Die Erfahrung eines Philosophiestudenten beim Schliessen von Freundschaften
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Im Studium einen Freundeskreis aufzubauen, kann herausfordernd sein. (Bild: pexels)

Viele Freunde, die sich gegenseitig kaum kennen Die Erfahrung eines Philosophiestudenten beim Schliessen von Freundschaften

4 min Lesezeit 26.10.2020, 10:54 Uhr

An der Universität Luzern kann man Philosophie als Hauptfach (bzw. Major) studieren (wie ich es mache). Aber auch als Nebenfach, oder im Rahmen von integrierten Studiengängen. Was heisst das jetzt konkret für das Schmieden von Freundschaften für mich als Student, der Philosophie im Hauptfach belegt?

An der Uni Luzern führen viele Wege zur Philosophie. Neben Haupt- und Nebenfach, kann man sich das Wissen auch im Rahmen der integrierten Studiengänge «Kulturwissenschaften» und «Philosophy, Politics and Economics», den wir abgekürzt PPE nennen, aneignen.

Nach meiner Einschätzung ist PPE wohl der beliebteste Studiengang, in dem man Philosophie studieren kann. Jedes Jahr werden zahlreiche Maturanden durch den Prospekt angezogen, Philosophie im Triplet mit Politik und Wirtschaft in einem modernen und weltbezogenen Kontext zu studieren. Studierende, die sich jährlich für Philosophie als Hauptfach eintragen, gibt es vergleichsweise deutlich weniger, als solche, die von PPE oder anderen Fächern der Universität Luzern angezogen werden. Trotzdem findet man auch Freundinnen und Freunde in diesem vergleichsweise kleineren Studiengang.

Mein Freundeskreis

Einige andere Studiengänge haben den Luxus, einen weitaus grösseren Pool an Menschen semesterweise anzuziehen. Alleine dadurch erhöhen sich die Chancen, coole Personen kennenzulernen, mit denen man täglich dank des Studiums Zeit verbringt. Es bilden sich Cliquen und beständige Freundeskreise. Viel wesentlicher aber, habe ich eine ziemlich grosse Freiheit, mein Philosophiestudium nach meinen eigenen Präferenzen zu gestalten.

Das ist natürlich eine sehr positive Eigenschaft des Studiums, bedeutet jedoch auch, dass ich einige Menschen, die ich gern habe, für manche Semester gar nicht zu Gesicht bekomme. Ihre Interessen liegen woanders, weswegen wir nicht dieselben Veranstaltungen besuchen. Als Student mit Major Philosophie habe ich keinen homogenen Zirkel von Freunden, die alle dieselben Veranstaltungen besuchen und reichlich Gelegenheit haben, sich kennenzulernen.

Weniger regelmässige Begegnungen

Zu meinen Freunden, Freundinnen und Bekannten zählen gleichermassen Leute, die Philosophie als Hauptfach belegen, und solche, die PPE, Kulturwissenschaften, Soziologie, Geschichte, Theologie und andere Fächer studieren. Zudem sind manche von ihnen erst am Anfang des Studiums, andere schon am Ende.

Diese Heterogenität spiegelt sich dann wiederum in meinem Freundeskreis wider: Aufgrund der unterschiedlichen Studiengänge und Standorte im Studium kennen sich meine Kommilitoninnen und Kommilitonen gegenseitig kaum oder gar nicht. So verabrede ich mich jeweils nur mit ein paar von ihnen zu gegebener Zeit, um etwas jenseits der Uni gemeinsam zu unternehmen.

Das ist eigentlich ganz gut so

Bitte versteht mich nicht falsch: Ich lamentiere die Verschiedenheit meiner Freunde keineswegs. Die Universität Luzern hat zahlreiche wertvolle Personen zu mir geführt, die mein Leben bereichert haben und die ich nie kennengelernt hätte, hätte ich nicht Philosophie studiert.

Dafür bin ich unendlich dankbar. Es mag stimmen, dass der Pool von Leuten, denen man als Philosophiestudent tagtäglich begegnet, klein ist, dafür ist aber der Pool von Leuten, denen man überhaupt begegnet, viel grösser als der anderer Studiengänge.

Meine Prognose für neue Studis

Als ich begonnen habe, Philosophie zu studieren, gab es kaum eine Handvoll neuer «reiner» Philosophie-Studierender in meiner Generation. Jetzt, nur drei Jahre später, sieht das Bild etwas anders aus. Ich habe bemerkt, dass es jetzt viel mehr Leute gibt, die Philosophie im Hauptfach studieren als damals, in meiner grauen Vorzeit.

Tatsächlich ist es der Trend, dass es jedes Semester mehr solcher Leute gibt, als im vorigen Semester. Das bedeutet, dass neue Studierende potenziell das Beste beider Welten haben können – sowohl einen breiten und diversen Kreis von Leuten unterschiedlicher Gemüte und Interessen, als auch einen kleineren, intimeren Kreis von Kommilitoninnen und Kommilitonen, mit denen man viel Zeit verbringt. Die neue Generation muss sich jedoch mit einem neuen Problem auseinandersetzen.

Das Coronavirus hat all unsere Leben aus der Balance geworfen. Für die neuen Studis heisst das, man verbringt weniger Zeit an der Uni und man muss Social Distancing praktizieren, was deutlich das Kennenlernen neuer Leute beeinträchtigt. Aber das gilt wohl für alle Studierende, ob Philosophie, Politikwissenschaft oder sonst was. Mein Rat an euch: Kopf hoch, denn wir überstehen es nur gemeinsam!

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