Architekturkritik Gewerbevilla

2 min Lesezeit 27.01.2015, 16:00 Uhr

Ins mit Gewerbe durchmischte Wohngebiet Eichli in Stans haben die jungen Architekten Boos+Murer gemeinsam mit raumfalter Architekten eine Villa mit klassizistischem Zuschnitt gestellt. Ihr in Holz gehüllter Bau behauptet sich gut im heterogenen Umfeld.

Wohnen zählt zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Architektur. Kein Wunder, dass über die Jahrzehnte hinweg von den Architekten immer wieder neue Lösungsvorschläge vertreten werden. Aktuell schlägt das Pendel zurück in die Vergangenheit. Als ich das erste Mal vor dem neuen Wohnhaus von Dominik Boos und Lukas Murer im Stanser Eichli stand, das sie zusammen mit raumfalter Architekten realisierten, erkannte ich erst auf den zweiten Blick, dass hier zeitgenössische Architektur umgesetzt wurde. 

Die Villa präsentiert sich mit ihrem quadratischen Grundriss als ferner Verwandter norditalienischer Renaissancebauten, die ihre Verbreitung bis nach Stans gefunden hatten. Von diesen regionalen Vorbildern werden beim Neubau die Gliederung der Fassaden und die Betonung der Fassadenmitte übernommen. Mit dem Walmdach findet der Bau einen kräftigen Abschluss, so dass er sich als Solitär zu behaupten vermag, auch wenn er Teil einer Strassenbebauung ist. 

In der Gestaltung nehmen sich die Architekten gegenüber den historischen Vorbildern zahlreiche Freiheiten. Die Fenster folgen zwar einem strengen Raster, doch sie liegen dort, wo sie innen sinnvoll sind. Und zur Strassenseite ist das Treppenhaus vorgeblendet. Es entwickelt sich als Kaskadentreppe über drei Geschosse und bietet einen geschützten Aussenraum, der gut zur ländlichen Lage passt. 

Bei den mit Holz verkleideten Fassaden betonen umlaufende Simse die Geschosse. Die Fenster sind seitlich mit etwas breiteren Brettern gefasst. Die von Sockel bis Dach monochrome Farbgebung bindet das Gebäude zum Körper zusammen. Wohl deshalb schmälern die grossen Dachausbauten und unterschiedlich dimensionierten Balkonanbauten den Architekturgenuss nur wenig. 

Gerade wegen dem Rückgriff auf bekannte Vorbilder der Baugeschichte ist hier eine wohltuende neue Architektur entstanden. Das Projekt zeigt mir, dass es sich lohnt, erhöhte architektonische Ansprüche auch an einen Neubau in einem heterogenen Umfeld zu stellen.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.