Schrei nach Freiheit

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Warum nicht aus dem geschriebenen Wort ein kleine Dok drehen, beilegen und so sich kreativ ausleben? (Bild: Aura)

«Ich bin eine Hausarbeiten-Produktionsmaschine», titelt Susan Djahangard in der «Zeit». In der Tat landen die meisten Seminararbeiten im Nirwana. Ein Versuch der Wiederbelebung.

Neulich ist in der «Zeit» ein frustrierender Artikel erschienen. Die Autorin beklagt sich darin über die ungeheure Menge an Seminararbeiten, die innerhalb eines Studiums verfasst werden müssen. Sie habe verstanden, worauf es ankomme, sagt sie und plädiert für eine freie Wahl der Prüfungsart. Auch Studierende der Universität Luzern haben eine relativ hohe Anzahl von Seminararbeiten zu verfassen, wobei sie sich nicht selten darüber beklagen. Meiner Meinung nach zu Unrecht.

Todlangweilig?

Selbstverständlich ist das Verfassen einer penibel genauen Literaturliste so spannend wie Spülmittel, aber eben doch Grundlage jeder wissenschaftlichen Praxis. Auch das Schreiben an sich liegt nicht allen, genauso wenig wie das logische Argumentieren. Doch deswegen schon wieder nach mehr Freiheit zu schreien, finde ich persönlich übertrieben. Studierende haben, auch wenn sie es ungern zugeben, verglichen mit der «echten» Arbeitswelt, die wohl grössten Freiheiten. Wir können Nebenfächer, Stundenpläne, Themen, Dozierende, Unterrichtszeiten und ja, an der Universität Luzern teilweise sogar Prüfungsarten auswählen. Und das Schönste: Ausschlafen (fast immer). Ein Studium à la carte ist auch mit Bologna noch immer möglich, dennoch wollen Studierende immer noch mehr mitbestimmen. Viel mehr mitzubestimmen, gibt es aber nicht mehr.

Willkommen in der Realität. Willkommen im Kapitalismus. Wir alle sind dazu verdammt, zu produzieren.

Es mag verdächtig klingen, aber vielleicht wissen ja diejenigen, die Prüfungsreglemente ausarbeiten, wozu das Ganze gut sein soll. Aber auch wenn dem nicht so wäre und die Autorin damit recht behält, wenn sie sich als «Hausarbeiten-Produktionsmaschine» bezeichnet, bleibt die Frage: Na und? Meine Antwort dazu wäre: Willkommen in der Realität. Willkommen im Kapitalismus. Wir alle sind dazu verdammt, zu produzieren.

Okay, das ist jetzt etwas gar polemisch, aber selbst wenn wir den Kapitalismus aus dem Visier lassen, beklagt sich die Autorin meiner Meinung nach nicht über die Menge, nicht über die Deadlines und auch nicht über formale Anforderungen an Seminararbeiten. Was sie wirklich stört, erwähnt sie im Artikel nur verdeckt: Das Seminararbeiten-Nirwana. Korrigiert landen die Arbeiten auf dem Hausarbeiten-Friedhof, wo sie weder angemessen begraben («die nächste Hausarbeit drängt») noch von den Verfasserinnen und Verfassern selbst besucht werden («Ich habe fast alles aus den ersten Arbeiten vergessen», habe ich oft von Freunden gehört.).

Reanimation

Lieber würde sie einen Dokumentarfilm drehen, ein Plakat gestalten oder ein Hörspiel aufnehmen. Hier muss ich ihr recht geben, auch wenn die Kritik eigentlich in eine ganz andere Richtung zielt. Und irgendwie verstehe ich auch ihren Frust. Aber warum nicht beispielsweise eine Arbeit in ein Hörspiel verwandeln und als Bonus-Track beilegen? Warum nicht eine Arbeit in einen Artikel umwandeln und veröffentlichen? Warum nicht einfach ein Plakat dazu gestalten?

Es ist nicht Aufgabe der Universitäten, diesen Arbeiten (neues) Leben einzuhauchen. Die Freiheit, dies zu tun, bleibt auch noch nebst den formalen Anforderungen bestehen!

Mag sein, dass in mir noch (zu) viel Euphorie steckt. Vielleicht schreibe ich auch mal eine Hasstirade auf Seminararbeiten. Bis dahin schreibe ich aber gerne noch ein paar davon. Im Moment stehen «Spinoza» und «die Philosophie der Emotionen» auf dem Programm. Den Spass lass ich mir von keinem Artikel verderben und vielleicht seht ihr mich ja mal vor der Kapellbrücke als Spinoza verkleidet mit einem Transparent. Das dürft ihr dann als Ausdruck meiner Freiheit als Studentin wie auch als anständige Beerdigung meiner letzten Seminararbeit verstehen.

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