Architekturkritik Ohne Umsicht

2 min Lesezeit 28.09.2014, 15:00 Uhr

In Kriens ist mit dem Ersatzneubau eines Doppelkindergartens nicht nur ein Werk des Luzerner Architekten Walter Imbach abgebrochen worden, auch ein Kunstwerk von Hugo Bachmann ist davon betroffen.

Der Leserbrief von Walter Imbach gegen den Schutz der Luzerner ZHB mag vielen sauer aufgestossen sein, so auch mir. Vielleicht verbirgt sich dahinter aber eine negative Erfahrung, die auch andere zeitgenössische Architekten im Umgang mit ihrer Hinterlassenschaft noch machen werden. 

In Kriens, wo Imbach in den 1960er Jahren das Amlehnschulhaus erstellte, wurden Veränderungen am Bau stets ohne Rücksprache mit dem Architekten umgesetzt, obwohl sich dieser in einem Wettbewerbsverfahren gegen seine Konkurrenten durchgesetzt hatte. So wurde dem Flachdachbau in den 1970er Jahre ein Walmdach aufgesetzt und um die Jahrtausendewende eine Aussenisolation überstülpt. Arbeiten, die ohne kritische Stimmen zur Ausführung gelangten. 

Damit gingen dem Werk, ursprünglich im Geiste eines Strukturalismus à la Fritz Haller erstellt, wichtige Qualitäten verloren. Nun wurde auch noch der Kindergartenpavillon abgebrochen, der die strenge Anlage mit einem Gebäude in der Form eines grossen Daches kontrastierte. Er soll durch ein wesentlich grösseres Volumen in der bekannten Konzeption von LxBxH ersetzt werden. 

Eine Erfahrung jedoch, die heute ein Architekt im Umgang mit seinem eigenen Werk nicht zwingend machen muss. In Willisau beispielsweise wurde Imbachs Kantonsschulgebäude mehr Feingefühl entgegengebracht. Hier ging aus einem Wettbewerb ein Erweiterungsprojekt hervor, das auf die Qualitäten der bestehenden Anlage einging und neue Qualitäten zu schaffen vermochte. 

Doch um an Qualitäten anzuknüpfen, müssen diese von den Beteiligten erkannt werden. Dass in Kriens einiges schief gelaufen ist, wird auch im Umgang mit dem Kunstwerk des Krienser Künstlers Hugo Bachmann offenbar: Die Innenwand, die das Kunstwerk trägt, blieb vor dem Abbruch verschont. Doch wozu eigentlich? Bei der Einweihung des Kindergartenpavillons werden wir es hoffentlich erfahren.

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