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Ein Studentenjob – nur des Geldes wegen?
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Viele Studenten finden ihren Nebenjob hinter der Kasse eines Grosshändlers. (Bild: pixabay)

Wie der Nebenjob das Studium bereichert Ein Studentenjob – nur des Geldes wegen?

4 min Lesezeit 28.03.2017, 15:39 Uhr

Was muss mir der perfekte Studentenjob eigentlich bieten? Interessante Projekte und praktische Erfahrungen, die mir sowohl beim Studium als auch in meiner beruflichen Zukunft weiterhelfen. Ja klar, aber ernsthaft? Geld! Von einer etwas anderen Herangehensweise an die nicht ganz schönste Nebensache der Welt.

Als ich nach abgeschlossener Matura ein Zwischenjahr einlegte, war von Beginn an klar, dass ein Nebenjob her musste. Ohne gross zu suchen, startete ich als Weihnachtsaushilfe in der Spielwarenabteilung eines Detailhändlers. Damals hätte ich es kaum für möglich gehalten, auch noch Jahre später im gleichen Betrieb zu arbeiten. Doch ich blieb … und das lange. Mehr als sechs Jahre stand ich mit schwindender Motivation hinter meiner Kasse und mit mir die stetige Frage nach dem «Warum?».

Einige Auswahlkriterien

Offensichtlich wäre es sinnvoller gewesen, mir zu Beginn des (damals noch) Socom-Studiums (Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften) einen anderen Teilzeitjob nach für meinen Fachbereich relevanten Kriterien zu suchen. Die ersten zwei Semester waren jedoch so voller neuer Eindrücke (und für mich angsteinflössender Methodenprüfungen), dass ich sehr froh war um eine Konstante, eine Beschäftigung, bei der ich meine Gedanken entspannen konnte.

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«Monotone Arbeit ist ein idealer Ausgleich zum kopflastigen Studium.»

Monotone Arbeitsabläufe, liebevoll auch Hirnentlüftung genannt, bei denen in der Theorie brillante Ideen entstehen konnten. Inspiration en masse! Kurz: Die stets gleich ablaufenden Vorgänge stellten für mich einen idealen Ausgleich zum doch recht kopflastigen Studium dar, welchen ich damals nicht so schnell aufgeben wollte. Ausserdem konnte ich mich aus Gründen der Nostalgie an unseren Produkten erfreuen.

Hinzu kam, dass ich mich mit fortschreitender Zeit nicht mehr als «die Aushilfe» oder «die Studentin» fühlte, sondern als wertvolles Mitglied des Teams. Trotz eintöniger Arbeitsschritte und dem mir bis heute verhassten Kundenkontakt war ein gewisses Mass an Zufriedenheit hinzugekommen. Gut fürs Ego halt.

Aber nicht nur Simplizität und (in Ermangelung eines besseren Wortes) Freude an der Arbeit spielten eine grosse Rolle, sondern ganz schlicht auch die Lage. Einen Fussweg von fünf Minuten von der Uni zur Arbeit und die daraus resultierende Flexibilität bezüglich Arbeitseinsätzen mochte ich nicht gegen eine gleichwertige Tätigkeit eintauschen, bei der ich für den Arbeitsweg zu viel Zeit verloren hätte.

Diesen Faktoren ist es zu verdanken, dass ich auch heute noch mit halbwegs glaubhaftem Lächeln meine Kunden nach abgeschlossener Transaktion nach dem obligaten Plastiksäckli frage. Zumindest für den Moment.

Alles eine Frage des Geldes?

Das Schöne am Studentenjob: Man arbeitet oft im Stundenlohn. Da denke ich bei der Frage «Kannst du noch länger bleiben?» eher erfreut ans Bankkonto und verdränge gerne den halbfertigen Essay, der zuhause rumliegt und dessen Abgabetermin immer näher rückt. Wenn man dann auch noch gut mit seinem Team auskommt, schiebt man das schlechte Gewissen ganz zur Seite, denn man hilft ja seinen Mitarbeitern, die sonst dem Stress verfallen würden. Oder man sucht sich eine ähnliche Ausrede, und schon ist die Semesterzahl etwas höher als beabsichtigt. Aber einen anderen Job suchen will man dann doch nicht, weil Aufwand und bereits eingespieltes Team und so …

«Wissen ist Macht, aber davon wächst nun mal der Kontostand nicht.»

Idealerweise hält man die Balance zwischen Studium und Job, investiert nicht zu viel, plant für die Zukunft und zieht seine Pläne durch. Klappt auch für die meisten. Das Risiko, das Studium für schnelles Geld aufzuschieben, bleibt dennoch für manche bestehen und das schlechte Gewissen steigt mit der Semesterzahl. Ja, ja, Wissen ist Macht … aber davon wächst nun mal der Kontostand nicht.

Lieber etwas ganz anderes?

Erfreulicher ist es, wenn sich plötzlich ungeahnte Möglichkeiten abseits des Studiums entwickeln. Hat man das Glück, seinen Teilzeitjob nicht nur zu mögen, sondern eine (bislang möglicherweise unbemerkte) Passion dafür zu entdecken, können Karrierechancen winken. Da wird der Teilzeit-Judoinstruktor zum Mitgründer einer Kampfsportschule oder der Kinokassier zum Filmkritiker.

Natürlich ist eine solch glückliche Fügung nicht allen vergönnt, aber es lohnt sich, keine Möglichkeit auszuschliessen.
Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, was ich mal werden will … wenn ich gross bin, meine ich. Wenigstens weiss ich, was ich nicht will. Auch so ein schöner Nebeneffekt des Studijobs. Daher werden in meiner Position die Aufstiegsmöglichkeiten generell und gerne abgelehnt.

Denn momentan bin ich mit meiner Situation zufrieden, halte aber für die Zeit nach meinem Bachelor bereits die Augen offen für anderweitige Optionen und Herausforderungen, abseits des Detailhandels! Denn trotz vorangegangener Vorteile werde ich meinen jetzigen Job nicht allzu sehr vermissen.

Aber bis dahin wird es wohl weiterhin heissen: «Kannst du noch länger bleiben?» – «Ja, ich kann.» Hat mir mein Bankkonto erlaubt. Echt jetzt!

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