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Sorry, das ist eigentlich mein Platz!
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Bei akutem Platzmangel in der Unibibliothek bleibt manchmal nur eine weniger bequeme Alternative. (Bild: Pexels)

Platzmangel in der Luzerner Unibibliothek Sorry, das ist eigentlich mein Platz!

3 min Lesezeit 5 Kommentare 23.12.2019, 11:03 Uhr

Konzentriertes Arbeiten in lernorientierter Umgebung? Schön wär’s! Die Prüfungszeit ist wieder da und in der Bibliothek der Uni Luzern sitzen die Studierenden dicht gedrängt – trotzdem reicht der Platz nicht aus. Der Kampf um Sitzplätze in Zeiten der überfüllten Bibliothek beginnt.

Frühmorgens aufgestanden, ein kurzer Kaffee auf dem Balkon, das Frühstück wird auf später verschoben. Mit dem Fahrrad auf schnellstem Weg zur Uni, dazwischen ungeduldige Stopps an den endloslang roten Ampeln. Sobald das Fahrrad geparkt ist, schnellstmöglich in den ersten Stock. Ein freundliches Nicken links und rechts, nur keine Zeit vergeuden mit morgendlichen Plauderpausen. Trotz all dem Stress wieder einmal zu spät. Jeder einzelne Platz in der Bibliothek ist bereits besetzt.

Der tägliche Frust

Als tägliche Bibliotheksbesucherin bin ich erstmal frustriert und meine sowieso schon wackelnde Motivation hat sich gerade in Luft aufgelöst. Passiver Ärger breitet sich in mir aus. Der junge Mann, der schon seit einem halben Jahr jeden Morgen am gleichen Platz sitzt und wohl seine Masterarbeit schreibt, kann von mir aus gerne da bleiben. Genauso wie der ältere Herr hinten am Fenster, der bereits zur Grundausstattung der Bibliothek zu gehören scheint. Aber was sollen all die anderen hier? All die Fremdstudierenden, die plötzlich unsere Bibliothek belagern? Das da drüben ist eigentlich mein Platz!

Nach zahlreichen Beschwerden hat sich die Uni dem Frust ihrer Studierenden angenommen. Der hintere Teil der Bibliothek ist nun ausschliesslich für Studierende der Uni Luzern bestimmt. Leider reicht der Platz trotzdem noch lange nicht aus. Ausserdem hat uns die Geschichte schon mehrfach gelehrt, dass der Ausschluss von Fremden keine vertretbare und langfristige Lösung sein kann.

Nach einer weiteren zwangsläufig eingelegten Kaffeepause sehe ich selbst ein, dass man eigentlich keiner Medizinstudentin übelnehmen kann, wenn sie während der Lernphase nicht unbedingt mehr als zwei Stunden täglich mit Zugfahren verbringen möchte. Es muss also eine andere Lösung her.

Unbefriedigende Notlösungen

Um nicht noch mehr Zeit zu vergeuden, quartiere ich mich vorübergehend auf den Sofas der Bibliothek ein. Momentan ist der Akku noch voll und mein Rücken beklagt sich erst leise über die ergonomisch ziemlich ungünstige Haltung, in der ich mich über meinen Laptop beuge, während dieser auf meinen Knien hin und her wackelt. Mit Arbeiten wird’s trotzdem nichts, da ich damit beschäftigt bin, die Fensterplätze mit Argusaugen zu überwachen. Schliesslich möchte ich die Erste sein, die sich den möglicherweise frei werdenden Platz schnappt.

Nach einem Gang zum Klo entdecke ich eine kleine Lücke zwischen zwei konzentrierten Studentinnen. Ich nutze den Moment, schnappe mir einen Stuhl aus dem Vorraum und quetsche mich dazwischen – meine neuen Sitznachbarinnen kommentieren die Aktion mit irritierten und entnervten Blicken. Sorry!

Alternativen müssen her

Heute habe ich nochmal Glück gehabt. Langfristig kostet die katastrophale Bibliothekssituation unnötig Nerven und ist nicht unbedingt das, was ich mir unter dem von der Uni beworbenen «lernförderlichen Umfeld» vorstelle.

Dabei wäre eine Lösung naheliegend. Gerade während der vorlesungsfreien Zeit stehen unzählige Vorlesungsräume leer. Würden diese den Studierenden als Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt, wäre genug Platz für alle da. Dabei wäre es besonders erfreulich, wenn nicht nur die Kellerkammern, sondern auch die Seminarräume mit Tageslicht geöffnet würden. Schliesslich sollen wir dort nicht nur effizient, sondern auch kreativ und offen denken und arbeiten.

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5 Kommentare
  1. Brigitte Rosenheim, 24.12.2019, 12:59 Uhr

    Ich habe zu meiner Studienzeit immer zuhause gelernt. Unbedingt in die Bibliothek zu gehen, um sich nebst tausend anderen Studierenden auf das Wesentliche konzentrieren zu können, war nie mein Ding. Zuhause hat man seine Ruhe und verliert nicht unnötig Zeit, um an die Uni zu gelangen. Und wer dann kommt mit: „Zuhause kann ich nicht lernen, da lenken mich so viele Dinge ab“, sage ich nur: Alles eine Frage der Disziplin!

  2. Fabian, 23.12.2019, 21:58 Uhr

    „Aber was sollen all die anderen hier?“ Das Zitat von Lucia Messer ist es ziemlich übertrieben: vielleicht sind sie da, weil sie einfach die Zeitung lesen wollen, ein Buch gerne anschauen wollen, oder in der Bibliothek einen Text schreiben wollen, weil sie sich dort wohl fühlen.

    Die Bibliothek ist es für alle offen, und nicht nur für die Studierende der Uni Luzern. Das Problem ist, wenn das Angebot von der Uni Luzern grosser ist, aber die Bibliothek gleich gross wie früher bleibt. Die Bibliothek ist es für alle, weil es Kultur ist!

  3. Lawrence Helle, 23.12.2019, 21:19 Uhr

    Die Uni sollte nicht Leute exkludieren. Wenn junge Leute (v.a.) am Wochenende etwas lernen wollen – natürlich sind es viele davon Student*innen, aber nicht nur – so sollte doch Platz zur Verfügung stehen. Die Universität (und also auch der Kanton Luzern) scheint mir hier die richtige Plattform zu sein. Seien es Vorlesungssäle oder sonst ein Schulgebäude. Von den Öffnungszeiten noch gar nichts die Rede…
    Ansonsten beginnt mit der Zeit jede Uni nur noch für ausschliesslich ihre Student*innen Einlass zu gewähren. Ausschliessen an Stelle von Gemeinsamkeit. Wollen wir das?

  4. Ursula Baumann, 23.12.2019, 18:30 Uhr

    An der ZHB vögeligärtli gibt es 140 neue Arbeitsplätze in schönster Lernumgebung. Es hat Platz genug für alle. Warum gegen „Fremdstudierende“ hetzen. Und was soll dieses Umwort überhaupt

    1. Benjamin Flämig, 24.12.2019, 01:33 Uhr

      Genau, die Bibliothek in der Sempacherstrasse wurde extra am 11. Dezember eröffnet, um mit ihren über 140 neuen & modernen Arbeitsplätze eine Entlastung für die Unibibliothek zu bieten. Zeitgleich wurde der „Seat Navigator“ gestartet – ein Belegungssystem das in Echtzeit sitzplatzgenau anzeigt, an welchem Bibliotheksstandort es noch freie Plätze hat:

      https://rauminfo.zhbluzern.ch

      So kann schon von daheim oder unterwegs zielgerichtet eine Bibliothek angesteuert werden, in der man auf jeden Fall noch Platz findet und die Auslastung kann sich besser auf alle Standorte der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern verteilen.

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