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Einen wie bitte was???
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Einen wie bitte was???

3 min Lesezeit 27.06.2013, 15:56 Uhr

Heute schreibt unser Bar-Kolumnist über Menschen, die scheinbar im Permafrost leben.

Letzte Woche habe ich von eigenen Erfahrungen mit der grünen Fee berichtet. Von Piraten, Schlangen und Papageien. Doch diese Geschichte war eigentlich nur der Prolog zu jener von heute.

Ein unvergesslicher Abend mutiert häufig bereits bei Einbruch des Tageslichts zu einem Abend zum Vergessen. Ganz besonders schlimm ist es, wenn der Protagonist der Erzählung (in diesem Fall ist es für einmal CF) am nächsten Morgen auf der Matte stehen und morgens um zehn bereits der ersten durstigen Seele eine Stange Bier ausschenken darf. Ich schreibe bewusst «darf», denn ein «Muss» gibt es in meiner Welt abgesehen vom «In’s Gras beissen» nicht. Und bevor der finale Vorhang fällt, untersteht letztlich alles unserem eigenen freien Willen – sofern wir diesen überhaupt ausüben wollen.

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Wie dem auch sei. CF ist nicht hier um zu philosophieren, sondern um Geschichten zu erzählen. Am besagten Samstag kletterte das Thermometer bereits in den frühen Morgenstunden in- für unsere Breitengrade – exorbitante Höhen. Doch trotz der augenscheinlichen Hitze, war mir nicht bewusst, ob ich nun schwitzen oder schlottern sollte. Ich tat beides. Natürlich nur innerlich. Das selbstverschuldete Unwohlsein muss ja niemand mitbekommen. Schliesslich hat auch CF seinen Stolz und wahrt sein Gesicht um jeden Preis.

Ich drehte also munter meine Runden. Rein und raus. Immer schön im Takt. Einen gespritzten Weissen hier, ein kühles Bierchen da. Nicht ganz im Takt schlug dabei mein Herz. Und dies nicht bloss aufgrund einiger hübscher Damen, die mich mit einem Besuch beehrten. Nein, auch hormonbereinigt klopfte und hüpfte meine Pumpe im Bereich zwischen 200 Puls und Stillstand.

So gegen Mittag hatte ich dann das Gröbste überstanden. Ich schob mir einen Happen Essen zwischen die Kiemen und neutralisierte mein absinthverunreinigtes Blut mit einem scharf gewürzten Tomatensaft. Es wirkte Wunder.

In der Zwischenzeit hatte es sich draussen ein adrett gekleidetes Pärchen gemütlich gemacht und wartete auf meine Bestellungsaufnahme. Die 30 Grad waren mittlerweile geknackt und die Sonne trieb den Gästen die Schweissperlen auf Stirn, Oberlippe und Dekolleté. In der festen Überzeugung einen Aperol Spritz, Hugo oder sonstiges neumodisches Gesöff (selbst ein Schnitzwasser oder eine Cola hätte ich toleriert) zu bringen, machte ich mich auf, ihren Durst zu stillen. Dann der Schock. «Einen Schwarztee und eine heisse Ovo bitte!» Der Atem stockte und mir wurde schlecht.

Hatte mir der Absinth einen neuerlichen Streich gespielt und meine Wahrnehmung getrübt oder hatte ich mich ganz einfach verhört? Das waren doch blasshäutige Europäer und keine Sahel-Nomaden. War ich gar nicht im Storchen, sondern bei Gaddafi im Beduinenzelt? Nein, erstens war jener schon tot und zweitens ging alles mit rechten Dingen zu und her. Folglich waltete ich meines Amtes und brachte das Gebräu an den Tisch. Natürlich konnte ich mir die Frage nicht verkneifen, was die denn im Winter tränken. Heizöl, Frostschutzmittel oder gar Feuerwasser? Es schien zu wirken. Nach zwei Schluck Schwarztee sattelte sie auf Weisswein um. Gutes Mädchen! Er blieb bei der Ovo. Weshalb? Das erfuhr ich zwei Tage später von seiner Frau, die mich aufklärte: «Er konnte es zwar nicht besser, aber halt viel länger!»