Der grünschwarze Block in Luzern Neues Bauen in alter Umgebung

03.04.2021, 11:01 Uhr 3 min Lesezeit 4 Kommentare
Die Architektur verschleiert ihre Zeitgenossenschaft nicht. (Bild: gek)
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Die Architektur verschleiert ihre Zeitgenossenschaft nicht. (Bild: gek)

Der Neubau an der Denkmalstrasse 21 in Luzern wird frisch vermietet. Er ist ein geglücktes Beispiel für die Nachverdichtung in der bereits sehr dichten Innenstadt und beweist, dass «Neues Bauen in alter Umgebung» als berechtigte Gestaltungsstrategie ihre Gültigkeit behält.

Der Neubau als Abschluss der Denkmalstrasse 21 in Luzern wird in diesen Tagen bezogen. Der viergeschossige Bau setzt einen markanten Abschluss an der vielbegangenen Fusswegverbindung ins Wesemlinquartier. Mit seiner Sockelnutzung und den drei Geschosswohnungen ist der Fussabdruck dieses Gebäudes vergleichsweise klein. Dennoch trägt es zur überfälligen Innenverdichtung bei. Als Solitär mitten in ein dicht bebautes Stadtquartier gestellt, füllt der Neubau eine Leerstelle mit Leben.

Markanter Abschluss der vielbegangenen Fusswegverbindung. (Bild: gek)

Gelungene Integration

Der rundum verglaste Neubau liegt nicht nur gegenüber dem Gletschergarten, das Gebäude selber ist Teil einer denkmalgeschützten Baugruppe, die aus der Häuserzeile an der Steinerstrasse und entlang der Zürichstrasse besteht. Umso bedeutender ist seine gelungene Integration in die nähere Umgebung.

Der aus Metall und Glas bestehende Bau übernimmt zwar nicht die Materialsprache der historischen Vorbilder, aber die Gliederung in Sockel und Oberbau und die quartierverträgliche Volumetrie leiten sich vom Bestand ab. Auch dank der grünschwarzen Farbgebung nimmt sich das Gebäude, das auf allen vier Seiten freisteht, vornehm zurück.

In Fachkreisen ist umstritten, ob sich eine an der Moderne orientierte Architektur in eine Umgebung mit Bauten, die vor dem Ersten Weltkrieg entstanden sind, einpassen kann. Bauten aus der Nachkriegszeit haben es schwer, im historischen Kontext zu bestehen.

Der Neubau ist Teil einer denkmalgeschützten Baugruppe (Bild: gek)

Die Architektur verschleiert ihre Zeitgenossenschaft nicht

Das Ortsbildinventar ISOS führt beispielsweise sogar Eduard Rengglis Wohn- und Geschäftshaus von 1966, ebenfalls an der Denkmalstrasse gelegen, als «riegelartigen Fremdkörper zwischen Löwenplatz und Löwendenkmal» auf, obwohl der Architekt, der zusammen mit Emil Jauch den BSA-Zentralschweiz gründete, sich aus Ortsbildschutzgründen in den 1960er-Jahren gegen das Luzerner Expressstrassenkonzept stellte und somit die Anliegen des Ortsbildschutzes vertrat.

Der Neubau gegenüber dem Gletschergarten profitiert von seiner Randlage. Mit der Farbgebung kokettiert er mit dem Baumbestand, den hohen Glasanteil übernimmt er von den modernen Nachbarbauten, die Metallfassade und die Fluchttreppe festigen den gewerblichen Charakter des Innenhofs.

Die Architekten Graber & Steiger beweisen, dass sich mit dem nötigen Gespür für die vorhandenen Stimmungen, einem genauen Betrachten der Umgebung und einer gründlichen Bearbeitung der Aufgabe ein Projekt entwickeln lässt, das seine Zeitgenossenschaft nicht leugnen muss und dennoch den Bestand angemessen respektieren kann.

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4 Kommentare
  1. Michel von der Schwand, 03.04.2021, 15:25 Uhr

    Falsch! Ein katastrophales Projekt fadenscheinig schön geschrieben. Architekten sollten ihren Beruf als Handwerk und nicht als Kunst betrachten.

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    1. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 03.04.2021, 16:54 Uhr

      Gegenüber der Achitektur-Dystopie Mattenhof/Schweighof ist es geradezu eine üppige Wohltat!

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    2. Michel von der Schwand, 03.04.2021, 18:51 Uhr

      Nein! Nicht in der Altstadt!

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    3. Melchior, 03.04.2021, 20:40 Uhr

      Wo hört denn für Sie die Altstadt auf? Das ist bestimmt Innenstadt, aber die «Altstadt» definiere ich als jenes Stadtgebiet, das schon im Mittelalter solches war. Das Gebiet Weyquartier/Zürichstrasse wurden vor 1860 aber nicht überbaut.

      So oder so, mit Herrn Kunz müssen Sie natürlich nicht einverstanden sein – aber «falsch» ist seine Einschätzung deswegen sicher nicht.

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