Naherholungsgebiet Ich

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Ich versuchte mich auf meinen Atem zu konzentrieren: Nur auf den Atem! (Bild: AURA)

Das Studileben «schleisst» manchmal ziemlich. Nicht nur wegen dem Studium, sondern, weil es mit ganz viel anderem verbunden ist: Sport, Spass und Arbeit. Es gibt Auswege, Pfeifenrauchen zum Beispiel – doch es geht auch esoterischer.

Frei nach Wilhelm Busch lautet der Beschluss, dass der Mensch was lernen muss. Ob bei Lehrer Lämpel oder hier an der Universität, der Tätigkeit des Lernens kommt ein hoher Stellenwert zu. Das ist sicherlich nicht überraschend, aber oft sehr anstrengend. Diesem Grund geschuldet, bringt das Studileben eine breite Palette an Erholungsmöglichkeiten mit sich.

Erholung oder Party?

Die einen Treffen sich zum allwöchentlichen Yoga, Ping-Pong oder zu einem sonstigen Event, welcher beispielsweise vom Hochschulsport organisiert wird. Und da schinden sie ihre Körper, bis diese dem Geist gleich erschöpft und müde sind. Die anderen feiern an organisierten Studipartys, während Führungen durch Brauereien und dergleichen, bis derselbe Effekt erreicht ist.

Wahrscheinlich aber verhält sich ein Grossteil der Studierenden wie ich und nutzt jegliche Arten der Ablenkung, die sich einem durchs Semester so bieten. Das ist auch gut so. Leider wirkt dies den Strapazen des Lernens nur begrenzt entgegen, da gerade Phänomene wie Müdigkeit damit eher produziert als bekämpft werden.

Pro- oder Kontraproduktiv?

So ergeben sich zumindest bei mir höchst überbeladene Tage, an denen ich vom Seminar zur Vorlesung, vom Klettern zum Studijob und dann vom Textlesen noch zur nächsten WG-Einweihung hetze. Nach solchen Tagen wird der Wecker zum grössten Feind, vor allem dann, wenn er sich nach Tageszeiten und nicht nach der benötigten Menge Schlaf richtet.

Das Aufstehen wird zur Qual, der schleppende Gang in die Dusche zur gymnastischen Herausforderung und der folgende Blick in die Agenda zum absoluten Stimmungskiller, gerade wenn der erst kurz angebrochene Tag sich vom verflossenen nicht mehr unterscheidet, wie der Abendstern vom Morgenstern; also selber Inhalt mit etwas anderem Namen; Lernen, Arbeit, Sport, Party.

Gestern oder heute?

So kann es plötzlich zu Verhaltensweisen kommen, welche mit früheren Ansichten und Wertvorstellungen nicht mehr kompatibel sind. Weigerte ich mich doch zumindest vor einiger Zeit noch brachial gegen jegliche Formen esoterischer Praktik, so kam mit der Müdigkeit und dem oftmals selbstgemachten Stress die Resignation, welche sich so äusserte, dass ich mich irgendwann im Haus der Hochschulseelsorge an der St. Leodegar-Strasse 15 vorfand – in einem Kreis aus Menschen auf einem Kissen kniend und versuchte, mich auf meinen Atem zu konzentrieren: Nur auf den Atem!

Die Augen geschlossen, den Worten des Leiters folgend, verlassen mich Stress, Müdigkeit und die gefühlt kilometerlange To-Do-Liste. Ruhe kommt auf, der Puls senkt sich und eine innere Wärme lädt zum Verweilen ein, so, als sei ich irgendwo weit weg von allem. Wäre ich nicht so fest auf meinen Atem konzentriert, schrieb‘ ich wohl Ansichtskarten von hier an Freunde und Familie. Denn wie ein Kurzurlaub fühlt es sich an, ein Kurzurlaub inmitten meiner Mitte.

Irgendwie erstaunt und beschämt

Nach dieser gefühlten Woche Ferien – etwa 20 Minuten meditieren – zurück im Raum des Leo 15, bin ich erstaunt über die eigene Gelassenheit, die Ruhe und vor allem über die Mitmeditierenden, die ich zumeist kenne und wohl genau so wenig da erwartete, wie sie mich. Man tauscht sich aus; sehr sachte. Man erklärt sich; warum denn nicht mal ausprobieren? Und ich weiss im ersten Moment noch nicht, obs mir etwas peinlich sein soll oder nicht.

Ich habe mich später gegen das Verschweigen und Leugnen entschieden, es ist mir nicht peinlich, auch auf die Gefahr hin, als Eso-Heini abgestempelt zu werden, was aber bisher nur sehr selten der Fall war. Vielmehr ergab sich Gesprächsstoff und ich entschloss mich, die nächste Einführungsveranstaltung in spirituelle Wege wieder zu besuchen.

Ein gutes Angebot

Das Angebot seitens der Uni steht; zweimal die Woche kann man über Mittag im Raum der Stille begleitet meditieren. Ich weiss nicht, ob ich da je hingehe, aber die Einführungen ab und zu an einem Mittwochabend haben gut getan, es hilft und gibt Tools, in stressigen Zeiten ruhig zu bleiben, sich zu konzentrieren und nicht zu fest im Chaos der Gedanken zu versinken.

Bereits Lehrer Lämpel wusste von der grössten Freud; nämlich der Zufriedenheit. Dafür braucht es auch mal Ruhe. Das Studileben braucht Pausen und das macht die eine bei einer Pfeife im Schaukelstuhl, der andere beim Kurzurlaub in seiner Mitte. Nur eines hat der Meditierende dem Pfeifenraucher voraus. Seine Pfeife kann nicht explodieren und wenn doch, hat er ein Mittel zur Hand, sich davon nicht zu sehr stressen zu lassen: Wuuuusssaaaa!

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