Menschen machen Geräusche

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Geräusche gehören nun mal dazu und sind allemal besser als eine gespenstige Ruh. (Bild: Emanuel Ammon)

«Oh no, it’s that time of the year again», denke ich mir, als ich in die bereits vollbesetzte Bibliothek schreite. Prüfungen stehen an und das heisst: Die Bibliothek ist überfüllt von büffelnden KommilitonInnen und wo Leute sind, sind auch Laute. Es folgt ein Ausflug in Reimform in die Geräuschkulisse der Studibibliothek der Universität Luzern.

«Oh no, it’s that time of the year again», denke ich mir, als ich in die bereits vollbesetzte Bibliothek schreite. Prüfungen stehen an und das heisst: Die Bibliothek ist überfüllt von büffelnden KommilitonInnen und wo Leute sind, sind auch Laute. Es folgt ein Ausflug in Reimform in die Geräuschkulisse der Studibibliothek der Universität Luzern.

Als wäre ich ein eingeschobener Teilsatz, nehme ich zwischen zwei hochkonzentrierten Studierenden Platz. Die eine büffelt Staatsrecht, der andere ist Wirtschaftsstudent und der Nächste in der Reihe, der pennt. Der soll bloss nicht schnarchen, denke ich mir, schliesslich verbringe ich noch den ganzen Tag hier. Kaum angefangen zu arbeiten, ertönt der erste Laut: Wer ist denn das, der so laut kaut? Ich sehe in der Ferne, einen entspannten Mann, der isst genüsslich seine Kürbiskernen. Essen und Trinken sei verboten, hab ich mir sagen lassen. Einige schlürfen trotzdem klammheimlich Grüntee aus ihren Tassen. Knusper, knusper, Knäuschen, auch ich mach jetzt ein Päuschen. Nach Koffeinboost und süssem Apfelgenuss, bin ich wieder voll im Schuss. Ich tippe wild auf meiner Tastatur, während ich höre ein Staccato «Schnüüzkonzärt» in D-Dur. Harmonisch ist das bei Weitem nicht, ihre Nasenscheidewand scheint sehr dicht. Meine Aufmerksamkeit soll aber wieder weichen, zu Foucault, Bourdieu und dergleichen.

Markieren geht über Studieren

Nur das Wichtigste streicht man an, «Prinzip nicht verstanden» gilt wohl für den Herrn nebenan. Wild färbt er die Sätze grün in Eile und springt mit seinem Blick zur nächsten Zeile. Markieren geht über Studieren. Das Geräusch des Markierens lässt mich Schmunzeln, sogleich erhalte ich von nebenan ein fragendes Stirnrunzeln. Es folgt Husten, Stöhnen und Raunen im Minutentakt, nicht gelogen, das ist Fakt. «Alles nur menschlich», sag ich mir, und ich folge wieder Gesine Krügers Artikel über «das koloniale Tier». Unterbrochen wird mein Lesefluss, von einem Anblick, der wahrlich ist kein Genuss. Auf dem Tisch ein Kilo Halbweissbrot, mit diesem er füttern könnte eine halbe Familie in Not. Das Papier knirscht, während er mit seinen Wurstfingern in die Verpackung pirscht. Abgerissen wird ein grösseres Teil und dieses zermalmt er eine Weil. Wenn ich etwas hasse, dann ist es lautes Kauen einer Masse. Als wäre dies nicht genug, kommt ein widerlicher Geruch wie im Flug. Energydrink ist das Ekelerregendste überhaupt und bewiesen ist auch nicht, dass es etwas taugt. Anyway, über Essgewohnheiten lässt sich streiten, doch muss man sie nicht in der Bibliothek ausbreiten.

Ein störender Graus von Geräuschen

Zwei Plätze weiter sitzt ein potenzieller Störeffekt, ich ahne, dieser wird in naher Zukunft aufgedeckt. Flüstern ist für das männliche Geschlecht ein Fremdwort, das bemerke ich immer wieder vor Ort. Getuschel und Gelächter von der Frauenfront, bin ich mir auch durchaus gewohnt. Das Quietschen von Sohlen, tut mir derweil weh in den Ohren. Klimpernder Armschmuck sieht wohl schön aus, ist aber beim Schreiben ein störender Graus. Gel-Nägel auf Tastatur, ist auch kein Wunder der Natur. Um es auf die Spitze zu treiben, fängt sie noch an, ihre Nägel an der Feile zu reiben. Sei doch eine Nette und geh bitte dafür auf die Toilette! Gegenüber macht sich ein weiteres Geräusch bemerkbar, und ich höre hin, war ja klar. Hat denn niemand der Blondine beigebracht, dass der Lautlosknopf ist an der Seite angebracht? Sie scheint begehrt zu sein, denn dauernd kommen Nachrichten rein. In ihre Richtung ein strenger Blick und fertig ist es mit dem Herumgeklick.

Wo bei mir der Spass aufhört, ist, wenn die Brünette den ganzen Saal mit ihrem Telefonat stört. Ich muss nicht hören über ihren Einkauf oder ob sie kürzlich hatte einen Einlauf. Auch bei leisem Telefonieren herrscht Nulltoleranz, «Sag mal geht’s dir noch ganz?!» Irgendwann hat’s auch sie geschnallt, rennt hinaus und die Türe knallt. «Türe bitte leise schliessen» wurde ignoriert, was leider viel zu oft passiert.

Kurz vor dem Wahnsinn

Zum Abschluss muss ich sagen, man kann mich mit diversen Geräuschen in den Wahnsinn jagen. Wie wohl jetzt erkannt, bin ich als geräuschempfindlich bekannt. Doch das Gute ist daran, dass ich mit den Geräuschen nach drei Jahren Universität in Frieden leben kann. Sie gehören nun mal dazu und sind allemal besser als eine gespenstige Ruh.

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1 Kommentare
  1. Florian Mauchle, 29.12.2015, 11:58 Uhr

    Trinken darf man, einfach nicht aus offenen, instabilen Behältnissen wie Starbucks-Papier- oder Selecta-Bechern.
    Auch so eine Unsitte übrigens:
    Stöckelschuhe. Sorry, meine Damen (Herren hab ich hier noch keine gesehen damit), aber wenn ihr damit nicht leise gehen könnt lasst sie zu Hause oder klebt Möbel-Gleiter drunter.
    Schade auch, dass die Bücher hinter der Empfangstheke verstauben – hab mir sagen lassen die ZHB hat nach Hilfspersonen gesucht, aber nicht gefunden. Es gibt Social Points dafür – diese bringen uns Juristen aber leider nichts…
    Gruss aus der seit etwa 10 Uhr vollen Bibliothek

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