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Architekturkritik Volltreffer

2 min Lesezeit 2 Kommentare 03.07.2013, 04:00 Uhr

Der Rotsee ist um eine Attraktion reicher. Pünktlich zur Eröffnung der Ruderregatta steht das neue Zielgebäude von Andreas Fuhrimann, Gabrielle Hächler Architekten für Zeitmessungen bereit.

Schnell ist klar: das neue Zielgebäude im Rotsee ist ein Wurf. Auch wenn Kritik am Volumen durchaus angebracht ist, fällt das Urteil zur Architektur nur positiv aus. Der kubische Bau, auf Betonstützen über den Seespiegel angehoben, wirkt hell und leicht. Die Schatulle auf dem See ist gut zu erkennen. Der Rudersport hat damit auf dem Rotsee sein gewünschtes Zeichen der Erneuerung bekommen. 

Nicht im Gebrauch regt der Baukörper als abstrakte Grossform zum Rätseln an, im Gebrauch weht, dank den grossen Fensteröffnungen, ein Hauch von Sommer über den See. Die schlichte Materialisierung und der Verzicht auf Farbe lassen den Bau sehr authentisch wirken. Seine harten Konturen sind ein wohltuender Kontrast zu den weichen Formen der geschützten Landschaft. Die Komposition könnte nicht ausgewogener sein. 

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Doch weshalb der Bau so gross geworden ist, müsste mir die Bauherrschaft noch eingehend erklären. Auf drei Geschosse verteilt, bietet das Zielgebäude drei nahezu identische Räume an. Gerne wird bei diesen Fragen auf internationale Standards verwiesen. Doch mehr als Messen sollte in diesem Turm nicht zugelassen sein. 

Das Wettbewerbsprojekt sah sogar ein noch grösseres Bauvolumen vor. Das Flachdach sollte als Aussichtsterrasse zugänglich gemacht werden. Im Siegerprojekt schmiegte sich die Treppe als Betonskulptur an den Holzbau, der dadurch an Leichtigkeit verlor. Schon die Jury hatte diese Vorschläge als zu problematisch erkannt und eine Überarbeitung gefordert. 

Der alte Zielturm war dagegen sehr bescheiden. Aus der Hand eines Ingenieurs entworfen, erfüllte er viele Jahre den Zweck, für den er gebaut worden war. Als sein Ersatz absehbar wurde, hatten 2007 Studenten der HSLU T&A ihre Diplomarbeit dem Thema gewidmet. Lange Zeit schien es, als ob das Studentenprojekt von Daniel John Butcher zur Ausführung kommen werde. Es hätte die Qualitäten des heute realisierten Projekts nicht annähernd erreicht. 

Als Relikte aus dem Wettbewerb sind Betonsteg und Betontreppe geblieben. Sie haben an Kraft verloren und wirken unverständlich. Hier wäre eine Klärung der Funktion hilfreich gewesen. Doch auch mit diesem Makel ist das Projekt zum Volltreffer geworden. Die Hoffnung besteht, dass auch die weiteren Projektteile mit gleicher Sorgfalt umgesetzt werden.

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2 Kommentare
  1. Edi von Deschwanden, 20.08.2013, 21:12 Uhr

    Die farbe des Zielgebäudes ist unglücklich gewählt. Der Bau ist ein technisches Bedürfnis der Regatta o.K.
    Dafür muss er sich aber nicht von der schönen Natur dermassen markant abheben. Da haben die Architekten wohl mehr an sich gedacht als an die Bvölkerung.
    Ich schlage vor den Bau in eine Farbe umzustreichen die besser in die Landschaft passt.

    1. Gerold Kunz, 22.08.2013, 13:21 Uhr

      Die Frage der Farbe ist ist im Kontext mit Landschaft immer berechtigt. Sich integrierende Oberflächen sind zu bevorzugen. Mich stört hier aber nicht, dass das Gebäude gut sichtbar ist. Die Oberfläche wird sich noch verändern. Geben wir dem Gebäude etwas Zeit. Schade ist hingegen, dass das Gebäude zu wenig genutzt wird. Es steht ja zu 95% der Zeit leer.