Am nächsten Morgen ist alles besser

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(Bild: AURA)

Es gibt Nächte, in denen die Gedanken unaufhörlich im Kopf rumkreisen. Manchmal muss man sie einfach lassen. Ein nächster Morgen kommt bestimmt.

Manchmal plagen mich nachts böse Geister. Werde ich jemals meine Masterarbeit zustande bringen? Weshalb mache ich diesen Master überhaupt noch, wenn ich doch zuvor bereits einen gut bezahlten Job hatte? Auch mein Teilzeitjob, der in den Semesterferien dazu tendiert, zum 120-Prozent-Job zu werden, lässt mich in solchen Nächten nicht los. Habe ich an alles gedacht für die bevorstehende Medienkonferenz? Werden die Referenten pünktlich erscheinen? Dann erinnere ich mich, dass der Wecker um 6.00 Uhr morgens wieder läuten und mich zur Arbeit rufen wird; dann werde ich noch nervöser und kann noch weniger gut schlafen.

Von politischem «Gspüri»

Zurzeit arbeite ich an einer Kampagne gegen die Durchsetzungsinitiative. Das Ganze vereinnahmt mich so sehr, dass das Studium in weite Ferne rückt. Ab und an erhalte ich eine Komiteeanmeldung von einem Uni-Luzern-Absender. Dann erinnere ich mich wieder daran, dass ich eigentlich Seminararbeiten schreiben und mir überlegen sollte, welche Kurse ich im nächsten Semester belegen will.

Politikwissenschaften und der Kampagnenalltag könnten nicht weiter voneinander entfernt liegen. Die politischen Feinheiten, das «Gspüri», welches über Erfolg oder Niederlage entscheiden kann, lerne ich nicht an der Uni. Mein Chef, der bereits sein halbes Leben lang politische Kampagnen leitet, lehrt mich, dass das Entscheidende oft im Detail liegt. Es kann ein einziges Wort sein, welches in der politischen Kommunikation einen grossen Unterschied ausmacht. Die theoretischen Grundlagen, welche mir in gewissen Momenten helfen, das Bild zusammenzufügen, schenkt mir mein Studium.

Keine einfachen Lösungen

Nur weil ich an einer Universität studiere und mich mit solchen Thematiken auseinandersetze, heisst das aber noch lange nicht, dass ich Antworten auf all die brennenden Fragen habe, welche die Menschen in der Schweiz beschäftigen. Was ich aber weiss, ist, dass die Lösungen nicht so einfach sind, wie es gewisse Politiker behaupten. Wenn ich an die Menschen denke, welche jeden Tag – auch in der Schweiz – aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert werden, fühle ich mich privilegiert, ohne dass ich es verdient hätte. Ich habe schliesslich nichts dafür geleistet, dass ich in der Schweiz geboren bin, genauso wenig wie meine Eltern, Grosseltern und Urgrosseltern.

Vorwärts schauen

Ich überlege mir nun, eine Seminararbeit über den Aufstieg des Rechtspopulismus in Europa zu schreiben. Die bösen Geister der Nacht haben mich in den letzten Tagen in Ruhe gelassen. Es ist früh morgens. Ich schaue im Zug von Bern nach Luzern aus dem Fenster und finde bereits wieder, dass alles doch irgendwie Sinn macht. Die Arbeit und das Lernen.

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