Die Semesterferien und das Nichtstun
Sommerlochstruktur

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Wie viel der freien Zeit soll für Erholung und wie viel für Literaturrecherche genutzt werden? (Bild: Emanuel Ammon/ Aura Fotoagentur)

Ruhig ist es an der Universität geworden. Viele meiner Mitstudierenden sehe ich nur noch selten und gelegentlich erreichen mich Grüsse aus der Ferne – es sind Semesterferien. Es ist eine Zeit, in der die gewohnten Strukturen verschwinden, an deren Stelle nun Dosenbier, Plastikschwimmtiere und vieles andere tritt.

Es war einer dieser bisher doch eher seltenen Sommertage in Luzern. Sonnig warm, am Himmel weisse Wölkchen und auf der Fensterbank duftete der Basilikum im Morgenlicht. Zum Frühstück gab es frischen Kaffee. Ich las die Nachrichten der vergangenen Nacht (Putsch in der Türkei, Militärübung im Südchinesischen Meer) und überlegte mir, wie ich den Tag heute gestalten würde. Pläne hatte ich keine, doch jede Menge zu tun. Das sind Semesterferien!

Struktur suchen

Um etwas Struktur in den Tag zu bringen, wollte ich mich zum Mittagessen am Vierwaldstättersee verabreden. Doch das war gar nicht so leicht. Aus fernen Städten, aus Ferienhäusern und von weissen Stränden entschuldigten sich Freunde und Bekannte. Sie hätten zu viel zu tun, sagten sie: Theateraufführungen in Köln, Städtereise durch Europa oder Besuch von Bekannten.

Aber nächste Woche von dreizehn bis vierzehn Uhr hätten sie noch etwas Zeit für ein spontanes Mittagessen. Spontan?, frag ich mich. Ja, denke ich mir, und auch das sind Semesterferien!

«Manche füllen die Semesterferien mit Reisen und straffem Zeitplan. Andere verträumen den Tag am Vierwaldstättersee.»

Das Gefühl von unendlich viel Zeit

Semesterferien können so viel sein. Doch unabhängig davon, wie wir sie schlussendlich gestalten, verlangen sie von den Studierenden eine Menge Organisationstalent ab. Auf der einen Seite das Gefühl, unendlich viel Zeit zu haben, und auf der anderen dieser Druck und das Bedürfnis, die eigene Zeit sinnvoll und produktiv zu nutzen. Und so unterschiedlich die Studierenden sind, so unterschiedlich ist auch die Art und Weise, wie sie mit dieser Freiheit umgehen.

Manche füllen die Monate während der Semesterferien mit ausgiebigen Reisen und einem straffen Zeitplan. Andere verträumen den Tag lieber am Vierwaldstättersee zwischen Dosenbier und Plastikschwimmtieren. Und auch ich habe inzwischen meinen eigenen Weg gefunden, die sommerliche Leere zu füllen.

Das Verschwinden jeglicher Struktur

Seit ein paar Jahren nun bin ich schon an der Universität Luzern eingeschrieben. Inzwischen weiss ich, wie ich mich am besten auf Seminare vorbereite, wie ich meinen Tag strukturiere und wie ich Arbeit, Studium und Privates aufeinander abstimme.

Während des Semesters klappt das ganz gut, doch sobald die letzten Vorträge gehalten, Essays abgegeben und Prüfungen geschrieben sind, verschwindet diese Struktur für eine bestimmte Zeit. Was bleibt, sind lange Vormittage in meiner Küche, an denen die Kaffeemühle mein wichtigster Zuhörer wird.

Für einen Moment geniesse ich es, nicht irgendwann irgendwo sein zu müssen, und während draussen der Tag beginnt und Lastwagen den Hügel hinaufbrummen, stehe ich noch kaum aus meinen Träumen zurück in der Küche und beseitige die Spuren des Vorabends.

«Auf Dauer scheint mir das Nichtstun etwas unbefriedigend.»

Das Tun und das Nichtstun

Doch auf die Dauer scheint mir das Nichtstun etwas unbefriedigend und der Gedanke, dass ich eigentlich etwas Produktives tun sollte, schleicht sich immer häufiger zwischen die Seiten meiner Ferienlektüre.

Am späten Vormittag packe ich dann zwei Bücher in die Tasche, von denen ich glaube, dass sie besonders wichtig aussehen, und mache mich entlang der Reuss auf Richtung Universität. Endlich habe ich Zeit, mich in aller Ruhe und in meinem Tempo auf das Schreiben von Seminararbeiten zu konzentrieren. Und ja, auch das sind Semesterferien!

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