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Die studierende Aushilfe: Flexibilität bis zum Umfallen
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Die studierende Aushilfe: Allzeit bereit? (Bild: Pixabay)

Wie ich für den Chef zur billigen Notlösung wurde Die studierende Aushilfe: Flexibilität bis zum Umfallen

4 min Lesezeit 16.09.2019, 10:55 Uhr

Die Vorstellung, Studierende würden den ganzen Tag nichts tun und könnten deshalb jederzeit einspringen, hält sich hartnäckig. Von diesem Standpunkt aus sind Studierende die optimale Aushilfe. Sie kosten fast nichts und sind endlos flexibel. Dennoch benötigte unsere Bloggerin fast drei Jahre, um beim Nebenjob auch mal Nein zu sagen.

Während meines Bachelorstudiums habe ich – wie so viele andere Studierende – auf Stundenbasis in einem Nebenjob gearbeitet. Neben der Tatsache, dass ich damit Geld verdiente (zwar nicht besonders viel, aber ausreichend) war die Arbeit stets eine willkommene Abwechslung.

Gerade während intensiveren Zeiten im Studium tat es gut, zwischen der ständigen Suche nach Formulierungen einen Tag lang frisch fröhlich die Frage: «Chan ich dir Öppis zeige?» zu wiederholen.

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Der Nebenjob als Ergänzungsfach

Mit Sicherheit habe ich in meinem Nebenjob auch vieles gelernt, was mein im Studium erarbeitetes Wissen mehr als ergänzt.

Von branchenspezifischem Fachwissen über kompetentes Auftreten im Kundinnenkontakt bis hin zur Fähigkeit, sich ohne weitere Hilfsmittel die Zeit während Flauten zu vertreiben, war vieles dabei, was mich im täglichen Leben weiterbringt.

Meinen bedeutendsten Lernerfolg erreichte ich jedoch erst vor kurzem. Ich habe endlich gelernt, Nein zu sagen.

Flexibilität bis zum Umfallen

Während über drei Jahren arbeitete ich in einem Geschäft, in dem Fachpersonen festangestellt waren und einige Aushilfen auf Stundenbasis arbeiteten. Im Optimalfall wurden die Einsätze drei Monate im Voraus festgelegt, wobei ich selbst mitbestimmen konnte, an welchen Tagen ich arbeiten möchte.

So weit so gut – für eine Studentin ein ideales Anstellungsverhältnis. Natürlich unterliefen auch mir in der Koordination von Arbeitstagen einige Fehler. Für meine eigene Fehlplanung trug ich selbstverständlich stets selbst die Verantwortung.

Wer ist hier der Boss

Zu den langfristig geplanten Einsätzen gesellte sich jedoch eine immerwährende Erwartung an meine Flexibilität und Spontaneität. Dem zugrunde lag ein weitreichendes Missverständnis, das sich auch nach stundenlangen Diskussionen nicht klären wollte.

Meinem Chef wollte es bis zuletzt nicht einleuchten, dass ich zwar selbständig für die Uni arbeiten konnte (also ohne extern kontrollierte Anwesenheitspflicht), dass das aber nicht hiess, dass ich überhaupt nicht für die Uni arbeiten musste und auch nicht, dass ich alle Abgaben problemlos um mehrere Wochen verschieben konnte.

Auf dem Boden dieses Missverständnisses sprossen wöchentlich mehrere Anfragen für spontane Arbeitseinsätze.

Ausserhalb meines Aufgabenbereichs

Aus Solidarität mit den anderen Mitarbeitenden – schliesslich wusste ich, wie unangenehm ein unterbesetzter Samstag werden konnte – sprang ich zu Beginn wann immer möglich ein.

Nach unzähligen spontanen Arbeitstagen, an denen sich herausstellte, dass der besagte Notfall keinesfalls ein Notfall war, sondern ich bloss zur Entlastung bestellt wurde (falls es ja eventuell vielleicht möglicherweise doch noch voll wird), wurde mein Geduldsfaden bedeutend dünner.

Es brauchte jedoch fast drei Jahre, bis ich realisierte, dass es nicht nur an mir sein konnte, meinen Mitarbeitenden Überstunden und allfällige Stressmomente zu ersparen. Vor allem nicht, wenn ich dafür selbst 7-Tage-Wochen und 12-Stunden-Tage liefern musste.

Nein sagen lohnt sich

Seit dem Zeitpunkt dieser Erkenntnis hat sich die Situation für alle Beteiligten bedeutend entspannt. Natürlich sprang ich noch immer in wirklichen Notfällen ein.

Aber ich hatte nicht mehr jedes Mal tagelang ein schlechtes Gewissen, wenn ich eine spontane Anfrage ablehnte und war beim Arbeiten nur noch selten genervt, weil ich extra eingesprungen war und dann doch nichts zu tun hatte.

Mein Chef konnte bei seinen Vorgesetzten schlussendlich durchsetzen, dass eine weitere Festanstellung ausgeschrieben wurde und ist nun bedeutend seltener auf spontane Hilfe angewiesen.

Allzeit bereit? Leider nein

Mein persönliches Fazit nach über drei Jahren Studijob: Ab und zu Nein sagen, ist auch eine Lösung. Und: Auch wenn wir Studierende unsere Arbeitszeit nicht in Excel-Tabellen auf die Minute genau erfassen, auch wenn uns niemand für unsere Arbeit bezahlt und auch wenn wir unsere Arbeit selbst einteilen können, es ist trotzdem Arbeit!

Lasst euch nicht auf der Nase herumtanzen und mit niedrigen Stundenlöhnen zur allzeit bereiten Aushilfe degradieren. Wehrt euch! Es lohnt sich.

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