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Charmantes Auslaufmodell: Der Yugo
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  • Brief aus Belgrad
In Belgrad gibt es viele Kontraste: So auch das verspieglete Gebäude neben dem verlotterten Haus. (Bild: ChW)

Subjektive Impressionen Charmantes Auslaufmodell: Der Yugo

3 min Lesezeit 17.12.2017, 10:30 Uhr

Eine für mich typische Szenerie in Belgrad: Modern neben alt, gestylt neben charismatisch. Das zieht sich durch alle Bereiche. Von der Architektur, über die Beizen und Klubs bis hin zu den Autos. Eben: Alles hat viele Seiten.

Ich liebe die Yugos. Unterwegs sind sie in der ganzen Stadt. Jeder von ihnen sticht mir ins Auge und jeder sticht mit seinem Charme alle anderen aus. Und Konkurrenz hat er viel: Volvos, Subarus, Fords & Co. Sie werden zweifellos die Oberhand gewinnen, denn der Yugo ist ein Auslaufmodell und wird seit zehn Jahren nicht mehr produziert. Aber noch sind die kleinen Kisten unterwegs. Meistens sind Yugos rot, immer verbeult und manchmal fahrtüchtig. Aus Witz wird das serbische Kultauto auch «you go!» genannt: Damit wirst du gehen, statt fahren.

Yugo und Yoga: Das eine ein Boom, das andere ein Auslaufmodell.

Yugo und Yoga: Das eine ein Boom, das andere ein Auslaufmodell.

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Analoge Überreste

Noch sind auch die Telefonkabinen zu sehen. Hier könnte ich den Hörer abnehmen, tausende von Münzen einwerfen und nach Hause in die Schweiz telefonieren. Das mache ich aber nicht und ich habe auch sonst noch keinen Menschen gesehen, der in den Kabinen zum waschechten Hörer greift: In Belgrad ist die Vernetzung fast noch besser als bei uns; das Internet ist omnipräsent und die Smartphones auch.

Telefonkabinen stehen hier höchstens als Erinnerung herum.

Telefonkabinen stehen hier höchstens als Erinnerung herum.

Die andere Seite von allem

Im Kulturzentrum Belgrad schaue ich mir den Film «The other side of everything» an. Ein filmisches Porträt über eine intellektuelle Serbin, die sich als Aktivistin gegen Milosevic und für den Frieden engagiert hat. Ein schöner, aufschlussreicher und berührender Film von Mila Turajlic über ihre Mutter. Das Kino ist rappelvoll, der Eintritt kostet nur drei Franken. Ich nehme mir vor, bald wieder hinzugehen.

Der Spruch im Eingangsbereich des Kulturzentrums (siehe Foto) heisst übrigens «Das Passwort ist: Uns muss es gelingen». Ja. Ein gutes Passwort, ein gutes Motto, ein guter Wunsch. Noch besser fände ich «Es gelingt uns». Aber das wissen wir ja eben noch nicht. 

Der Eingangsbereich des Kulturzentrums Belgrad: Es muss gelingen.

Der Eingangsbereich des Kulturzentrums Belgrad: Es muss gelingen.

(Bild: ChW)

Häuschen und Mäuschen

In der Flaniermeile ist auch hier das grosse Weihnachts-Fieber ausgebrochen. Überall stehen solche Häuschen (und Mäuschen) herum, es gibt Schleckereien und Spezialitäten zu kaufen. Ein Samichlaus ist mir übrigens doch noch begegnet, er brauchte einfach etwas länger. Aber das ist ja auch mit Weihnachten so – die wird hier später gefeiert, wenn in der Schweiz schon alle im Januarloch sitzen: Am 7. Januar. Und Sylvester am 13. Januar. Es stellt sich also die Frage: Doppelt feiern oder gar nicht feiern? Die zweite Option ist nicht nur unattraktiv, sondern wohl auch unwahrscheinlich.

In der Flaniermeile stehen Weihnachts-Chalets mit Schleckereien.

In der Flaniermeile stehen Weihnachts-Chalets mit Schleckereien.

Techno versus Antiquitäten

Einmal mehr stolpere ich in eine gemütliche Beiz hinein. Von aussen sieht sie aus wie ein Antiquitätenladen und auch drinnen ist es nicht viel anders: Die Wände von oben bis unten bedeckt mit Ölbildern romantischer Landschaften, grossen Spiegeln in goldverzierten Rahmen und alten Standuhren.

Von der Decke baumeln antike Leuchter, Sofas und Sessel mit dezent geblumtem Stoffüberzug stehen um niedrige Tischchen gruppiert. Auf jedem Tisch ein Aschenbecher und ein Röseli. Wäre da nicht der unpassende Technosound, könnte das glatt mein neues Wohnzimmer sein.

Charmantes Café mit vielen Antiquitäten und Technosound.

Charmantes Café mit vielen Antiquitäten und Technosound.

Rote Kugeln und warmer Fön

Auf dem Heimweg vorbei an allerlei leuchtenden Weihnachtsdekorationen, die hier wie in einem vorigen Blog beschrieben üppig und märchenhaft sind. Zu meinen Favoriten gehören diese roten Kugeln. Das macht die fehlende Winterstimmung wett: Hier bläst zwar ständig ein Wind, aber er ist immer noch lau wie der Fön in Obwalden oder Uri.

Kein fremder Planet, sondern meine riesige Lieblings-Weihnachtskugel.

Kein fremder Planet, sondern meine riesige Lieblings-Weihnachtskugel.

(Bild: ChW)

 

 

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