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Die Uni als Aquarium
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Im akademischen Aquarium kommen allerei Fische zueinander. (Bild: Unsplash)

Eine Parabel Die Uni als Aquarium

3 min Lesezeit 25.11.2019, 11:00 Uhr

Man betritt Luzerns Universitätsgebäude durch grosse Glasscheiben – die Beleuchtung kommt von oben. Campus-Bloggerin Eliane Ruesch fühlt sich zweitweise wie in einem Aquarium. In der Mensa tummeln sich hungrige Fische, in der Bibliothek erkundigen sich paarungswillige nach einem neuen Schwarm und in den Seminarräumen geht manchmal die Angst vor Raubfischen um.

Manchmal fühle ich mich in der Uni wie in einem Aquarium. Das hat aber nichts mit der unmittelbaren, von allen sehr geschätzten Nähe zum See zu tun. Neben all den Enten, Schwänen und Möwen, die sich da auf den Wellen treiben lassen und von Touristen belästigt werden, wäre das sowieso eher eine Voliere. Nein. Es sind subtilere Dinge, die mich zu diesem fantasievollen Aquarium-Gedanken führten.

Zuerst sind da die grossen Scheiben. Beim Betreten des Gebäudes passiert man zwei gläserne Eingänge, die den Lärm dämpfen und einen wissen lassen: Du hast nun die stürmischen Gewässer und Tücken der Aussenwelt hinter dir gelassen.

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Die Beleuchtung kommt von weit oben und die Uhr beginnt in einem neuen Tempo zu ticken. Da taucht zur Linken auch schon das erste Becken auf.

Hungrige Mensa-Fische

Es ist gerade Fütterungszeit und allerlei kleine und bunte Fische (Studierende, für die langsamen Schwimmer unter euch) schwimmen im Schwarm durcheinander. Durch riesige Glaswände können sie beim Sozialisieren und bei der Nahrungsaufnahme beobachtet werden.

An manchen Tagen wirkt dies fast schon makaber, dann betrachten sie nämlich die frittierten Fischfilets beim Buffet.

Geübte Bewohner des Aquariums schlängeln sich glatt wie Aale durch die Menge und wissen, wo die besten Korallenriffe und Seegraswiesen zum Ausruhen sind. Sie halten sich entlang den Wänden auf und beobachten die Tierwärter, die Nachschub ans Becken bringen.

Zu den Stosszeiten um 12 Uhr wimmeln da so viele Flossen herum, dass es einem schnell eng wird um die Kiemen und man sich lieber wieder in ein anderes Becken verzieht.

Dating-Pool im Büchermeer

Im ersten Stock ist die Atmosphäre ruhiger. Es ist der Tiefsee-Teil des Aquariums mit grösseren Becken, weniger Aufregung und einzelnen Fischen, die ruhig durch die Gänge gleiten. Hier herrscht kein hektisches Schwadern, dafür sieht man stumme Mäuler und weit aufgesperrte Augen, die stoisch in ihre Bücher starren.

Manchmal schweifen die Blicke aber auch weg von der Lektüre. In diesen Momenten sollte man sich daran erinnern, dass man sich nicht nur an einem Ort der Lehre und in einem Meer von Büchern aufhält, sondern auch in einem potenziellen Dating-Pool.

Aktives Angeln ist zu beobachten! Pass also auf, vielleicht findest du unter den gleichgesinnten Lese-Fischen deinen neuen Schwarm …

Stumme Seminar-Fische

Verlässt man den Tiefsee-Bereich und schwimmt man in die oberen Stockwerke, trifft man im Vergleich zu den kleinen, gestressten Schwarmfischen von vorher ab und zu ein paar dicke Fische (Professorinnen).

Jene drehen ihre Runden zwischen Büros, Vorlesungssälen und Seminarräumen. Auch dort herrscht Aquarium-Feeling. Daran erinnern mich speziell jene Seminarteilnehmer, die das ganze Semester lang stumm auf ihrem Stuhl sitzen.

Wacht auf! Die Dozenten sind keine Haifische, die darauf warten, euch bei einer nicht 100 Prozent korrekten Antwort zerfleischen zu können! Wir sind neben ihnen zwar relativ kleine Fische, aber schlussendlich an diesem Ort, um von der Schwarmintelligenz zu lernen und daran zu wachsen.

Keep calm and swim on

Für Menschen (und ich nehme an auch für Fische) ist es gut, manchmal ins kalte Wasser geworfen zu werden. Also nimm das Ganze etwas lockerer und lass dich mit dem Strom durch das Uni-Aquarium treiben.

Wir werden früh genug im Arbeitsleben ankommen und dort kommen stumme Fische auch nicht weiter, denn Fische fängt man mit der Angel, aber Leute mit Worten.

Friedliche Koexistenz und Interaktion der Fischarten bilden das Fundament des akademischen Alltags.

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