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Kulturwissenschaften: «Und was machst du damit?»
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«Warum soll ich fünf Jahre meines Lebens investieren, um Kulturwissenschaften zu studieren?» (Bild: Helloquence)

Breite eines Studiengangs stösst auf Unverständnis Kulturwissenschaften: «Und was machst du damit?»

3 min Lesezeit 08.08.2017, 21:41 Uhr

Gerade wenn wir einem nicht ganz so alltäglichen Studium nachgehen, ist es für Studenten der Uni Luzern nicht immer einfach, dieses zu erklären. Begriffe wie «Interdisziplinarität» helfen dabei meistens auch nicht weiter. Dabei wäre es doch eigentlich gar nicht so schwierig.

Ich studiere Kulturwissenschaften. Was ist das? Genau. Und was machst du damit? Fragen, die mir jedes Mal gestellt werden, wenn ich erzähle, was ich in meinem Leben so mache. Auch nach einer kurzen Beschreibung fällt es dem Gegenüber meist nicht leicht zu verstehen, was das eigentlich sein soll. Kulturwissenschaften. Hat das mit Kunst zu tun? Oder mit fremden Kulturen? Oder ist das einfach das Gegenteil von Naturwissenschaften? All diese Fragen beantworte ich jeweils mit ja. Und mit nein.

Meistens flüchte ich mich in Floskeln und erzähle das, was uns zum Studienbeginn gesagt wurde: Kulturwissenschaften sei eben ein stark interdisziplinärer Studiengang, in welchem versucht werde, Probleme von verschiedenen Perspektiven her zu beleuchten. Ich beschäftige mich mit Alltagsphänomenen und ihrer Geschichte. Ich könne aus sieben verschiedenen Gebieten Veranstaltungen auswählen und sei dabei in meiner Wahl so frei, wie wohl in kaum einem anderen Studiengang.

Wie breit darf ein Studium sein?

Ganz allgemein werden an der Uni Luzern die Begriffe «interdisziplinär» und «fächerintegrierend» grossgeschrieben. Luzern bietet als kleine Uni spezielle und in der Schweiz einzigartige Studiengänge wie Kulturwissenschaften oder auch PPE (Philosophy, Politics, Economics) an. «Unter Interdisziplinarität versteht man die Nutzung von Ansätzen, Denkweisen oder zumindest Methoden verschiedener Fachrichtungen», ist bei Wikipedia nachzulesen. Bezogen auf mein Studium ist das Ziel also die Analyse von kulturellen Phänomenen aus verschiedenen Perspektiven.

Ist es vielleicht diese Breite, die auf Unverständnis stösst? Meine Erfahrungen zeigten mir, dass es nicht nur der Inhalt, sondern vor allem auch der Nutzen dieses Studiums ist, der unklar ist und der mit der Breite zusammenhängt. Warum soll ich fünf Jahre meines Lebens investieren, um Kulturwissenschaften zu studieren? Klingt zwar interessant, aber was machst du nachher? Du musst dich doch irgendwo vertiefen!

Nicht Wissen – aber wissen wie

Dabei spezialisiere ich mich doch eigentlich schon. Nicht unbedingt inhaltlich, aber ganz bestimmt methodisch. Was mir angeboten wird, ist nicht in erster Linie Wissen, sondern das Erlernen der Fähigkeit, Fragen zu stellen, wissenschaftlich zu diskutieren und zu schreiben, Verbindungen herzustellen, zu hinterfragen. Das bedeutet, ich kriege Werkzeuge und Instrumente geboten, die verschiedene Herangehensweisen an Probleme fördern. Eigentlich ist dieses Studium doch auch einfach ein Abbild der breit akzeptierten Annahme, dass Probleme auf verschiedene Weisen betrachtet und gelöst werden müssen.

Einzigartig und breit: was bringt das?

Die Schwierigkeit, den Studiengang Kulturwissenschaften zu erklären, ergründet sich also einerseits aus dessen Einzigartigkeit und damit auch der Unbekanntheit – normalerweise wird das Studium ja in Haupt- und Nebenfach unterteilt – und andererseits durch seine Breite. Diese Schwierigkeiten lassen sich zwar überwinden, noch schwieriger wird’s erst danach.

Der wichtigste Faktor ist und bleibt nämlich wie bei den meisten geisteswissenschaftlichen Studiengängen die Frage nach dem Nutzen für die eigene Laufbahn und für die Gesellschaft. Was schade ist, denn eigentlich wäre es in diesen Gesprächen doch viel interessanter, über konkrete momentane Erfahrungen und Inhalte zu reden und andere Meinungen zu hören, als nur nach Zukunftsmöglichkeiten gefragt zu werden oder sein Studium nach späterem Erfolg und Nutzen abzuwägen und zu messen.

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