Wie aus einem simplen Poster ein Sammelband wurde Der steinige Weg bis zur Publikation

19.10.2020, 10:52 Uhr 4 min Lesezeit 2 Kommentare
Das Seminar von Campus-Bloggerin Eliane Ruesch entwickelte sich vom Spaziergang zur anstrengenden Wanderung. (Bild: pexels)
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Das Seminar von Campus-Bloggerin Eliane Ruesch entwickelte sich vom Spaziergang zur anstrengenden Wanderung. (Bild: pexels)

Unsere Campus-Bloggerin Eliane Ruesch konnte sich zu Beginn nicht vorstellen, ein ambitioniertes Projekt und somit zusätzlichen Aufwand für die Universität anzugehen. Aber irgendwie rutschte sie trotzdem hinein. Und spätestens im Rückblick ist sie mit dem vollendeten (Schreib-)Prozess zufrieden, der sie und ihre Kommilitoninnen zu unerwarteten Leistungen führte.  

Kennt ihr das Gefühl, von euch selbst überrascht zu sein? Beispielsweise wenn man auf einem Berggipfel steht und den Sonnenaufgang betrachtet, obwohl man niemals freiwillig um 4 Uhr aufstehen und im Dunkeln irgendwo hoch wandern würde. Es kommt die Frage auf: Wie und weshalb habe ich das jetzt getan?

Eine offensichtliche Motivation dafür könnte der spektakuläre Sonnenaufgang sein, den man schon immer einmal erleben wollte. Aber dies ist zu naheliegend und liesse auf dem Gipfel eben nicht die Frage offen, wie es dazu gekommen ist.

Das Seminar als gewöhnlicher Spaziergang

Vielleicht dachtest du ursprünglich, du gehst mit deinen Mitstudierenden auf einen gewöhnlichen Spaziergang. Nur «ums Eck». Doch während ihr am Spazieren seid, hat jemand eine neue Idee, anstelle der angestrebten Zieldestination.

Zuerst bist du kritisch. Aber zunehmend lässt dich das Versprechen einer spektakulären Aussicht neugierig werden. Ausserdem möchtest du deinen Wandergefährten und der Bergführerin nicht absagen. Insgeheim denkst du «allzu anstrengend wird es schon nicht werden». Und plötzlich bist du mittendrin im Aufstieg und es ist zu spät, um wieder umzukehren.

Vom Spaziergang zur (Nacht-)Wanderung

Mein «Spaziergang» war die Teilnahme an einem Seminar namens »Food(waste) qualitativ erforschen« im Herbstsemester 2018. Zuvor habe ich schon unzählige Bachelor- und Masterseminare besucht und dachte folglich, ich kenne den Weg und kann die Anstrengung ungefähr einschätzen.

Zur Wanderung wurde der Spaziergang, als der Entscheid fiel, im Rahmen dieses Seminars eine Posterausstellung zum Thema «Foodwaste» (untersucht aus organisationswissenschaftlichen Perspektiven) zu gestalten und zu organisieren. Zu den Standorten zählten die Universität Luzern, die Hochschule Luzern und das Natur-Museum Luzern. «Ein Poster ist machbar. Sozusagen eine komprimierte Powerpoint-Präsentation.» Wir «wanderten» weiter.

«Das hätte ich jetzt nicht gedacht»

Doch schleichend wurde die Wanderung härter, das Projekt wuchs und es blieb nicht bei der Posterausstellung. Gemeinsam wurde entschlossen, daraus einen studentischen Sammelband zu gestalten. Plötzlich fand ich mich auf einer Nachtwanderung wieder, die definitiv schwieriger war als der Spaziergang, für welchen ich mich ursprünglich angemeldet hatte.

Bis das Projekt – unsere Nachtwanderung – im Sonnenaufgang gipfelte: die tatsächliche Vollendung meines Kapitels für einen studentischen Sammelband, der Anfang 2021 vom transcript Verlag veröffentlicht wird. So richtig mit Finanzierung, Vorwort und Danksagung!

Danke für alles und (nicht ganz ernst gemeinte) Highlights

Zugeben – dies ist zwar ein Campusblog und «Tourenbericht» – aber gleichzeitig auch ein Danke. An meine motivierenden Mitstudierenden, mit denen ich zusammen auf demselben Weg unterwegs war. An unsere «Bergführerin» Nadine Arnold, welche jederzeit hilfreiche Tipps und Feedbacks lieferte, uns pushte und ohne die das ganze Projekt überhaupt nicht stattgefunden hätte.

Und um das Ganze auch mental abschliessen zu können, widme ich diesen Blog der Reflexion. Hier ein paar (mehr oder weniger) chronologische Highlights des Gedankenprozesses:

Herbstsemester 2018

  • Ich muss noch eine Forschungsarbeit schreiben. Dieses Seminar hört sich gut an. 
  • Cool, das Seminar ist anregend! Ich finde toll, wie nahe an der Praxis wir sind.
  • Als Vorbereitung für meine Arbeit so ein Poster gestalten? Warum nicht!
  • Ach, wir stellen die Poster aus und machen einen Apéro? Hört sich gut an!

Frühlingssemester 2019

  • Geschafft! Sieht gedruckt fancy aus! Und wow, der Apéro ist lecker!
  • Wie jetzt, einen Sammelband publizieren? Wie geht das überhaupt? So gut finde ich meine Idee gar nicht …
  • Also gut. Hoffentlich bereue ich das nicht.
  • Anträge stellen für die Finanzierung? Ergibt Sinn!
  • Super, das soziologische Seminar der Universität Luzern und der Seminarleiter Raimund Hasse unterstützen uns! Und auch die universitäre Lehrkommission!
  • Super, wir haben die Silbergrund-Stiftung und die Studierendenorganisation der Universität Luzern auch von uns überzeugen können!

Herbstsemester 2019

  • Das Schreiben zieht sich, aber wir schaffen das schon!
  • Ach herrje, auf was haben wir uns da eingelassen?!
  • Ich glaube, langsam ist ein Ende in Sicht …
  • Yeah, die letzte Version meines Kapitels!
  • Mist, doch noch eine Überarbeitung. Thematisch ändert sich nochmals ziemlich viel …
  • Mit diesen Anpassungen wird das Ganze besser. Aber zuerst muss ich sie noch umsetzen!

Frühjahrssemester 2020

  • Frage von Freunden: «Wie lange bist du jetzt schon an diesem Projekt dran?»
  • Yeah, jetzt ist es die letzte Überarbeitung! Nur noch zum Lektor… Fertig!
  • Der Lektor hat natürlich Anmerkungen … Jetzt nur nochmals überarbeiten und dann ist es wirklich vorbei …
  • Abgesendet!

Herbstsemester 2020

  • Ach so, das ist nun die Druckfahne: So wird es aussehen, wenn es gedruckt wird.
  • Weshalb finde ich hier doch noch einen Rechtschreibfehler?!?!
  • Ja, ich habe es mit Kommentaren wieder zurückgeschickt.
  • Ist es jetzt wirklich, wirklich vorbei?
  • Es ist geschafft!
  • Und jetzt heisst es: Abwarten …

Und das hier ist der Link zum Projekt. Würden sich die Leute mehr mit Foodwaste auseinandersetzen, hätten alle (vor allem auch die Umwelt) was davon.

So sieht das Titelbild der Publikation aus. (Bild: zvg)

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2 Kommentare
  1. Roland Grüter, 19.10.2020, 17:38 Uhr

    Mühsam: Immer mehr Blogger/innen-Berichte. Ist da die Aufgabe einer echten «Zeitung»?

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    1. Eliane Ruesch, 28.10.2020, 18:24 Uhr

      Vielen Dank für ihren Input! Nun bin ich aber ein wenig…

      Verwirrt: Haben sie nicht bewusst auf die «Blog» Sparte der zentralplus Webseite geklickt? Und vielleicht den ersten Teil des Slogans (News *plus mehr* – für Luzern und Zug) übersehen?

      Zu den Blogs: Diese Form des Schreibens und Publizieren ist nicht für das Verbreiten von Nachrichten gedacht. Es ermöglicht manchen einen Einblick in den Studi-Alltag der Universität Luzern (oder in andere Themengebiete) und gibt uns Schreib-Studis die Möglichkeit, über diese Plattform redaktionelle Erfahrungen zu sammeln. Wir machen das freiwillig, ohne finanzielle Entlohnung.

      Ich hoffe also, dass sie unsere Campusblogs vor allem unterhaltsam, aber (zumindest nachrichten-technisch gesehen) nicht informierend finden. Und wünsche ihnen weiterhin viel Spass beim Lesen aller Nachrichten und Blogs. 🙂

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