Rückständigkeit im Schweizerhof? Wer hat’s erfunden?

2 min Lesezeit 23.08.2014, 13:00 Uhr

Die Fenster des erneuerten Hotels Schweizerhof leuchten nachts in bunten Farben. Damit will der Schweizerhof einen Beitrag zur Attraktivität seines Betriebs leisten. Insidern offenbart die Lichtinstallation hingegen die Rückständigkeit des gewählten Konzepts. 

Im Tourismus, so sagen es die Branchenkenner, müsse regelmässig etwas Neues geboten werden, ansonsten die Gäste ausblieben. Dieses Credo haben die Verantwortlichen des Luzerner Vorzeigehotels Schweizerhof vor Augen gehabt, als sie sich für eine Erneuerung der Hotelzimmer entschieden. Da sich Aufwertungen im Innern nur schlecht nach aussen kommunizieren lassen, haben sich die Planer einen Gag einfallen lassen: Seit diesem Sommer leuchten die Fenster bunt in die Luzerner Nacht. 

Dass mit ausgewählten Farben erfolgreich auf Kunden zugegangen werden kann, zeigen nicht nur die Modebranche, sondern auch Kaffeeverkäufer, indem sie ihre Kaffeekapseln mit Farben codieren. Aber auch das Radisson Blu Hotel, von den Luzerner Rüssli Architekten 2006 entworfen, weist jedem Zimmer eine Farbe zu, denn als Touristen wollen wir bekanntlich dem grauen Alltag entfliehen. 

Nun doppelt der Schweizerhof nach. Hier macht sich die Lichtinstallation nur Nachts und wegen der Lage am Quai besonders prägnant bemerkbar. Das Konzept ist einfach und erprobt. Insider erkennen in der Massnahme den Erweiterungsbau des Hotels Sarratz in Pontresina wieder, 1996 vom Engadiner Architekten Hans-Jürg Ruch erbaut. 

Für die Innenarchitektur beim Sarratz zeichnete die Innenarchitektin Pia Schmid verantwortlich. Ruch und Schmid punkteten mit der speziellen Fassadengestaltung. Durch die gleichmässig verteilten Lochfenster leuchten Nachts die Zimmerlichter in bunten Farben, hervorgerufen durch die Farben der Vorhänge, die jedem Zimmer einen eigenen Charakter verleihen. 

Als um 2000 der Totalumbau des Hotels Schweizerhof in Luzern zur Debatte stand, setzte die Innenarchitektin Pia Schmid zu ihrem Höhenflug an. In Luzern wurde sie aber nicht beim Schweizerhof, sondern 2003 beim Umbau des Hotels Montana beauftragt. Dass der Schweizerhof nun auf ein Konzept von Pia Schmid zurückgreift, darf als Zeichen der Besinnung auf Qualität gewertet werden. Doch einem Vergleich mit dem Sarratz hält der Schweizerhof nicht stand. Die hier präsentiert Lösung wirkt zu künstlich, vermutlich weil farbiges Licht verwendet wird. Beim Sarratz ist die Lösung dezenter umgesetzt. Somit hält das Sarratz weiterhin die Nase vorn.

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