Weshalb sexuelle Selbstsicherheit wichtig ist
«Sex? Ach, ich mag nicht, lassen wir’s lieber bleiben!»

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  • Aus der Sexpraxis
Wenn es dem Herzen nicht gut geht beim Sex, wird es schnell kompliziert. (Bild: Christina Baeriswyl)

Zugegeben: Der Start des -Blogs liegt eine Weile zurück. Das hat Gründe: In den letzten Wochen haben sich in meinem Leben und in meiner Praxis die Ereignisse regelrecht überschlagen, mein Herz war nicht frei für meinen Blog. Und dann ist weder Schreiben noch Sex eine genussvolle Sache. Womit wir beim Thema dieses Blogbeitrags wären: die Pflege des Herzens.

Endlich Sommer! Raum! Zeit! Gerne knüpfe ich an meinem ersten Beitrag in dieser Rubrik an und führe meinen -Blog weiter (zentralplus berichtete). Der Frühling war turbulent, privat, aber auch in der Praxis. Ich erlebte mal wieder, was passiert, wenn ich nicht gut zu mir schaue. Nun geniesse ich es, wieder Luft zu haben.

Fälle aus der sexologischen Praxis

Also, was lief seither in meiner sexologischen Praxis? Richtig erfreulich viele Männer, Frauen und Paare entwickelten ihre Anliegen und wir schauten gemeinsam, wie sie wichtige Schritte machen können. Darunter war ein Mann, der beim Sex mit seiner Ehefrau plötzlich unter Erektionsschwierigkeiten litt und sehr verunsichert war. Eine Frau beschrieb, dass sie beim Sex zwar irgendwie komme, dabei aber nichts spüre. Ob das normal sei?

Ein Paar ist irritiert, weil die Beziehung eigentlich perfekt ist, die zwei aber keinen Sex mehr haben. Ein Mann hat zwar bei der Selbstbefriedigung einen Orgasmus, nicht aber beim Paar-Sex. Und eine Frau leidet unter Schmerzen beim Sex, weiss aber nicht, wie sie das dem Partner sagen soll, ohne dass er eingeschnappt reagiert. Die Beispiele zeigen: Das (Sex-)Leben kann uns wirklich happige Herausforderungen bringen.

Es spielt eine wichtige Rolle, ob ich mich selbst attraktiv finde

Wenn ich aus der Vogelperspektive auf alle diese Geschichten schaue, was fällt mir auf? Welche Themen kamen in letzter Zeit vermehrt zur Sprache? Schnell sticht mir ins Auge: Viele Klientinnen haben mit emotionalen Aspekten der Sexualität zu kämpfen.

Ich meine weniger die Paardynamik, das emotionale Klima in einer Paarbeziehung. Sondern das Erleben von sich selber in der Sexualität, das emotionale Innenleben. Wie sich Menschen mit sich selber fühlen, wie sie sich sehen und wahrnehmen. Es spielt eine wichtige Rolle, ob ich mich selbst attraktiv finde. Ob ich gerne der Mensch bin, der ich bin. Ob ich gerne Mann oder Frau oder einfach mich bin, ob ich meine Geschlechtsteile mag oder nicht.

Elementar für die Sexualität ist es ebenso, ob ich mich zeigen kann, es sogar gerne habe, angeschaut und begehrt zu werden, oder ob ich mich ungern nackt zeige. Wenn mir wohl dabei ist, die Lust auf mein Gegenüber auszudrücken, habe ich besseren Sex, als wenn ich mir dabei komisch vorkomme oder mich für mich selbst oder meine Wünsche schäme.

Sexuelle Selbstsicherheit ist zurzeit ein grosses Thema

Die sogenannte sexuelle Selbstsicherheit ist echt ein Faktor, der mir in den letzten Wochen in der Praxis häufig begegnete. Gerade jetzt in der Badisaison überlegen sich ja so viele, ob sie zu dünn oder zu dick, definiert genug, passend genug, sich gut oder schlecht fühlen.

An dieser Stelle fällt mir der Klient ein, der über sich sagte, dass er im Sommer sehr stark schwitzen würde und deshalb aus Angst vor Zurückweisung schon gar nicht erst Nähe zur Partnerin suche. Der Klient sagt, er hasse es, so zu stinken, er wolle sich seiner Partnerin nicht zumuten. Dabei stört das seine Partnerin häufig gar nicht, und wenn doch, schlägt sie unbekümmert Lösungen vor.

Tipps, um die sexuelle Selbstsicherheit zu stärken

Wie lässt sich die sexuelle Selbstsicherheit stärken? Kann ich mich gernhaben lernen, so wie ich bin? Natürlich! Auch dieser Aspekt der Sexualität ist massgeblich erlernt und antrainiert. Klar, gibt es auch hier keine Zaubertricks, alle haben individuelle Lernwege. Aber ein paar Ideen skizziere ich gerne. Probiert sie aus und schaut, ob sie für euch einen positiven Effekt haben:

  • Durchatmen. Laaaange ausatmen. Dazu wohlig knurren.
  • Den eigenen Körper bewegen, den Körper beleben, mit Sport, draussen im Wald, im See.
  • Sich wie eine Katze im Bett wälzen, am Kopfkissen reiben.
  • Sich berühren, anfassen, streicheln, eincremen, dabei breit grinsen.
  • Sich ruhig hinlegen, das eigene Geschlecht anfassen, weiteratmen und sich zuflüstern: «Ja, das bin ich. Und so seh ich aus, ganz und gar!»

So kann die sexuelle Selbstsicherheit wachsen

Das ist wirklich einen Versuch wert. Das erzählen mir auf jeden Fall jene Klienten, welche es ausprobiert haben und sich seither tatsächlich stärker und sicherer fühlen. Natürlich fühlen wir uns nicht immer gleich, mögen uns mal mehr, mal weniger. So ist das Leben.

Wenn wir an genussvollen Begegnungen, lustvollem Sex interessiert sind, lohnt es sich also sehr, herauszufinden, was wir immer wieder mal tun können, um uns in unseren Körpern, in uns selbst, wohler fühlen zu lassen. Wenn es uns gut geht mit uns, wir uns okay fühlen, kann auch die sexuelle Selbstsicherheit wachsen. Und dann flirten wir lieber, verführen leichter und freuen uns mehr an uns, dem Partner, der Partnerin, an der Sexualität.

Martin Bachmann – Sexologik

führt eine Praxis für sexologische Beratungen und Sexualtherapie in Luzern. Mehr Informationen findest Du hier.

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1 Kommentare
  1. Tanja, 28.07.2022, 13:07 Uhr

    Toll! Über Sexualität im ganz alltäglichen Leben sollte viel mehr gesprochen werden. Ich freue mich über den Start dieser Blog Serie!

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