Ein Tag im Leben von Christian und Conny Galliker in Beromünster
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Das bin ich, Christian, mit einem Bio-Küken für die Geflügelmast in unserem Stall. (Bild: zvg)

Auch Kinder verkürzen die Nacht Ein Tag im Leben von Christian und Conny Galliker in Beromünster

5 min Lesezeit 23.02.2021, 11:01 Uhr

Christian Galliker bewirtschaftet in Beromünster einen Biobetrieb mit Ackerbau und Masthühnern. Und er ist auch Hausmann, denn seine Frau arbeitet auswärts.

«Papi, Aufstehen!» Im Dunkeln taste ich nach meinem Handy. Dass unser Fünfjähriger unbedingt ein Legoschiff bauen will, ist leider kein Garant dafür, dass der Morgen naht. Erleichtert höre ich das Wasser der Dusche rauschen. Meine Frau Conny unterrichtet heute und muss früh raus. Eine Viertelstunde später sitze ich vor meinem Milchkaffee, Conny verabschiedet sich, Miro sitzt neben einem grossen Legohaufen. Unsere vierjährige Jill schläft noch. Es ist viertel vor sechs, ich lege mir den heutigen Tag im Kopf zurecht.

In der Landwirtschaft ist die Grenze zwischen Familien- und Berufsleben unscharf. Hier fahren Miro und Jill bei der Weizenernte auf dem Mähdrescher mit. (Bild: zvg)

Auf unserem Biobauernhof leben Mutterkühe und Freiland-Masthühner. Nachdem wir den Betrieb 2015 von meinen Eltern übernommen hatten, folgte 2016 die Umstellung auf bio und die Aufgabe der Käsereimilchproduktion. Nebst der Tierhaltung hat bei uns der Bioackerbau einen grossen Stellenwert, auf 11 Hektaren wachsen bei uns Pflanzkartoffeln, Mais, Weizen, Hafer und Ackerbohnen.

Aber an diesem kalten Februarmorgen ruhen die Arbeiten auf dem Feld. Unsere Tiere brauchen uns zwar morgens und abends, sie lassen uns aber zum Glück eine gewisse zeitliche Flexibilität.

Küken mögen es wohlig warm

Heute um zehn Uhr werden 2’500 Küken geliefert. Der Kükenstall, in dem die Tiere die ersten 21 Tage an der Wärme verbringen, ist bereits eingerichtet. Über das Wochenende hat unsere Holzschnitzelheizung den Stall auf 33 Grad hochgeheizt. Bio-Masthühner fressen ausschliesslich Biofutter und wachsen etwa halb so schnell wie Hühner in der konventionellen Pouletmast.

Sie verbringen ihre Zeit ab dem 22. Tag in mobilen Weideställen, mit grosszügigem Weideauslauf. Aber beim Einstallen im Kükenstall brauchen auch sie eine möglichst keimfreie Umgebung mit der richtigen Temperatur und der optimalen Luftfeuchtigkeit. Deshalb muss Miro ohne mich mit den Lego spielen, ich verbringe derweil zehn Minuten mit den letzten Vorbereitungen im Vormaststall. Die Jungmannschaft weiss zum Glück: Im Notfall kann man immer zu den Grosseltern.

Wenn es gerade nicht Winter ist, ist unsere Mutterkuhherde Tag und Nacht auf der Weide. Hier beispielsweise auf einer extensiven Weide mit besonders viel Biodiversität. (Bild: zvg)

Zurück im Haus steht auch Jill schon auf der Matte. Anziehen, Zmorge und los geht’s für Miro mit dem Schulbus in den Kindergarten. Da heute Küken kommen, darf Jill ein paar Stunden zum Grossmami. Ihr Grossvater hat die Kühe bereits mit Heu versorgt. Während ich die Liegeboxen und den Laufhof der Mutterkuhherde in Ordnung bringe, schaut mein Vater bei den sechs mobilen Hühnerweideställen durch. Da und dort wird etwas nachgestreut und die Hühner dürfen raus. Es zieht ordentlich, heute machen nur wenige Hühner Gebrauch von der Weide.

Die Kartoffeln werden durch regelmässiges Striegeln und Aufziehen der Dämme vom Unkraut freigehalten, bis das Kraut das Unkraut unterdrückt. (Bild: zvg)

Bioackerbau ist eine Herausforderung

Die vergangene Nacht war richtig kalt, deshalb checke ich kurz die eingelagerten Pflanzkartoffeln. Das dunkle, kühle und feuchte Klima in unserem Wagenschopf-Keller ist ideal für die Lagerung der Kartoffeln, aber unter den Gefrierpunkt darf die Temperatur nicht fallen. Der Bioackerbau ist eine spannende Herausforderung. Beikraut wird mit der Hacke und dem Striegel reguliert. Um Schädlinge wie Kartoffelkäfer oder Blattläuse in Schach zu halten, sind wir vor allem auf Nützlinge angewiesen.

Pilz- und Bakterienkrankheiten beugen wir hauptsächlich mit Sortenwahl und einer guten Fruchtfolge vor. Bei unseren zertifizierten Biopflanzkartoffeln, die nächstes Jahr von Biobauern oder Privatkunden gepflanzt werden, kommen wir leider nicht um den Einsatz von biokompatiblen Kupferspritzmittel herum, dies insbesondere, weil die gefürchtete Pilzkrankheit Kraut- und Knollenfäule beim Pflanzgut nicht toleriert wird.

Konkurrenzpflanzen entfernen wir mechanisch, damit die Kultur gut gedeihen kann. (Bild: zvg)

Die Küken kommen in 100er-Kisten direkt von der Brüterei in den Stall. Sofort beginnen die Küken Futter und Wasser zu suchen. Ihr Verhalten zeigt, ob es ihnen zu warm oder zu kalt ist. Am ersten Tag sind eine gute Beobachtung und ideale Bedingungen besonders wichtig, deshalb schaue ich stündlich kurz im Stall vorbei.

Beim Kochen muss es schnell gehen

Jill hilft mit beim Zmittagkochen. Bolognese aus der Gfrüri mit Spaghetti und Salat, es muss wie so oft ein bisschen schnell gehen. Nach dem Mittagessen ist Conny wieder zuhause. Bevor die Kühe und die Hühner wieder versorgt sein wollen, verziehe ich mich, wie häufig im Januar und Februar, noch zwei Stunden ins Büro. Das vergangene Jahr wird abgeschlossen und das neue geplant. Heute gehe ich die Dokumentation des Ackerbaujahres 2020 durch. Lückenhafte Aufzeichnungen oder beispielsweise ein fehlender Lieferschein von Biosaatgut könnten bei der Biokontrolle Probleme machen.

Betriebsspiegel

Conny und Christian Galliker-Husmann mit Miro und Jill, Maihusen 3, 6215 Beromünster
Produktionsform: Bio
Pflanzenbau: 10ha Dauergrünland und 14ha Ackerfläche mit Kunstwiese, Pflanzkartoffeln, Mais, Weizen, Hafer und Ackerbohnen
Tierhaltung: 16 Mutterkühe mit Kälbern (Natura Beef) und Muni; Freiland-Geflügelmast mit 2500 Hühner
Betriebliche Arbeitskräfte: Betriebsleiter Christian Galliker und Vater Kaspar Galliker
Nebenbetriebliche Tätigkeiten: Conny Galliker arbeitet als Drogistin HF und Berufsschulfachlehrperson 60–70 Prozent; Christian Galliker nebenamtlich im landwirtschaftlichen Verbandswesen 10–15 Prozent.

Die Arbeit draussen ist dann, trotz der Kälte, eine hochwillkommene Abwechslung. Die Tiere sind gesund und bringen Freude. Nur die noch tiefer gemeldeten Temperaturen machen mir Sorgen. Ich verschliesse auch den separaten Kälbereingang mit einem Plastikvorhang und werde spätabends das Wasser der Tränken nochmals neu füllen, damit das Wasser möglichst nicht gefriert.

Aber jetzt heisst es erst einmal Feierabend. Nachtessen und Familienzeit. Nachdem die Kinder eingeschlafen sind, schliesse ich den Tag mit meinem grössten Hobby ab und musiziere im eigens dafür eingerichteten Proberaum noch ein Stündchen. Bei uns ist kaum ein Tag wie der andere.

Ich hoffe, wir konnten mit diesem Einblick in einen Tag auf unserem Bauernhof zeigen, wie vielfältig die Landwirtschaft und die Arbeit als Bauer ist.

Beste Grüsse Christian

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