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Blick in den Rohbau des modernsten Luzerner Altstadthauses
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Hier im Erdgeschoss warten über 500 Quadratmeter Ladenfläche auf Mieter. (Bild: jwy)

Mietersuche für Ex-C&A-Haus läuft Blick in den Rohbau des modernsten Luzerner Altstadthauses

5 min Lesezeit 1 Kommentar 06.11.2019, 19:27 Uhr

Wände, Dach, Fenster: Der sehnlichst erwartete Ersatzbau für das C&A-Gebäude steht in den Grundzügen. zentralplus ging auf einen Rundgang durch die künftigen Geschäfte und Wohnungen. Die Suche nach Mietern läuft derweil weiter.

Noch der letzte Schliff – und bald ist der einstige Schandfleck in der Luzerner Altstadt vergessen. Der Ersatzbau für das ehemalige C&A-Gebäude an der Kapellgasse 4 steht im Rohbau fertig. Auf Sommer 2020 werden die Geschäfte und Wohnungen voraussichtlich bezugsbereit sein.

Die Wände stehen, das Dach ist gedeckt und die Fenster sind montiert. Noch fehlt der fertige Innenausbau, auch die prägende Keramikfassade ist erst als einzelnes Muster sichtbar. Die weissen und blauen Flächen werden in Anlehnung an die angrenzenden Altstadthäuser die Fenster hübsch umrahmen.

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Die Nachbarn sehnen das Ende des Gerüsts herbei: Neubau an der Kapellgasse 4.

Grosses Interesse am Bau

Am Mittwoch haben die beiden Architekten Peter Joos und Christoph Mathys auf Einladung des Zentralschweizer Ingenieur- und Architektenvereins durch das Haus geführt – und das Interesse war gross. Doch eins vorweg: Viel gab’s abgesehen von Staub, Gips und Maschinen noch nicht zu sehen. Aber die Dimensionen und der Reiz der neuen Liegenschaft lassen sich erahnen.

Das Haus an der Kapellgasse 4 ist nicht irgendein Neubau in der Altstadt. Vielmehr verkörpert er ein unrühmliches und wechselhaftes Stück Baugeschichte im historischen Herzen Luzerns. Vom Herstensteinhaus aus dem 16. Jahrhundert bis zum viel gescholtenen Bau aus den 60er-Jahren (siehe Box).

Das alte Warenhaus – einst ABM, ab 2003 C&A – wurde letztes Jahr abgerissen und wird nun durch den Neubau von Joos & Mathys aus Zürich ersetzt. Das öffentliche Interesse war und ist auch deshalb riesig, weil selten eine solche Operation am offenen Herzen der Altstadt stattfindet.

Blick in den ersten Stock, noch ist im Rohbau nicht viel zu sehen.

Zwei Stöcke hinunter, drei hinauf

Zuerst ging’s zwei Stöcke in den Untergrund, wo vor allem Technik und Geräte untergebracht sind. In den Stockwerken darüber – im ersten Untergeschoss, Erdgeschoss und ersten Stock – gibt es drei Ladenflächen. Sie sind jeweils knapp 510 Quadratmeter gross.

Da immer noch nicht klar ist, wer die Ladenflächen mieten wird, müssen die Architekten im Rohbau möglichst viel offenlassen und flexibel planen. Zum Beispiel, ob es Rolltreppen zwischen den Geschossen gibt oder wie die Decken gestaltet werden, hängt von der Art und Anzahl der Geschäfte ab. Wenn das gröbste Baustellen-Chaos vorüber ist, dürfte es auch einfacher sein, Interessenten an Bord zu holen.

Ob es zwei oder mehr Mieter sein werden, sei noch offen. Wie die drei Geschosse dereinst tatsächlich aussehen, wird also vom Mieterausbau abhängen. Jetzt werden die leeren Flächen von «Elefantenfüssen» dominiert: Dicke Säulen für die Erschliessung und Stabilität des Gebäudes.

So wird das Gebäude dereinst von der Kapellgasse aussehen.

Wohnung ab 1885 Franken

Dann über staubige Treppen nach oben: Im zweiten und dritten Stock sowie im Dachgeschoss wird es elf Wohnungen geben, die zwischen 1,5 und 4,5 Zimmern gross sind. Zuoberst entstehen Maisonettewohnungen mit «spektakulärem Ausblick auf die Altstadt und den Vierwaldstättersee», wie es auf der Website des Projekts heisst.

Die ersten Wohnungen sind inzwischen auf den 1. Juli 2020 ausgeschrieben. Sie kosten ab 1885 Franken pro Monat, eine Maisonettewohnung schlägt mit 2475 Franken zu Buche. Auch sämtliche Grundrisspläne für Wohnungen und Geschäfte sind online einsehbar.

So werden die Maisonette-Wohnungen an der Kapellgasse 4 angepriesen.

Spannungsfeld der Ansprüche

Man erhielt beim Rundgang einen guten Einblick, wie pragmatisch und erfinderisch Architekten bei einem Bau an dieser sensiblen Lage umgehen müssen. Viel Flexibilität und Fantasie ist gefragt im Spannungsfeld der Ansprüche – von Bauherrschaft, Denkmalpflege, Behörden, Nachbarn und potenziellen Mietern.

Von den Wohnungen blickt man durch grosszügige Glasfenster auf die Gasse – oder nach hinten in den Hof. Sogenanntes Weissglas sei das, das von aussen weniger spiegelt und somit weniger dominant daherkommt. Auch das war ein Kompromiss mit der Denkmalpflege.

So soll es auf dem Kapellplatz aussehen.

Speziell auch: Balkone werden die Wohnungen keine haben, dafür eine kollektive, gut 110 Quadratmeter grosse Terrasse für alle Mieter – auch Familien sollen angesprochen werden.

Schon das vierte Gebäude

Das ehemalige ABM- und spätere C&A-Haus auf dem Kapellplatz – auch «grauer Klotz» genannt – ist 2018 abgerissen worden. Hier standen schon verschiedene Gebäude: einst das ursprüngliche, dreigeschossige Hertensteinhaus von 1510 mit alten Renaissance-Fresken von Hans Holbein. Trotz Protesten wurde es 1825 abgerissen und durch einen Biedermeier-Bau ersetzt. Kopien der Fresken werden heute im Luzerner Kunstmuseum aufbewahrt.

1958 erlitt das Bankgebäude das gleiche Schicksal – es wurde abgerissen und durch das unschöne Warenhaus ersetzt. «Das technische Wunderwerk von 1962 hat sich in einen Schandfleck verwandelt», schrieb Historiker Valentin Groebner in seinem Buch «Retroland» (zentralplus berichtete).

Die zweistöckigen Wohnungen in den obersten Etagen münden in sogenannte Dachgauben. In diesem hohen Raum mit Holzbalken fühlt man sich wie in einem Türmchen über den Dächern der Altstadt. Es seien Wohnungen mit unkonventionellen Grundrissen, die aber das Wohnen in der Altstadt verkörpern, so die Architekten.

Bei der Fassade in Verzug

Bei der Fassade ist man mit den Arbeiten in Verzug, aber ansonsten habe man alle Überraschungen gut meistern können. Klar ist: Das Haus muss an dieser sensiblen Lage höchsten Ansprüchen genügen. Das Projekt, das sich in einem Wettbewerb gegen sieben andere Büros durchgesetzt hat, wurde für seine starke Identität und die Ausstrahlung gelobt und für das «hohe Potenzial für die weitere Bearbeitung und Realisierung an diesem geschichtsträchtigen und wichtigen Ort».

Klar ist aber auch: Die Nachbarn und angrenzenden Geschäfte wünschen sich vor allem eins: Dass die Baugerüste möglichst schnell verschwinden.

Blick vom Erdgeschoss in den ersten Stock: Hier könnten Rolltreppen hinkommen.

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1 Kommentare
  1. Jörg, 07.11.2019, 09:24 Uhr

    mir gefällt es, vielleicht die Fassade was klotzig, aber dennoch es passt, man muss halt mit der Zeit gehen, das mit den läden wird wohl in der heutigen Zeit schwierig, was da Reinkommt,