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Architekturkritik Kunstdepot Göschenen

2 min Lesezeit 13.06.2013, 16:00 Uhr

Bauten des Militärs sind aus der Schweizer Hauslandschaft nicht wegzudenken, auch wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Umbauen ist deshalb zur wichtigen Bauaufgabe geworden. 

Beim Umbauen von ausgedienten Militärbauten geht es um eine Überführung dieser Sonderbauten in den Alltag der Schweiz. Dabei bieten sich, wie immer bei historischen Bauten, museale Nutungen als Erstes an. In der Gotthardregion ist mit dem Kunstdepot in Göschenen bereits das dritte Umnutzungsprojekt mit kulturellem Inhalt realisiert worden. Nach dem 2004-10 betriebenen Hotel La Claustra von Jean Odermatt und dem 2012 eröffneten Festungsumbau Sasso San Gottardo zur Themenwelt durch Holzer Kobler liegt nun ein Beitrag von Sumi Burkhalter vor, den es zu beurteilen gilt.

Beim als Kunstdepot Göschenen bezeichneten Objekt handelt es sich um ein ausgedientes Lagergebäude des Schweizer Militärs. Nun soll es als Kunstort neu belebt werden. Die hoch in den Himmel ragenden Keile führen viel Licht in das zweigeschossige Dachinnere. Hier entstehen Ateliers, die vom Nordlicht besonders profitieren. Der klare Eingriff lässt das historische Gebäude unversehrt erscheinen. Die dunkel umhüllten Aufbauten sind dezent auf die Farbigkeit der Umgebung abgestimmt. Im Winter ragen sie wie Kiemen aus dem schneeweissen Dach hervor.

Die geschickte Platzierung der Aufbauten und die angemessene Dimensionierung machen aus dem umgebauten Objekt einen interessanten Beitrag. Der kräftige, aber dennoch intelligente Eingriff tut dem Gebäude sogar gut. Nach aussen wird sichtbar, dass eine Öffnung stattgefunden hat. Trotz Transformation blieb der Charakter des Militärmagazins erhalten. Eingriff und Bestand stehen in einer Balance, die von beidseitigem Respekt zeugt.

Mit dem Kunstdepot Göschenen liegt eines jener raren Beispiele vor, die beweisen, dass sich die Schweizer Baukultur nicht neu erfinden muss, sondern weiterentwickelt werden kann. Von Kontrastarchitektur ist hier nicht die Rede, auch wenn sich der Eingriff vom Bestehenden klar absetzt. Anbiederung kann den Architekten ebenfalls nicht vorgeworfen werden, da der Eingriff gut zu erkennen bleibt. Göschenen ist eine Reise wert.

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