Ist da jemand?
Vermisst: Studenten der Wirtschaftsfakultät Luzern

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(Bild: Gili Benita)

Viel wurde letzten Sommer debattiert über die Vor- und Nachteile einer Wirtschaftsfakultät an der Uni Luzern. Wie voll es doch werden würde, hatte man geklagt, und dass die Kosten viel zu hoch seien. Doch die Wirtschaftsfakultät kam – oder doch nicht?

Eigentlich hatten wir Studierenden anderer Fakultäten und insbesondere jene, welche von Beginn an gegen die Wirtschaftsfakultät waren, uns auf ein überfülltes Uni-Gebäude eingestellt. Letzten Sommer war das, nach den Semesterferien. Wir haben regelrecht gewartet auf zu junge Kanti-Abgänger, noch ohne richtigen Bartwuchs, aber schon in geschmeidigen Anzügen und mit Handtasche. Quasi gesucht haben wir nach jungen Maturandinnen, die uns selbstbewusst, wie wir es nie waren, die Sitzplätze in der Bibliothek streitig machten. Aber wir wurden alle enttäuscht und unsere Vorurteile nicht bestätigt.

So wie alle anderen auch

Voller war es zu Beginn des Semesters, aber nur ein klein wenig. Sie kamen in Jeans, mit Hut, als Hipster, oder was die Modewelt momentan auch immer für Kleidungsstile empfiehlt. Mit anderen Worten, sie sahen genauso aus wie du und ich. Schlimmer noch, sie waren gar nicht von anderen Studierenden zu unterscheiden.

Gerne wird ja gemunkelt, dass man Studierende aufgrund ihres Outfits einer Fakultät zuordnen könne, und in der Theorie liegen die Erfolgschancen dieser Klassifizierung bei gefühlten 107 Prozent. Doch nun scheint diese bis anhin zuverlässige Methode nicht mehr zu funktionieren. Es wäre nicht die erste Theorie, welche einer liberalen Weltanschauung zu Opfer fiele.

Infiltrierung des Unterbewusstseins

Ja, es ist fast schon unheimlich, wie sich die Studierenden der Wirtschaftsfakultät in das bestehende Uni-Leben integriert haben. Fast vermute ich die kapitalistische Infiltrierung der Universität – eine Gefahr für die bestehende Wissenschaft. Vielleicht sitzen «die Neuen» in den gleichen Seminaren wie ich auch. Streuen hier und da ihre liberalen Ansichten in die Diskussionsrunden und verändern auf diese Weise mein Unterbewusstsein, bis auch ich irgendwann die Gesetze der freien Marktwirtschaft als meine Religion akzeptiere. Schleichend würde ich zum Homo Ökonomikus, beseelt vom Glauben in die eigene, allumfassende Rationalität.

Ist da jemand?

Doch ich spüre keine Veränderung. Die Räumlichkeiten der Uni sind gewohnt voll, die Lehrinhalte in den Seminaren wie üblich differenziert und es ist kein elitärer Hauch einer Wirtschaftsfakultät zu spüren. Nein, vielmehr scheint es sehr, sehr ruhig um die jungen Uni-Genossen und -Genossinnen geworden zu sein. Manchmal möchte man in die Gänge rufen: «Hallo Wirtschaftsfakultät, ist da jemand?» Doch wie die Wellen eines einsamen Bergsees im Regen verhallen auch diese Rufe ungehört.

«Hallo Wirtschaftsfakultät, ist da jemand?»

Dabei hatte ich mich schon auf die Debatten gefreut, die leidenschaftlichen Diskussionen über die Plausibilität der Rationalität des menschlichen Handelns. Auf interessante Gespräche über das Verhältnis von Liberalisierung und Protektionismus hatte ich gehofft. Auch wollte ich ein wenig verstehen, wie man Wissenschaft betreiben kann, wenn man doch nur einen theoretischen Ansatz zur Erklärung der Welt zur Verfügung hat. Doch es kam niemand.

Bis heute bin ich nicht einmal auf eine Kommilitonin oder einen Kommilitonen der Wirtschaftsfakultät gestossen. Zumindest hat mir niemand erzählt, dass sie oder er eben jenes Hauptfach studiere. Und so führe ich die Gespräche über PTAs, BIPs, und Handelsbilanzen halt mit mir selber – meist aus einer etwas einseitigen Perspektive.

Danke

Sollte die Fakultät vielleicht nur ein Vorwand der Uni sein, mehr Steuergelder kassieren zu können, und in Wahrheit gar nicht existieren? Liegt hier womöglich ein grösserer Skandal vor? Die Erklärung ist wahrscheinlich banaler: Zum einen ist der Wirtschaft-Student im Allgemeinen ebenso selten anzutreffen wie der oder die allgemeine Campus-Blogger.

Zum anderen ist die Wirtschaftsfakultät lediglich – im positivem Sinne – eine Fakultät wie jede andere und gut in das bestehende Uni-System integriert. Und zu guter Letzt hat die Uni es einfach geschafft, sich bestens zu organisieren. Alle drei Beobachtungen sind durchaus erfreulich und ein Dankeschön ist durchaus angebracht.

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