Ein Tag meines Laptops
Anderthalb Akkuladungen

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Unsere Laptops: In ständiger Benutzung im Unialltag. (Bild: zvg. zentralplus)

Nicht nur für uns Studierende ist ein Tag voller Vorlesungen, Seminare und Referate eine Herausforderung: ein Tag aus der Sicht meines Laptops.

Schmale Streifen Sonnenlicht drücken durch die Jalousien und erhellen langsam die Räume meiner Wohnung. Ich bin voll aufgeladen und kann den neuen Tag kaum erwarten.

Endlich klingelt der Wecker. Die Jalousien werden hochgezogen, das Fenster wird geöffnet. Eine kühle Morgenbrise flutet das Zimmer. Die Dusche beginnt zu rauschen und bald liegt ein angenehmer Duft von Kokosnuss in der Luft.

Nun wird das Radio angemacht. Der Moderator verkündet einen angenehmen Frühlingstag, was ich schon längst von meiner Wetter-App weiss. In der Küche knarrt die Kaffeemaschine, kurz darauf dampft ein herrlich riechender Milchkaffee zu meiner Rechten. Mein erster Einsatz steht an. In der allmorgendlichen Routine präsentiere ich voller Stolz die Nachrichten auf zentralplus.

Viel Zeit bleibt nicht und ich lande zusammen mit Etui, Schreibblock, Handy und Banane in der schwarzen Umhängetasche. Zuletzt stösst der dicke Schlüsselbund zu uns, was mir ein wenig Angst vor Kratzern macht. Die Reise beginnt. 

Wann ist es endlich vorbei?

Unsanft werden wir in die schwarze Kiste hinten auf dem Motorrad gehoben. Jetzt wird es richtig ungemütlich. 15 Minuten Holperpartie: Wann ist es endlich vorbei?

Nachdem das Motorrad inmitten zahlreicher Vespas und Fahrräder parkiert wurde, geht unsere Reise weiter. In den nächsten 10 Minuten gesellen sich zudem eine Flasche Wasser und ein Maisbrötchen zu uns in die Tasche.

Kaum wurde die Tasche auf dem weichen Untergrund platziert, wird mein zweiter Einsatz an diesem Tag fällig. Strahlend präsentiere ich mich auf dem kleinen Klapptischchen des Zuges, während zu meiner Linken der Zürichsee an mir vorbeizieht. Zehn rot lackierte Finger tippen eilig auf meiner Tastatur umher. Zwischendurch halten sie inne und beschäftigen sich mit Maisbrötchen und Wasserflasche, mit denen ich nun den begrenzten Platz des Zugtischchens teile. Ehrlich gesagt ist Fabienne heute nicht so produktiv wie an anderen Tagen, nur langsam kommt sie mit ihrem Blog voran.

«Die Arbeit geht an meine Substanz.»

Trotzdem vergeht die Zeit wie im Fluge. Bald schon ziehen wir am Ufer des Rotsees entlang. Durch den Lautsprecher verkündet eine Frauenstimme unsere Ankunft im Bahnhof Luzern. Jetzt kommt etwas Hektik auf. Ruppig werde ich zugeschlagen und wieder zurück in die Tasche gesteckt. Dabei erwischt meine linke Kante unschön das Handy. Ein Kratzer auf dem Display des Mobiltelefons wird von nun an von diesem morgendlichen Unfall zeugen.

Der schwerste Teil des Tages

Das Nächste, was ich erblicke, ist weiss. Ein weisser Tisch unter mir, eine weisse Decke über mir und lauter weisse Wände und Stühle um mich herum. Nur durch das Fenster des Seminarraums sehe ich die grüne Fassade auf der Rückseite des KKLs.

Nach und nach finden sich nun zahlreiche Brüder und Schwestern meiner Gattung neben mir ein.

«Ein bisschen scrollen, das ist voll easy.»

Und dann beginnt der schwerste Teil des Tages: In unwahrscheinlich hoher Frequenz hämmern die roten Finger auf mich ein. Vorlesungen sind hart. Ich muss mich ganz schön beeilen, dass ich das hohe Tempo mithalten kann. Die Arbeit geht an meine Substanz. Pausen sind rar, zumindest bis Fabienne auch etwas müde wird und vom Word auf Facebook wechselt. Das mag ich schon viel lieber: ein bisschen scrollen, ein bisschen liken, das ist voll easy. 

Obwohl am Mittag Fabiennes Aufmerksamkeit hauptsächlich auf dem Bündnerfleischsandwich vom Hug liegt, habe ich keine Ruhe. Selbst mit fünf Fingern werden immer noch E-Mails verschickt und Slideshows betrachtet. Zum Glück kann ich kurz an eine Steckdose, von denen es an der ganzen Uni viel zu wenig hat: Ahh… CKW-Strom, ich weiss nicht, warum, aber irgendwie ist der unglaublich lecker. Weit reicht es aber trotzdem nicht.

Nachmittags mobilisiere ich noch einmal alle meine Energiereserven, um die zwölf Folien zum Thema Mythos pflichtbewusst an den Beamer weiterzuleiten. Danach ist endlich Schluss und ich darf zurück in die Tasche.

Von der Heimreise kriege ich nicht mehr sehr viel mit. Im Energiesparmodus döse ich vor mich hin, bis ich schliesslich wieder an meinem wohlverdienten Stecker angeschlossen werde.
Jetzt nochmal ein, zwei Folgen NCIS LA abspielen und dann kann ich mich endlich vollkommen aufladen und für den nächsten Tag wappnen.

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