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Frischzellenkur im geschützten Ortsbild von Kriens
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Expressive Giebelgestaltung in Kriens. (Bild: Gerold Kunz)

Neubau ersetzt inventarisiertes Gebäude aus dem Jahr 1946 Frischzellenkur im geschützten Ortsbild von Kriens

2 min Lesezeit 16.10.2017, 11:13 Uhr

Seit Miroslav Šiks Biennale-Beitrag von 2012 ist bekannt, dass eine Bebauung mit Neubauten eine Stimmung erzeugen kann, die bisher nur in Kombination mit Altbauten denkbar war. An einem aktuellen Beispiel in Kriens lässt sich meine provokante These überprüfen.

Die Architektinnen Liliane Haltmeier und Louise Kister haben soeben in Kriens ihren ersten Bau fertiggestellt, der eine neue Haltung in den gegenwärtig von zahlreichen Um- und Ersatzbauten gezeichneten Ort trägt. Ihr Wohnhaus steht an der Schachenstrasse und ist Teil einer Siedlung aus den 1940er-Jahren, deren östlichen Schlussstein die Architektinnen mit ihrem Neubau ersetzten.

In Anlehnung an die Gestaltung der noch bestehenden Siedlungsbauten haben die Architektinnen auch ihr Gebäude als Massivbau mit Satteldach und Lochfassade ausgeführt. Auch der abgestufte Grundriss erinnert an den Vorgängerbau. Die ins Volumen integrierten Loggien und die akzentuierten Lukarnen sind hingegen Zutaten von heute. Sie geben, in Kombination mit dem edlen Kupferdach, dem Gebäude einen zeitgenössischen Ausdruck.

Ideale Lage

Der Strassenraum bleibt erhalten, indem das Gebäudevolumen von den Siedlungsbauten abgeleitet wird. Die Rückseite interpretieren die Architektinnen neu. Beim Neubau sind Stellung und Ausrichtung mit jenem des Vorgängerbaus identisch. Der Ersatzneubau profitiert von der Lage im Gelände. Am tiefsten Punkt platziert, durchstösst seine Traufe trotzdem die Linie, die von den bestehenden Gebäuden vorgezeichnet wird, vermutlich, weil die Raumhöhen heutigen Ansprüchen angepasst wurden.

Zudem wartet der Neubau mit französischen Fenstern auf, die in den Dachraum stossen. Der raue Putz ist von den Siedlungsnachbarn übernommen, jedoch zweifarbig ausgeführt. Die Dachuntersicht geht senkrecht von der Fassade ab, während die Altbauten die Sparren zeigen. Diese feinen Unterschiede sind erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

Zusammenspiel von Alt und Neu

Doch nicht die Unterschiede in den Details, sondern die Gegenüberstellung von Alt und Neu ist eine Betrachtung wert. Die Architektinnen haben alles richtig gemacht und legen mit ihrem Erstling einen stimmigen Neubau vor. An einer Informationsveranstaltung zum Wirken der Krienser Fachkommission, die das Vorhaben im Bewilligungsverfahren prüfte, wurde das Bauvorhaben sogar als beispielhaftes Zusammenspiel zwischen Behörde und Gesuchsteller gewürdigt.

Was dabei vergessen geht: Obwohl in einer Schutzzone gelegen, ging der siedlungsgeschichtliche originale Bauzeuge unwiederbringlich verloren. Ich vermute, dass weitere Ersatzneubauten folgen werden, bis die Siedlung durch ähnliche Neubauten ersetzt sein wird. Denn: Wer will noch in einem der ehrenwerten Altbauten wohnen, wenn der benachbarte Neubau für das Ortsbild das Gleiche zu leisten vermag?

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