Auf akademischem Weg
Und plötzlich war er weg

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Er verstand zwar nicht alles was ich mache, aber vielleicht hatte er trotzdem ein wenig Freude an meinen Entscheidungen. (Bild: Aura/ zentralplus)

Abschied kommt manchmal unerwartet. Und lässt einen mit Gedanken zurück, die man der verstorbenen Person nie mehr sagen kann. Was hat das mit meinem Studium zu tun? Eigentlich nichts und doch sehr viel.

Vor gut einem Jahr ist mein Vater unerwartet gestorben. Ich kann mich noch genau erinnern, wie mich meine Mutter anrief, ich ins Spital eilte, das nur fünf Minuten von meiner Wohnung entfernt lag und er dort einfach so lag: Tot.

Was hat das mit meinem Studium zu tun? Eigentlich nichts und doch sehr viel. Ich bin ein wenig ein Sonderling in meiner Familie. Alle Vorfahren mütterlicher- und väterlicherseits waren Bauern. Auch mein Vater musste – ohne dass er je gefragt worden wäre – den Betrieb weiterführen. Das war damals einfach so. Heute ist das natürlich anders, keines von uns vier Geschwistern hat den Hof übernommen, ich bin jedoch die einzige, welche keinen «bodenständigen» Beruf erlernt hat.

Ich mach, was ich will

Bereits meine Berufslehre war für meinen Vater eine gewisse Provokation: Warum gerade auf einer Grossbank? Die sind doch alle ein wenig «meh bessr», dachte er. Warum ich, nachdem ich bereits eine Lehre gemacht hatte, noch studieren musste und dann noch in Luzern, hat er, glaub ich, nie verstanden. Es war so gar nicht seine Welt.

Vielleicht hatte er trotzdem ein wenig Freude an meinen Entscheidungen, zumindest dahingehend, dass ich nach meinem freien Willen handelte. Nicht wie er damals. Sein Weg war vorgezeichnet gewesen. Meiner, auch wenn er so unendlich weit weg von seiner Lebensrealität lag, war zumindest ein neuer Weg: Mein eigener.

Eine fremde Welt

Es ist manchmal eigenartig, in der Familie die einzige weit und breit zu sein, die an einer Universität studiert. Es fängt bereits beim alltäglichen Univokabular an: Seminar, Fachschaft, Kolloquium? Das waren ja auch für mich Fremdwörter, als ich anfing zu studieren. Wie fremd sind sie dann erst für jemanden, der in seinem Leben noch nie eine Universität betreten hat? So muss alles immer zuerst übersetzt werden und manchmal lässt man es dann ganz bleiben, weil es einfach zu kompliziert erscheint.

Ich denke überhaupt nicht, dass der akademische Pfad der Beste ist, auch wenn einem die Ressourcen dazu offen stehen. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten und am Ende muss es jede für sich selbst entscheiden.

Nicht gut genug

Ich bin mir nicht sicher, welche Motive den Ausschlag gaben, dass ich mich noch für ein Masterstudium entschieden habe. Natürlich: Ich wollte meine Berufsaussichten verbessern; sicherstellen, dass ich später einen spannenden Job finde, der mich erfüllt. Aber auch Neugierde trieb mich an. Ich wollte mehr wissen über die Welt und weshalb sie so funktioniert, wie sie funktioniert.

Vielleicht wollte ich mir auch beweisen, dass ich dazu fähig bin. Womöglich auch deshalb, weil mein Vater immer das Gefühl hatte, dass sein Kopf «nicht gut genug» für etwas anderes als die Landwirtschaft sei. Dabei stimmte das überhaupt nicht.

Doch gut genug

Vielleicht war er der Grund, weswegen ich bereits als 10-Jährige Zeitungen las. Das wurde mir erst kürzlich bewusst. Denn wenn es an etwas nicht mangelte bei uns zu Hause, dann waren es abonnierte Zeitschriften und Zeitungen. Alles Mögliche lag da rum. Von der Bauern bis zur Berner Zeitung. Mein Vater verlor jedoch nie grosse Worte über seine Liebe zum Lesen. Still in seinem Kämmerchen las er vor sich hin. Da wo er für sich alleine war, ohne ein grosser Redner sein zu müssen, denn das war er nie. Sein Kopf war allemal «gut genug», nur war er sich dessen nicht bewusst.

Über all das, die Einsichten über was war, die ich jetzt im Erwachsenenalter habe, kann ich nie mehr mit ihm sprechen. Aber ich stelle mir vor, dass er ein wenig Freude hätte, wenn ich in nicht allzu ferner Zukunft mein Masterdiplom in den Händen halte.

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