Architekturkritik Städtebau Augen auf

2 min Lesezeit 31.03.2015, 06:00 Uhr

Am Eingang zum Kantonsspital Luzern haben Schneider&Schneider Architekten aus Aarau die Augenklinik neu gefasst und erweitert. Die bereits heute engen Platzverhältnisse auf dem Areal werden mit der Erweiterung erkennbar.

Das Areal des Kantonsspitals Luzern ist klar umrissen. Auf der Nordseite wird es vom Friedental begrenzt, auf der Südseite von der Spitalstrasse. Auch nach Westen und Osten sind mit dem Schulhaus St. Karli und den privaten Liegenschaften am Urnerhofweg der Ausdehnung klare Grenzen gesetzt. 

Seit jeher wird auf dem Spitalareal rege gebaut. Dem Neubau der Psychiatrischen Klinik (1996) von Peter Baumann folgte jener der Frauenklink von Daniele Marques (2001). Mit dem Umbau und Erweiterung der Augenklinik nach Plänen der Aargauer Architekten Schneider&Schneider wird nun direkt beim Eingang ein neuer Merkpunkt gesetzt. Der Bau grenzt bis an den Strassenrand und führt damit vor, dass aus dem Spitalareal eine Spitalstadt entstehen wird. Der offensichtlich bestehende Mangel an genügend Platz ist bei diesem Projekt unübersehbar. 

Schon der Ausbau der 1970er Jahre hatte mit dem Bettentrakt einen Paradigmenwechsel eingeführt. In die ehemals weitläufige und aus medizinischen Gründen gut durchlüftete Anlage wurde damals ein auf funktionale und rationale Aspekte ausgelegter Gebäudekomplex gestellt, der sich an industriellen Produktionsgebäuden orientierte. Die Massierung der Bauvolumen wurde von der kritischen Bevölkerung schlecht aufgenommen. Seiher kursiert (nicht nur in Luzern) die Frage, ob Spitalbauten ihre Patienten eher krank als gesund machten. 

Mit der erneuerten Augenklinik stellen sich Fragen zum künftigen Umgang mit dem Spitalareal. Insbesondere die anstehende Erneuerung des Bettentrakts lässt wenig Gutes erahnen. Werden bei künftigen Erweiterungen weitere Freiräume verbaut, muss sich das heute durchgrünte Spitalareal künftig als Stadtquartier behaupten. Hier hilft nur ein Masterplan, der Aussagen zum Transformationsprozess transparent werden lässt. Ob dieser besteht, weiss ich leider nicht. 

Zuversicht muss uns heute genügen. Denn wie es im Spital-Leitbild so schön heisst: «Deshalb schauen wir gerne nach links und nach rechts. […] Weitblick bedeutet unter anderem, mit personellen, technischen und finanziellen Ressourcen optimal umzugehen.» Ich hoffe sehr, dass die Spitalleitung sich ihrer eigenen Leitsätze beherzigt und den künftigen anspruchsvollen Bauaufgaben schon heute mit Weitsicht entgegenblickt.

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