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Ein Tag im Leben von Tanja und Ueli Dönni aus Rotkreuz
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Tanja und Ueli Dönni mit ihren beiden Söhnen Janik und Tim. (Bild: Heike Witzgall)

Neuer Blog: So wirtschaften unsere Bauern Ein Tag im Leben von Tanja und Ueli Dönni aus Rotkreuz

5 min Lesezeit 3 Kommentare 01.06.2020, 10:52 Uhr

Den Anfang unseres neuen Blogs machen Tanja und Ueli Dönni. Bei dem Rotkreuzer Bauernpaar ist kein Tag wie der andere. Je nach Jahreszeit und Wetter warten ganz verschiedene Aufgaben. Fast schon eine Wissenschaft ist die Futter-Aussaat für die Mutterkühe.

Wir führen einen Bauernhof in Rotkreuz. Sowohl unser Dorf – heute eine Stadt mit mehr als 10’000 Einwohnern – wie auch unser Hof haben sich in den letzten Jahren verändert.

Rotkreuz ist enorm stark gewachsen und macht mit speziellen Bauprojekten wie dem Gartenhochhaus Aglaya schweizweit von sich reden.

Naturnahe Produktion ist uns wichtig

Auf unserem Bauernhof «Buurehof Sonnenbühl» probieren wir vieles aus, um nachhaltig und im Einklang mit der Natur zu produzieren. Wir sind kein Biobauernhof, wir leben die Grundsätze aber dennoch.

Wir halten Mutterkühe, das heisst die Kälber bleiben bei ihrer Mutter. Daraus wird Natura-Veal, also Kalbfleisch oder Natura-Beef – also Rindfleisch.

Unsere «Mädels» mit ihren Kälbern! Jede ist auf ihre Art einzigartig und bezaubernd. Und ja, sie alle haben einen Namen. Für uns ist es wichtig, eine vertrauensvolle Beziehung zu unseren Tieren zu haben. (Bild: zvg)

Die Kühe schauen auch ganz schön wachsam auf sie. Es empfiehlt sich als Fremder nicht, der Jungmannschaft zu nahe zu kommen. Bis jetzt hat das glücklicherweise noch niemand probiert, obwohl unser Hof von vielbegangenen Spazierwegen umgeben ist.

Die Kälber sind die ganze Zeit bei ihrer Mutter und haben dort sozusagen «Selbstbedienung». (Video: zvg)
Die Kühe pflegen auch untereinander eine enge Beziehung, wobei es klare Hierarchien gibt. (Video: zvg)

Auf unserem Bauernhof gibt es viele Hochstammbäume, die wir ohne synthetische Pflanzenschutzmittel pflegen sowie extensive Wiesen mit vielfältigen Pflanzen. Wir halten auch Bienen. Den berüchtigten Blacken – ein hartnäckiges Unkraut – gehen wir mechanisch und mit Muskelkraft an den Kragen.

Biodiversität ist uns wichtig. Unser Hof bietet viel Lebensraum für Wildbienen, Insekten, Sing- und Raubvögel sowie Füchse und Rehe. (Bild: zvg)

Wir stechen sie mit dem sogenannten Blackeneisen aus. Schon seit Jahren bestücken wir unsere Hochstammobstbäume mit Vogelhäuschen, lassen auch mal einen toten Baum stehen und bieten den Raubvögeln Sitzstangen an, um Mäuse zu jagen.

Betriebsspiegel
  • Ueli und Tanja Dönni mit Janik und Tim, Buurehof Sonnenbühl, 6343 Rotkreuz.
  • 23.5 ha Nutzfläche mit: 1.8 ha Silomais, 5.5 ha Naturwiesen, 11.5 ha Kunstwiesen, 4.3 ha extensive Wiesen mit Qualität.
  • 50 Mutterkühe – Original Braunvieh, 1 Stier Limousin, Ziegen und Hühner, 175 Hochstammbäume, Direktvermarktung, Schule auf dem Bauernhof, Lohnarbeiten, Kompostieren.
  • Arbeitskräfte: Betriebsleiterfamilie, Eltern, 1 Lehrling, Bruder von Ueli, Aushilfen.

Heute heisst es Mais säen – eine kleine Wissenschaft

Mit dem Maissäen haben wir bewusst bis fast Mitte Mai gewartet, weil der Mais warme Temperaturen liebt. Er muss schneller wachsen als das Unkraut, weil wir auf chemischen Pflanzenschutz verzichten wollen. Auf der Parzelle steht eine Gründüngung, die wir letzten Spätsommer gesät haben.

So war der Boden über den ganzen Winter bedeckt. Die Gründüngung bindet auch über den Winter die Nährstoffe, die im Boden noch verfügbar sind. Ausgewählte Pflanzenarten wurzeln zudem sehr tief und lockern so den Boden auf. Die Gründüngung wird gemulcht, was so viel heisst wie fein zerhackt.

Sohn Janik mulcht die Gründüngung. (Bild: zvg)

Wir arbeiten die Pflanzenstücke dann in den Boden ein und «füttern» so die Bodenlebewesen, die einen gesunden Boden ausmachen. Unser älterer Sohn Janik übernimmt diese Arbeit. Es sind seine ersten Traktorfahrstunden auf freiem Feld.

Schön, wenn die Liebe für die Landwirtschaft auch in der nächsten Generation weiterlebt, wir sind stolz auf unsere Söhne.

Gleichzeitig bringen wir Komposterde aus. Um möglichst wenig Nährstoffe und Kohlenstoff zu verlieren, kompostieren wir den Mist unserer Tiere. So ist er für den Boden gut verträglich und wir erhöhen seinen Humusanteil. Hier gilt es schnell zu arbeiten, weil das UV-Licht die Mikroorganismen im Kompost schnell schädigt.

Mit der Spatenegge wird Kompost und Mulch sorgfältig in den Boden eingearbeitet. (Bild: zvg)

Diese Bodenbearbeitung erledigt ein Nachbar mit seiner «Spatenegge» für uns im Lohn. Diese Maschine gräbt den Boden nicht um, wie ein Pflug. Sie sticht sie ab und durchmischt das Erdreich.

Nachbar hilft aus

Vorne am Traktor ist eine Spritzeinrichtung angebaut. Wir bringen damit aber keine Pflanzenschutzmittel aus, sondern Komposttee und spezielle Mikroorganismen, um die Bodengesundheit zu fördern. Mittlerweile sind drei Traktoren mit ihren Piloten gleichzeitig auf dem Feld im Einsatz.

Bevor wir den Mais gegen Abend säen, lassen wir den Boden noch etwas abtrocknen. So riskieren wir keine Verdichtung. Bei der Saat hilft uns auch der Nachbar, der eine Maissämaschine besitzt.

Dem Maissaatgut (Bild) mischen wir Stangenbohnen bei, um die Pflanzenvielfalt auf dem Feld zu erhöhen. Die Bohnen und der Mais sollen sich gegenseitig ergänzen. (Bild: zvg)

Wir verzichten freiwillig auf die Beizung des Saatguts, riskieren damit aber Schädlingsbefall, wie Drahtwürmer unter dem Boden oder gefrässige Krähen über dem Boden.

Möglichst leichte Traktoren gegen die Verdichtung des Bodens

Alle eingesetzten Traktoren sind so leicht wie möglich und mit breiten Reifen ausgerüstet, um eine Bodenverdichtung zu vermeiden. Wir säen den Mais so, dass wir ihn anschliessend gut hacken können. Hacken heisst, das Unkraut mechanisch ausreissen.

Zum Abschluss des Tages walzen wir das Feld. Gegen diesen zusätzlichen Arbeitsgang wehrte ich mich lange. Die Erfahrung der letzten Jahre hat mich aber überzeugt, dass es das braucht. Die Krähen finden die Maisreihen nicht so einfach.

Das ist die Walze, welche die Maissaat in die Erde drückt und so auch vor den Krähen versteckt. (Bild: zvg)

Das eingearbeitete Gras wächst weniger durch. Und das Striegeln geht viel besser. So lernen wir Bauern immer wieder dazu und passen uns entsprechend an.

So, für morgen ist Regen angesagt, den braucht es auch, damit unser Mais keimt. In einer Woche wollen wir unser Feld schon das erste Mal striegeln. Bevor der Mais zum Vorschein kommt, reissen wir damit die ersten feinen Unkräuter aus.

Ernte im Herbst

Der Mais wird zur Düngung eine Güllegabe erhalten. Wenn alles nach Plan läuft, und die Mikroorganismen im Boden optimal arbeiten können, hat der Mais so genügend Nährstoffe zur Verfügung.

Im weiteren Verlauf werden je nach Unkrautdruck noch ein bis zwei Durchgänge mit dem Hackgerät zwischen den Reihen nötig sein. Und im Herbst – so hoffen wir – haben wir dann eine gute Ernte!

Wir hoffen, der Einblick in unseren Alltag hat euch gefallen. Wir sagen Tschüss,

Tanja & Ueli

Die Geiss sagt auf Wiedersehen. (Bild: zvg)

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3 Kommentare
  1. Jeanette Zürcher-Egloff, 02.06.2020, 14:35 Uhr

    Super informativer Blog. Vielen Dank den Verfassern.

  2. Lohri, 01.06.2020, 11:37 Uhr

    Liebes Redaktionsteam

    Ich finde eure Berichterstattung gut. Ich verstehe auch, dass ihr für eure journalistische Arbeit Geld benötigt und habe dafür auch schon etwas überwiesen. Jedoch ärgere mich trotzdem über euren permanenten roten Balken, vor allem weil er nicht mehr weg geht. Beim Mobile kommt dieser ständig und man kann dann nichts mehr lesen. So vergeht mir das Lesen und dann gehe ich lieber auf ein anderes Medium. Vielleicht könnt ihr das verbessern. Ich bin sicher nicht die einzige die das stört.

    Freundliche Grüsse
    Rita Lohri

    1. Redaktion Christian Hug, 01.06.2020, 22:32 Uhr

      Liebe Frau Lohri,

      Den Balken kann man ganz einfach schliessen, indem man auf das Dreieck im oberen Brreich klickt. Sollte dies nicht funktionieren, freuen wir uns auf eine kurze Rückmeldung mit Angabe des Handy-Typs.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.