Ein Tag im Leben von Hella und Peter Schnider in Flühli
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Hella und Peter Schnider. (Bild: zvg)

Sommer auf der Alp Unter-Schwarzenberg Ein Tag im Leben von Hella und Peter Schnider in Flühli

4 min Lesezeit 24.08.2020, 10:53 Uhr

Kann man es wagen, das Gras zu schneiden? Bleibt das Wetter trocken, damit es zu gutem Heu trocknen kann? Das Heuen auf den Sommeralpen ist bei der Bauernfamilie Schnider im Entlebuch eine besondere Herausforderung.

Auf 1500 Meter über Meer, unterhalb der Beichle im luzernischen Flühli, liegt unsere Alp Unter-Schwarzenberg. Sie befindet sich im schönen Unesco-Biosphärenreservat. Mein Mann Peter und ich bewirtschaften sie gemeinsam seit 32 Jahren. Die Alp ist seit vier Generationen im Besitz der Familie.

Auf den 30 Hektaren Alpweiden tummeln sich im Sommer unsere acht Milchkühe, fünf eigene Rinder und 45 Kurgäste. Die Milch erhalten die Kälber, welche für die Fleischproduktion bestimmt sind. Die Kurgäste sind Rinder von verschiedenen Bauern, die 95 Tage im Sommer auf unserer Alp leben. Das saftige Gras und das gesunde Klima lassen sie zu robusten Kühen heranwachsen.

Im Berggebiet wächst nur Gras. Unsere Kühe und Rinder machen daraus Fleisch und Milch für die menschliche Ernährung und gestalten gleichzeitig die Landschaft. (Bild: zvg)

Sommer auf der Alp

Der Sommer ist immer eine spezielle Zeit für uns, dann sind wir z’Alp. Das bedeutet, wir wohnen in der 120 Jahre alten Alphütte, die wir nach und nach ein wenig modernisiert haben. Früher mit unseren vier Kindern, die immer noch tatkräftig auf dem Betrieb mithelfen, heute meist zu zweit.

Den 9 km und 30 Autominuten entfernte Talbetrieb bewirtschaften wir im Sommer von der Alp aus, denn Heuen, Güllen und all die anderen Sommerarbeiten fallen dort trotzdem an.

Unsere Berglandschaft macht aus der Schweiz ein typisches Grasland, da wir nur wenige Flächen in den Ebenen als Ackerland nutzen können. So ist es auch bei uns auf der Alp und dem Talbetrieb. Auf unseren Grasflächen weiden die Kühe und Rinder. Sie veredeln so Gras, das wir Menschen nicht verwerten können, zu Fleisch und Milch.

Gleichzeitig wird durch die Nutzung im Hügel- und Berggebiet die Landschaft gepflegt und offengehalten, damit Wanderer und Touristen sie von ihrer schönsten Seite erleben dürfen.

Die Alphütte ist 120 Jahre alt. (Bild: zvg)

Eine wichtige Arbeit über den ganzen Sommer ist für uns das Heuen. Dabei schneiden wir das Gras, trocknen es und lagern es ein, damit wir im Winter unsere Tiere damit füttern können. Dafür muss aber das Wetter stimmen: Auf der Alp brauchen wir drei schöne und trockene Tage am Stück, damit wir das Heu einfahren können. In der alten Alphütte ist nämlich kein Platz für einen Heulüfter oder andere technische Hilfsmittel, die sonst mithelfen, das Gras zu trocknen.

Betriebsspiegel

Heimbetrieb:
11 ha Grasland
Kälbermast, einige Apfelbäume für den Eigenbedarf
Hella und Peter Schnider, Mithilfe der vier erwachsenen Kinder

Alp:
49 ha, davon 20 ha Wald und 24 ha Sömmerungsweide
50 Kühe und Rinder
Hella und Peter Schnider, Mithilfe der vier erwachsenen Kinder

Kühe sind Feinschmecker

Zuerst wird das Gras geschnitten. Bei uns erfolgt das mit einem berggängigen Motormäher. Er ist einfach und schnell vom Talbetrieb her zu transportieren. Zudem kann er die meisten, teilweise sehr steilen Hänge mähen. Wo es auch für ihn zu steil wird, nimmt mein Mann Peter immer noch die Sense zur Hand. 

Danach wird das Gras dort, wo es die Hanglage zulässt, mit dem Kreisler oder von Hand geschüttelt. Das entwirrt und quetscht die Grashalme, sodass sie besser und schneller trocknen. Dadurch steigt auch die Qualität des Heus, denn auch Kühe sind Feinschmecker!

Das warme Wetter macht durstig: Andrang an der Tränke. (Bild: zvg)

Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt, bis das Gras zu duftendem Heu geworden ist. Danach kommt der «Schwader» zum Einsatz. Er «schwadert» das Heu zu schönen Reihen zusammen, damit wir diese später mit dem Ladewagen aufladen können.

Handarbeit ist nach wie vor notwendig

Viel ist aber auch heute noch Handarbeit bei uns. Gerade die Ränder müssen wir sowieso mit dem Handrechen zusammenziehen. Nachdem das Heu aufgeladen ist, transportieren wir es zur Hütte.

Da bei deren Bau vor 120 Jahren noch niemand daran gedacht hat, dass irgendwann eine Maschine durchfahren muss, passt unser Ladewagen – obwohl klein und kompakt – nicht durch die Einfahrt. So müssen wir das Heu von Hand hinein und auf den Heustock befördern.

Zwischen Tradition und Moderne

Gutes Wetter und gutes Heu sind für unseren Betrieb wichtig und entsprechend bibbern wir oft, vor allem bei unstabilen Prognosen. Auf unserer Alp leben wir zwischen Tradition und Moderne. Wir versuchen das Beste aus beiden Welten miteinander zu verbinden.

Wir sind stolz auf unsere Arbeit und die Landschaft, in der wir leben und arbeiten. Hoffentlich hat euch der Einblick in unseren Alltag gefallen. Und vielleicht geniesst ihr künftig unsere Alpen mit neuen Augen.  

Beste Grüsse
Hella und Peter

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