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«No-Screen-Policy» an der Uni Luzern
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Notizen mit Stift und Papier – eine Sportart, die Krämpfe verursacht. (Bild: Pixabay)

Wenn der Handkrampf vorbestimmt ist… «No-Screen-Policy» an der Uni Luzern

3 min Lesezeit 28.10.2019, 11:02 Uhr

Bloggerin Marina Cerkez hatte an der Uni Luzern eine Herausforderung an zu bewältigen: Notebook-Verbot während der Vorlesung. Was ihr einen Handkrampf und unschöne Erkenntnisse zu ihrer eigenen Handschrift bescherte.

In einem der letzten Campusblogs erhielten wir einen Einblick in die inhaltliche Diversität auf Laptop-Bildschirmen der Luzerner Studis. Tatsächlich sind Laptops nicht mehr aus dem Uni-Alltag wegzudenken – was aber passiert, wenn uns unser geliebtes Medium nicht mehr durch die Vorlesung begleiten darf?

Nach glücklichen fünf Semestern meines Bachelor-Studiums an der Uni Luzern begab ich mich in eine Vorlesung, von welcher ich durch den Kurzbeschrieb wirklich begeistert war. Endlich ein Thema, welches meine Aufmerksamkeit ganz automatisch herbeiführt! Was will man mehr?

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Voller Elan und Enthusiasmus sass ich also in besagter Vorlesung und die Dozentin begann ihr Begrüssungs-Ritual. Nach wenigen Minuten musste ich allerdings einen Haken an der Sache feststellen: «No-Screen-Policy» – Was bitteschön sollte das bedeuten? Solch eine Regelung war mit bisher noch nie untergekommen. Ab sofort waren also keine elektronischen Geräte wie Laptops oder Tablets auf den Tischen erwünscht.

Mission Impossible

Tief im Inneren wusste ich natürlich, was auf mich zukam. Dem Inhalt der Vorlesung zuliebe versuchte ich es tatsächlich wieder einmal mit Stift und Papier. Ganz wage fing meine Hand an, sich wieder daran zu erinnern, wie es einmal am lieben alten Gymnasium war. Doch im Gegensatz zu damals produzierte ich nun eine schnörkelige, hässliche und mir völlig fremde Schrift. Wie frustrierend.

Ich versuchte es weiter und weiter, schneller und schneller – bis mich ein Handkrampf ausser Gefecht setzte. «Eine Minute nur», sagte ich zu mir selbst, «dann musst du wieder Notizen machen!». Wie sich nach 90 Minuten herausstellte, handelte es sich hier um eine Mission Impossible.

Irgendwann gab ich einfach auf und hoffte, dass mein Gehör und mein Gedächtnis streng zusammenspannen würden. Vielleicht kann ich mich später noch an einige Facts erinnern, dachte ich, doch daraus wurde nichts.

Der Kampf mit den Notizen

In der kommenden Sitzung versuchte ich es also wieder mit meinem Laptop. Es handle sich schliesslich nur um eine Empfehlung der Dozentin, dachte ich. Doch ihr Blick sprach mehr als mir lieb war – ich musste ihn sofort wieder in meinen Rucksack packen. An die bevorstehenden Handkrämpfe wollte ich gar nicht erst denken.

Also suchte ich den Dialog: Natürlich bieten die neuesten Technologien vielerlei Nachteile betreffend Konzentration. Es gebe viele Studien, welche belegen, dass man sich Dinge besser einprägen kann, wenn man sie mindestens ein Mal niedergeschrieben hat – unabhängig davon, ob handschriftlich oder digital.

Klar, wenn man dann aber am Laptop sitzt und eine Whatsapp-Nachricht über den Bildschirm huscht, wird die besagte Studie hinfällig. Ich verstand die Ansätze der Dozentin. Mit meinen Argumenten konnte ich aber tatsächlich überzeugen und die Dozentin stellte in Aussicht, die Angelegenheit nochmals zu überdenken.

Ende gut, alles gut

Tatsächlich konnten wir uns auf einen Kompromiss einigen: Die vorderste Reihe, gleich neben ihr, war ab sofort mein neues Zuhause. Sie müsse jederzeit auf meinen Bildschirm sehen können – und abweichendes Verhalten führe zum sofortigen Ausschluss aus der Veranstaltung. Was ein bisschen brutal klingt, war für mich jedoch völlig in Ordnung. Ich wollte mir schliesslich Notizen machen und hatte somit nichts zu verlieren.

Allerdings konnte ich zwei Dinge lernen. Erstens: Mensch und Technologie verschmelzen immer mehr, daher führt deren Trennung leider nicht immer zum Erfolg und Verständnis. Was viele Studis vielleicht noch können, habe ich mit der Zeit verlernt. Daher sollte zumindest jeder Student für sich allein entscheiden können, wie die gegebenen Informationen aufgenommen werden sollen.

Das zweite Fazit: Meine Schrift hat echt ziemlich an Schönheit eingebüsst. Die schriftliche Prüfung habe ich damit glücklicherweise trotzdem bestanden.

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