«Dafür bin ich zu dumm»

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Sammelt Informationen … aber lest nicht nur die Infobroschüren. (Bild: AURA)

Üblicherweise fällt die Studienwahl auf eine Einschätzung von Fähigkeiten, Spass und Zukunftsaussichten zurück. Um nicht unglücklich zu werden, sollte das Interesse aber einen besonderen Stellenwert bei der Berufswahl erhalten.

«Dafür bin ich zu dumm», sagt ein Jugendlicher, als ich ihn auf die Möglichkeit eines Studiums an der Uni Luzern anspreche. «Das glaub ich nicht», grinse ich zurück. Sein Freund und er suchen an der Bildungsmesse (ZEBI) in Luzern nach einer passenden Lehrstelle. Maler oder Gipser soll es vielleicht sein.

«Ich habe selbst eine Ausbildung gemacht», sag ich und erinnere mich einen Moment lang daran zurück, wie verloren ich mich damals gefühlt habe, eine Wahl treffen zu müssen, wo ich doch keine Vorstellung davon hatte, was mich erwartet. Später, als es darum ging, sich für ein Studium zu entscheiden, überfiel mich dieses Ohnmachtsgefühl erneut.

Wer sich für ein Studium entscheidet, ist damit noch lange nicht am Ende. Dann nämlich stellt sich die Frage:

Studieren, aber was?

718 Angebote auf Bachelorstufe lassen sich schweizweit auf dem Portal für Studienwahl, Studium und Weiterbildung finden. Doch nicht nur das Angebot erschlägt die Suchenden. Worin unterscheidet sich beispielsweise der «Bachelor in International Business Management» vom «Bachelor in Business Administration (International Management)»? Und worin unterscheiden sich die beiden vom «Bachelor of Arts International Business Management»?

Am 30. April ist wieder Stichtag. Sich für die Studienwahl Zeit zu nehmen, erachte ich als besonders wichtig. Deshalb habe ich schon jetzt eine Anleitung und Tipps zur perfekten Studienwahl für euch zusammengestellt.

Macht einen Studienwahltest …

… aber vertraut keinem. Ein solcher deckt kaum alle 718 Studiengänge ab. Oder noch besser: macht zehn davon! Ihr werdet feststellen, dass dabei nicht immer das Gleiche rauskommt.

Sich über jeden einzelnen der 718 Studiengänge zu informieren, ist ein Ding der Unmöglichkeit und absolut sinnlos. Sich hingegen durch die Liste aller Studiengänge querzulesen, macht durchaus Sinn. Denn der Vorteil des riesigen Angebots besteht darin, dass es nicht nur klassische Studiengänge wie Jura oder Medizin gibt, sondern auch eine Vielfalt an Kombinationsmöglichkeiten. Auch können durch das Querlesen der Liste längst vergessene Passionen wieder ins Gedächtnis gerufen werden. Für eine erste grobe Selektion eignet sich diese Methode besser als jeder Studienwahltest, denn sie konfrontiert uns mit unseren tatsächlichen Interessen und gibt uns keine Grenzen vor. Schreibt euch eine Top 20 auf und gebt sie bei der Berufsberatung ein. Verliert euch eine Weile in der Recherche und geht mit dem Ergebnis zu den Menschen, die euch kennen.

Holt euch Meinungen ein …

… um sie wieder zu verwerfen. Was Mami oder Papi sagen, ist zwar toll, doch sollte euch ihre Meinung nur insofern tangieren, als dass ihr diese als Meinung abstempelt. Mami und Papi werden nicht für euch studieren. Mami und Papi werden (hoffentlich) nicht eure Aufgaben lösen oder euch in die Vorlesung begleiten. Und auch wenn sie das tun, spätestens in der Prüfung müssen die Eltern draussen bleiben.

Geht an Informationsveranstaltungen …

… aber glaubt nicht alles, was ihr seht und hört. Die Hochschulen präsentieren sich an solchen Anlässen immer von der Schokoladenseite. Geht stattdessen an einem normalen Tag vorbei und seht euch die Lage mit eigenen Augen an. In der Regel könnt ihr jederzeit Vorlesungsluft atmen. Bei Seminaren gilt meistens Anmeldepflicht per E-Mail. Informiert euch darüber, wie es an der Institution eurer Wahl aussieht, und kommt einfach mal vorbei.

Macht eine Präferenzmatrix …

… und manipuliert sie (un)bewusst. Eine Weisheit besagt, dass man bei Entscheidungen eine Münze werfen soll. Nicht, um danach dem Kopf oder der Zahl zu folgen, sondern um in sich hineinzuhören und zu merken, dass man sich eben Kopf oder Zahl wünscht. Welches Ergebnis hast du dir insgeheim erhofft?

Sammelt Informationen …

… aber lest nicht nur die Infobroschüren. Es gibt zahlreiche Foren und Erlebnisberichte, die das «echte» Studileben beschreiben und keine Studiengänge schmackhaft machen wollen.

Denkt an die Zukunft …

… vor allem an die nächsten (mind.) drei Jahre. Der Lohn nach einem Wirtschafts- oder Jurastudium mag als toll gelten, sich jahrelang dadurch zu quälen hingegen, ist unbezahlbar. Die Zukunft hat eine besondere Eigenschaft: Sie ist nicht voraussehbar. Wer weiss schon, welche Berufe in fünf Jahren gefragt werden? Ich kann statistische Wahrscheinlichkeitsrechnungen durchführen, die politische Lage einschätzen und Fragen der Moral in Bezug auf den Arbeitsmarkt angehen, doch weiss ich nicht, welche Kompetenzen in fünf Jahren noch gefragt sind oder neu nachgefragt werden.

Lernt euer Wunschfach kennen …

… nicht durch Hörensagen, sondern durch Fakten. Sucht im Internet nach Musterprüfungen und Übungsaufgaben. Interessiert ihr euch für Wirtschaft, dann sucht nach «Ökonometrie». Wollt ihr Jura studieren, sucht nach Fallbeispielen u.s.w. Wenn ihr dabei nicht alles versteht, aber alles verstehen wollt, seid ihr auf dem richtigen Weg! Macht euch ein möglichst klares Bild von dem Studium eurer Wahl. Nur so könnt ihr Enttäuschungen vermeiden.

Setzt auf eure Stärken …

…, um eure Schwächen ausfindig zu machen. Wählt kein Studium allein auf Basis eurer Fähigkeiten aus, schliesslich sollt ihr im Studium noch was dazulernen.

Zieht euch zurück …

… um Anlauf zu nehmen und ins kalte Wasser zu springen. Verdaut die Informationen und die Tatsache, dass ihr euch längst entschieden habt. Wenn ihr so weit seid, lasst euch nicht mehr umstimmen und feiert die erfolgreiche Entscheidung.

Wenn zwischen zwei Studiengängen schwankt, …

… nehmt keinen von beiden, sondern einen dritten.

«Dafür bin ich zu dumm» …

… dachte ich, als ich mich für die Berufsmaturitätsschule eingeschrieben habe. «Dafür bin ich zu dumm», scherzte ich, als ich die Ergänzungsprüfung an der Passerelle bestanden habe. «Dafür bin ich zu dumm», bemerkte ich sarkastisch nach der ersten Fehlleistung an der Uni. «Dafür bin ich zu dumm», sag ich heute, wenn ich an einen Doktortitel denke …

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