie von der Bildfläche verschwinden wird. Auch wenn ich dann weiterhin komische Blicke ernten werde, wenn ich sage: «Nein danke, ich trinke keinen Kaffee.»

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