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Mit Mutterschafen unterwegs bei anderen Landwirten

Ein Tag auf dem Betrieb Gschwänd von Ueli Staub in Menzingen

Die Flächen auf dem Betrieb von Ueli Staub sind zum Teil sehr steil. Daher eignen sich besonders leichte Tiere für die Beweidung – sie machen weniger Schäden. (Bild: zvg)

In Menzingen führt Ueli Staub einen Betrieb mit Mutterkühen und Mutterschafen. Bis der Schnee kommt, beweidet er mit den Schafen die Flächen anderer Landwirte, um das Gras zu nutzen und den Mäusen die Überwinterung zu erschweren.

Der November neigt sich dem Ende entgegen. Der kalte Wind lässt erahnen, dass der Schnee und die eisigen Temperaturen immer näher kommen. Noch vor wenigen Wochen konnten wir wunderbares Herbstwetter geniessen und meine Tiere haben die restlichen eigenen Weideflächen abgegrast.

Meine Kühe und Kälber sind nun eingestallt. Daher geht es für mich morgens um halb 7 in den Stall, um nach dem Rechten zu schauen. Als Erstes reinige ich die Futterkrippe und füttere dann die Tiere mit Heu und Grassilage. Ausserdem reinige ich die Laufflächen und den Liegebereich und streue wieder frische Einstreu auf den Liegebereich.

Von Milch- zu Mutterkühen

Ich halte Dexter-Kühe, die Rasse stammt aus Irland und ist im Vergleich zu anderen Mutterkuhrassen deutlich kleiner. Vor zwei Jahren kaufte ich die ersten Tiere. Ich wollte damit langsam eine eigene Herde aufbauen. Im letzten Winter habe ich aufgehört mit der Milchviehherde. Bis vor einem Jahr haben wir Kühe gemolken und die Milch für die Kälbermast genutzt.

Aus der Milchviehherde sind zwei Kühe übrig geblieben, die nun als Mutterkühe in der Dexter-Herde mitlaufen und ihre eigenen Kälber mit ihrer Milch ernähren. Ich habe mich für die Dexter-Rinder entschieden, weil ich für die Bewirtschaftung und Beweidung meiner zum Teil steilen Flächen ein leichtes, weideschonendes Tier wollte.

Die Schafe bleiben vorläufig draussen

Nach der Stallarbeit und dem Frühstück steht heute Morgen ein Standortwechsel der Mutterschafherde auf dem Programm. Auch die Schafe eignen sich gut für die Beweidung der steilen Flächen. Mit den Schafen bin ich etwas mobiler und es gibt andere Landwirte, die ihre Wiesen gerne noch etwas abfressen lassen möchten. Daher habe ich meine Schafe noch nicht eingestallt – sie bleiben draussen, solange eine hohe Schneedecke oder anhaltende Nässe dies nicht verhindert.

Den Mäusen das Überwintern erschweren

Gerade im Flachland hat es zum Teil noch jede Menge Gras. Dieses nutze ich gerne noch mit den Schafen und der Landbesitzer ist froh, wenn seine Wiesen nicht zu üppig einwintern. Hohes Gras über den Winter schafft gute Bedingungen für Mäuse, die wiederum mit ihren Haufen im Sommer das Gras bei der Ernte verunreinigen. Das führt zu Qualitätseinbussen.

Ich lade einige Gatter und ein kurzes Schafnetz in den Viehanhänger und fahre zu den Schafen. Auf der Weide erstelle ich mit den Gattern einen Pferch, in den ich die Schafe treibe. Beim Verladen hilft etwas trockenes Brot. Mit drei Fahrten bringe ich alle Schafe von Menzingen nach Steinhausen.

Ueli Staub hat seine Mutterschafherde nach Steinhausen gebracht. Dort grasen sie die Flächen eines anderen Betriebs ab, um das Gras zu nutzen.
Ueli Staub hat seine Mutterschafherde nach Steinhausen gebracht. Dort grasen sie die Flächen eines anderen Betriebs ab, um das Gras zu nutzen. (Bild: zvg)

Absatzkanal für die Dexter-Kälber finden

Am Nachmittag kommt ein Metzgermeister vorbei, um sich meine Dexter-Herde anzusehen. Die klein gewachsenen Tiere sind für den normalen Viehhandel nicht geeignet. Daher muss ich entsprechende Absatzkanäle suchen. Das Fleisch dieser Tiere ist zart und delikat. In der Farbe ist es rötlicher als herkömmliches Kalb oder Rindfleisch.

Bis anhin verkaufte ich einen Teil des Fleischs direkt im Bekanntenkreis. Da meine Herde langsam wächst, kläre ich nun mit regionalen Metzgereien, ob sie meine Tiere abnehmen könnten.

Stallumbau war nötig

Das Gespräch mit dem Metzger ist erfolgreich und ich kann ihm gleich ein Tier verkaufen. Somit bieten die Metzgerei Hegglin in Menzingen und die Metzgerei Rogenmoser in Baar nun jeweils ein Tier von mir zum Verkauf an. Danach habe ich im Stall zu tun. Für den Wechsel von den Milch- zu den Mutterkühen mussten wir den Stall umbauen. Ich war sehr froh, dass mir mein Vater dabei half.

Die Anbindeeinrichtung mussten wir entfernen und montierten stattdessen ein Fressgitter. Ausserdem durchtrennten wir die Stallwand für eine Öffnung von etwa zwei Metern, damit die Tiere freien Zugang zum Liegebereich und zum Fressen haben. Die Kälber können sich durch einen Kälberschlupf zurückziehen. Das ist ein Bereich mit einem Durchgang, der für die Kühe zu klein ist. Hier können die Kälber unter sich sein.

Für die Mutterkühe haben wir den Stall umgebaut, von Anbindehaltung zu einem Laufstall.
Für die Mutterkühe haben wir den Stall umgebaut, von Anbindehaltung zu einem Laufstall. (Bild: zvg)

Die Tränke soll nicht gefrieren

Im Moment sind wir dabei, eine wintersichere Tränke einzurichten, die nicht gefriert. Bislang tranken die Tiere aus einer alten Badewanne. Da der Stall nun eingerichtet ist, darf der Winter aus meiner Sicht kommen. Allerdings habe ich nichts dagegen, wenn meine Schafe noch einige Dezembertage im Freien bleiben können. Die Wolle wird sie ausreichend vor den tieferen Temperaturen schützen.

Gegen 19 Uhr habe ich Feierabend auf dem Landwirtschaftsbetrieb. Da ich heute nicht Bürotag gehabt habe, schaue ich noch kurz in die Mailbox, um zu sehen, was mich am nächsten Tag im Büro erwartet.

Betriebsspiegel

Gschwänd, in Menzingen ZG
Ueli Staub
Fläche: 22ha Grünland
Tierbestand: ca. 60 Mutterschafe mit im Schnitt 40 Lämmern, 10 Mutterkühe, Stier Robin, 4 Rinder und 5 Kälber
Arbeitskräfte: Betriebsleiter, Vater Meinrad

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Neben dem Handel mit Rohstoffen oder Tourismus sind Luzern und Zug auch für landwirtschaftliche Produkte bekannt. Doch wie geht es den Bauern hier, welche Sorgen und Hoffnungen haben sie? Monatlich erzählt hier ein anderer Bauer aus seinem Alltag.
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