Wenn das Studium plötzlich sinnstiftend wird Lust auf ein Gedankenspiel?

12.04.2021, 15:56 Uhr 3 min Lesezeit
Das einzige Puzzle, das ich spiele, befindet sich in meinem Kopf. (Bild: Daniela Dürr)
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Das einzige Puzzle, das ich spiele, befindet sich in meinem Kopf. (Bild: Daniela Dürr)

Manchmal fühlt sich mein Kopf an, als hätte jemand ein Puzzle ausgeleert: 1000 Einzelteile, wildes Durcheinander und viele grosse Herausforderungen. Echt anstrengend, alles aufzudecken, zu strukturieren und die Zusammenhänge zu begreifen. Umso schöner, wenn es sich für einmal fast von selbst zusammensetzt.

Seit Kurzem bin ich Praktikantin bei der Stiftung Gertrud Kurz. Die Stiftung verfolgt den Zweck, das Engagement von Gertrud Kurz-Hohl weiterzutragen, welche sich während des Zweiten Weltkriegs und fortan bis zu ihrem Tod um geflüchtete Menschen gekümmert hat. Immer wieder fiel mir auf, wie ich bei den verschiedenen Praktikumsaufgaben von meinem Studium oder von anderen Erfahrungen profitierte. Dies zu erkennen, hat mir gutgetan. Vielleicht ging es dir schon einmal ähnlich? Auf jeden Fall gebe ich dir heute Einblick in mein Gehirn-«Zämesetzli».

1. Puzzlestück – das Studium

Wer studiert, kennt die Frage: «Was soll mir das später einmal bringen?» Nicht jedes Konzept lässt sich draussen in der «echten» Welt auch wirklich anwenden. Während ich im Bachelor noch fleissig alles mit Leuchtstift markierte, habe ich als Masterstudentin meine Sinne für das Wichtige geschärft. Diese Kompetenz hilft mir bei der Recherche zu Gertrud Kurz. Zum Glück war ich auch bei der Themenwahl meiner Abschlussarbeit sehr frei. Da vertiefe ich mich nämlich gerade in die Funktionsweise von Schweizer Förderstiftungen.

2. Puzzlestück – bisherige Arbeitsstationen

Eine frühere Stelle im Fundraising hat mein Interesse für das Thema Stiftungen geweckt:

Weshalb werden sie gegründet? Welche Ziele verfolgen sie? Was für Menschen stecken in den Stiftungsräten? Bei anderen Praktika hatte ich erste Berührungspunkte mit Webseiten Back-Ends oder konnte beim Radio 3fach einen ersten Blick hinter die Kulissen eines Tagesmediums werfen. «Learning by doing» funktioniert dabei meistens ziemlich gut, wenn man seine Auffassungsgabe jahrelang während den Vorlesungen trainiert hatte.

3. Puzzlestück – aktuelle Diskurse

#blacklivesmatter – diese Problematik beschäftigt mich täglich. Es braucht dringend Menschen, die sich dafür starkmachen, dass niemand aufgrund seiner Herkunft diskriminiert wird. Umso mehr freut es mich, dass sich die Stiftung Gertrud Kurz genau in diesem Bereich engagiert. Ebenso bin ich froh, dass meine Aufmerksamkeitsspanne im Geschichtsunterricht wesentlich grösser war als im Fach Physik. Wobei mir erst jetzt klarwurde, wie wenig bei mir vom Zweiten Weltkrieg hängengeblieben ist. Ausserdem beschäftige ich mich im Praktikum erstmals intensiv mit einer Schweizer Frauenbiografie und somit auch mit dem Frauenstimm- und Wahlrecht. Ein brandaktuelles Thema, welches in meinem Geschichtsunterricht während der Kanti leider vergessen ging …

4. Puzzlestück – freiwilliges Engagement

Ich bin schon seit einigen Jahren ehrenamtlich tätig, wobei natürlich in letzter Zeit vieles ins Wasser fiel. Mein Praktikum läuft glücklicherweise unabhängig von Coronaeinschränkungen. Es hat mir jedoch gezeigt, dass gerade in herausfordernden Zeiten freiwilliges Engagement nicht wegzudenken ist. Auf diese Art schaffte es auch Gertrud Kurz, Menschen in Notlagen zu helfen. Immer wieder aufs Neue versuchen, die eigenen Fähigkeiten bestmöglich für andere einzusetzen, lautete Ihre Devise damals. Darin ist sie mir ein Vorbild geworden.

5. Puzzlestück – das Umfeld

Zu dritt im Homeoffice diskutieren wir am Mittagstisch intensiv die Themen, die in unserem jeweiligen Arbeits- und Studienalltag auftauchen. Seit wir nun nicht mehr nur WG-Gspändli, sondern quasi auch Arbeitskollegen sind, schätze ich es umso mehr, dass wir dieselben Interessen und Wertvorstellungen pflegen. So erweitert auch der Austausch zu Hause meinen Praktikumshorizont.

Das Endresultat

Ich könnte dir noch weitere 995 Puzzleteile aufzählen, die sich in meinem Kopf zusammengesetzt haben. Für mich fühlt es sich gut an, zu erkennen, wie meine bisherigen Erfahrungen einen neuen Sinn ergeben. Mal einen Schritt zurückzutreten und mir zu überlegen, wo ich momentan stehe, hat mir gutgetan. Vielleicht inspiriert es dich ja auch, mal einen Blick auf dein inneres Puzzle zu werfen. Wer weiss, vielleicht fühlt es sich bei dir eher an wie ein Jengaturm, ein Rubik’s Cube oder ein Schachfeld.

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