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Glitzerzeit ist hier kein Chabis
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  • Brief aus Belgrad
Die Fussgängerzone in Belgrad ist herausgeputzt für die Weichnachtszeit und selber wird man auch zum Päckli.

Subjektive Tagesimpressionen Glitzerzeit ist hier kein Chabis

3 min Lesezeit 19.11.2017, 08:59 Uhr

Serbien steht wirtschaftlich nicht auf reichen Beinen. In der Adventszeit lässt es sich trotzdem nicht lumpen: Weihnachten ist da und zwar richtig! Was da alles auf die Teller kommen wird? Die Vegan-Bewegung hat es jedenfalls schwer.

Im Vergleich zu den Dekorationen in der serbischen Hauptstadt kann Luzern seine schlichten Lichterketten gleich löschen. In der Flaniermeile ist es farbig und zuckersüss wie in einem kitschigen Walt-Disney-Film. Es hängen und stehen überall Leuchtmotive herum: vom Schloss über Kugeln bis zu überdimensionierten Geschenkpäckli und seltsamen Kraken. Es blinkt, funkelt und glitzert.

Ulica Dragoslava Jovanovica: Glitzernde Schlösser und leuchtende Kraken.

Ulica Dragoslava Jovanovica: Glitzernde Schlösser und leuchtende Kraken.

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Hawla wärmt so gut wie Thomi

Glanz & Gloria herrscht übrigens auch zu anderen Zeiten, zumindest in der schicken Einkaufsmeile. In einem topmodernen Glaswarenhaus sind sämtliche globalen Modemarken vertreten. Ich bin auf der Suche nach einer Winterjacke und schaue mir bei «Thomi Hilfiger» eine für 250 Franken an. Für viele hier ist das glatt ein Monatslohn. Kein Wunder, hat es kaum Leute in den Shops, und auch ich gehe weiter. In einem Laden in meinem Quartier kaufe ich am gleichen Abend eine ähnliche Jacke für 30 Franken. Jetzt wärmt mich nicht Thomi, sondern Hawla. Und der macht das genauso gut.

Ulica Kneza Mihundail: Das Warenhaus mit vielen Modeketten. 

Ulica Kneza Mihundail: Das Warenhaus mit vielen Modeketten. 

Jemand ist immer am Zug

In Frankreich Boules, hier Schach. Eine entspannte Sache hüben wie drüben. Im grossen Stadtpark spielt es keine Rolle, ob Sonntag ist oder Dienstag: Hier wird täglich ausgiebig flaniert und parliert. Unter den Bäumen küssen sich Teenies, im Dinosaurierpark röcheln die automatisierten Viecher und bei der Festung weiter oben zielen historische Panzerrohre und Raketen fadengerade in die friedliche Abendstimmung, während nebenan die alten Männer bedächtig den König schachmatt setzen. Jemand ist immer am Zug.

Kalemagda: In Frankreich Boules und hier Schach.

Kalemagda: In Frankreich Boules und hier Schach.

Nicht nur Chabis auf dem Teller

Die Vegan-Lobby scheint engagiert, aber erfolglos zu sein: Die Teller in den Beizen sind zwar von morgens bis abends voller Chabis. Ansonsten ist aber wenig Vegetarisches, geschweige denn Veganes dabei. An meine unkorrekten Schlemmereien werde ich jeweils beim Heimgehen erinnert, weil auch an meinem Eingang dieses Graffiti aufgemalt ist: Go vegan! Im Vorbeigehen bitte ich das Säuli um Verzeihung, dass ich wieder nicht widerstehen konnte. Und auch nicht weiss, woher das arme Schwein gekommen ist und ob es vorher glücklich war. Würde alles im Leben bedacht, gäbe es nur Scham und Selbstkasteiung. Das ist eine Ausrede – aber ich habe keine andere.

Kneza Milos: Die Vegan-Bewegung ist nicht sehr erfolgreich. 

Kneza Milos: Die Vegan-Bewegung ist nicht sehr erfolgreich. 

Verankerte Flösse und Kähne

Von solchen Hausbooten gibt es beidseitig des Flusses Sava Dutzende. Das hier ist privat, ziemlich heruntergekommen und vermutlich nicht wirklich bewohnt. Die Flösse und verankerten Kähne gibt es in allen Varianten: gestylt oder vergammelt, aufgepeppt oder rustikal. Auf manchen befinden sich Techno-Schuppen oder luxuriöse Restaurants, auf anderen charmante Beizli oder sogar Hostels.

Ulica Petljia Radnicka: Flösser alller Art sind hier vertäut.

Ulica Petljia Radnicka: Flösse aller Art sind hier vertäut.

(Bild: Chw)

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