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Hausvariationen

Mit 280 Betten in 86 Wohnungen wurde in Luzern von Privaten die grösste Studentensiedlung geschaffen. Der modulare Aufbau und der sparsame Umgang mit dem Grundstück ist zentrales Thema des Entwurfs.

Am Parzellenrand des Eichhofareals ist die grösste studentische Wohnsiedlung entstanden. Die Stadt Luzern hatte hier einer privaten Stiftung Bauland im Baurecht abgetreten, die darauf 86 Wohnungen mit 280 Betten erstellte. Auf den Übergang vom Betagtenzentrum zum Wohnquartier reagiert die Anlage mit einem mäanderförmigen Baukörper, der unterschiedliche Höhen und viele Vor- und Rücksprünge aufweist. Der an den Parzellenrand gestellte Bau lässt viel Raum zwischen den benachbarten Bauten und qualitätsvolle Aussenräme entstehen.

Bei meinem Besuch an einem wolkenverhangenen und regnerischen Sonntag konnte ich den Bauten wenig Freundliches abgewinnen. Erst beim zweiten Besuch bei sonnigem Wetter und an einem Werktag erschienen die Bauten sympathisch und passend. Die Anlage wirkte sichtbar belebt und die grüne Umgebung als wohltuender Kontrast zur strengen Fassadengestaltung.

Zu den prägenden Merkmalen der Anlage zählen die Rasterstruktur und die dunklen Füllungen. Erst auf den zweiten Blick werden die veredelten Oberflächen mit Keramikmosaik erkennbar. Die Rahmungen mit Betonelementen geben den inneren Aufbau wieder. Jedes Zimmer lässt sich von aussen ablesen. Die leichte Schrägstellung der Rahmenelemente gliedert die Volumen in kleinere Einheiten. Struktur und Aufbau sind bei dieser Anlage als besonders bedeutende architektonische Themen behandelt. 

Interessant ist deshalb das Konzept. Wie bei einem Baukasten werden die Zimmermodule zu Häusern gestapelt und die Trakte wie bei einem Domino aneinandergefügt. Auch im Innern setzt sich der Grundgedanke fort. Treppenhaus, Zimmer, Küchen und Nassräume sind die Bausteine, aus denen die Einheiten bestehen. Sie werden in Variationen zusammengefügt, so dass daraus individuelle Einheiten entstehen. 

Das Resultat zeigt sich beim Besuch vor Ort als eine präzise und auf die Topografie abgestimmte Komposition. Die Gesamtanlage setzt sich von den Bauten des Betagtenzentrums ab und spannt klar zugeordnete Ausseräume auf, die vielfältig genutzt werden können. Die Staffelung der Bauten in der Höhe wird auch durch den Verlauf des Terrains nachgezeichnet. 

Bei dieser studentischen Wohnsiedlung wurde auf ein soziales Anliegen mit qualitätsvoller Architektur geantwortet. Die zurückhaltend erscheinende Anlage verdient es, hier ins Rampenlicht gestellt zu werden.

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