Und was kommt jetzt?

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Der Weg ins Nirgendwo. (Bild: Pawel Streit)

Der Abschluss kommt nicht unerwartet. Dennoch fühlt es sich an, als würde einen mit der letzten Prüfung nicht nur ein Universitätszeugnis überreicht, sondern auch kurzzeitig der Boden unter den Füssen weggezogen.

Der Abschluss kommt nicht unerwartet. Dennoch fühlt es sich an, als würde einen mit der letzten Prüfung nicht nur ein Universitätszeugnis überreicht, sondern auch kurzzeitig der Boden unter den Füssen weggezogen.

 

«Später» ist jetzt

Was tut man, wenn nach dreieinhalb Jahren das Studium vorerst zu Ende ist?

Sechs Semester konnte man sich hinter der «Es bleibt ja noch Zeit»-Ausrede verstecken, wenn man nach seinem Berufsziel gefragt wurde. Jetzt, so kurz vor dem Abschluss, wirkt das seltsam und planlos. So fühlt es sich auch an. Es ist ein diffuses Gefühl der Verlorenheit, wenn einem bewusst wird: In knapp einem Monat ist es zu Ende.

So, als sei einem gekündigt worden. «Liebe Frau Stadlin, schön, dass Sie bei uns studiert haben. Jetzt ist es Zeit zu gehen. Viel Glück.»

Ist es Ironie des Schicksals, dass man nach einer richtungsweisenden Entscheidung wie einer Studienwahl einige Jahre später wieder am selben Punkt angekommen ist, wie vor dieser Entscheidung? Dass man einen weiteren Punkt im Leben abgehakt, neue Erfahrungen gemacht und sein zukünftiges Leben trotzdem nicht als klareres Bild vor Augen hat? Oder ist diese Unsicherheit nur eine logische Folge davon, dass man sich für einen interdisziplinären und entsprechend sehr offenen Studiengang entschieden hat, anstatt für eine Ausbildung, die auf einen fixen Beruf ausgelegt ist?

Die Auswahl an Berufsmöglichkeiten, die sich einem mit einem Kulturwissenschaftsstudium bietet, ist unendlich. Ich habe immer geglaubt, später irgendeinmal, spätestens mit dem Bachelor, würde ich eines Morgens aufwachen und wissen: Das ist mein Traumjob. Aus diesem «Später» ist ein «Jetzt» geworden und mein Berufsinteresse ist noch immer breit gefächert.

Der Luxus der unbeschränkten Möglichkeiten

Nicht, dass der Abschluss überraschend käme. Dreieinhalb Jahre habe ich auf diesen Moment hingearbeitet. Ich wusste immer, dass er irgendwann kommen wird, nur war dieser Moment, zumindest gefühlsmässig jahrelang, sehr weit weg.

Es ist seltsam; man weiss, welche gesellschaftlichen Erwartungen mit dem Erreichen dieses Ziels verbunden sind, was der nächste Schritt wäre, was der nächste Schritt sein könnte oder müsste. Und wenn es so weit ist, fühlt man sich trotzdem nicht bereit dafür.  

Fühlt es sich so an, wenn man 30 wird? 

Vielleicht täuscht dieser Eindruck auch. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich vollkommen bereit gefühlt hätte für ein Studium – geklappt hat es trotzdem.

Wo also liegt das Problem?

Das Schöne und gleichzeitig Herausfordernde am Universitätsabschluss sind die Möglichkeiten, die er einem bietet. Natürlich ist es ein Luxusproblem, angesichts der enormen Auswahl an Zukunftsperspektiven überfordert zu sein. Doch hat man, zumindest in der Theorie, die Wahl zwischen einem weiterführenden Studium, einem Praktikum und einem Job. So ist man gezwungen, sich zu entscheiden. Und diese Entscheidung dann dauernd zu hinterfragen.

Dass alles möglich ist, heisst nicht nur, dass theoretisch alles möglich wäre, sondern, dass man diese Möglichkeiten zu nutzen hat. Die fehlende Fähigkeit, sich auf Konstanz einzulassen, ist die Kehrseite der Chance, die sich unserer Generation bietet.

Hans im Schnäggeloch

So entsteht der Druck, allem gerecht zu werden. Die Chance zu nutzen, vieles auszuprobieren, zu reisen. Gleichzeitig keine Lücken im Lebenslauf zu haben, Arbeitserfahrung zu sammeln, Praktika zu absolvieren und einen höheren, besseren Abschluss zu machen.

Es ist ein dauerndes Abwägen; wir wollen dem Bild unserer Generation entsprechen und uns gleichzeitig davon abgrenzen. Unsere Generation ist quasi der «Hans im Schnäggeloch» der Generationen. Wir wollen alles, aber festlegen wollen wir uns nicht. Selbstverwirklichung ja, ein Leben ganz ohne jegliche Konstanz und Sicherheit, das dann aber auch wieder nicht.

Jede Generation scheint mit Herausforderungen konfrontiert zu werden, die nur sie zu bewältigen hat. Die Chance an Möglichkeiten, die sich uns bietet, ist die unsere.

Mit Blick auf die Zukunft weiss ich: Wir sollten sie nicht aus Angst vor Überforderung ignorieren. Wir sollten sie nutzen.

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