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Bleibt zuhause! Was machen jetzt die Obdachlosen?
  • Gesellschaft
Für viele Obdachlose in Luzern dürfte die Corona-Krise harte Konsequenzen haben.

Luzerner Gassenarbeit ortet einige Probleme Bleibt zuhause! Was machen jetzt die Obdachlosen?

3 min Lesezeit 5 Kommentare 21.03.2020, 05:00 Uhr

Die Corona-Krise trifft die Schweiz mit voller Wucht. Davon sind auch Menschen betroffen, die in Luzern auf der Strasse leben. Für sie dürften die geschlossenen Grenzen ein Problem werden, denn der Stoff auf dem Strassenmarkt wird knapp.

Die Aufforderung der Behörden, zuhause zu bleiben, ist deutlich und die Botschaft mittlerweile wohl überall angekommen. In den Strassen der Stadt Luzern sind am Donnerstag jedenfalls nur vereinzelte Menschen anzutreffen. Die meisten dürften die Frühlingstage in der Wohnungen oder auf dem Balkon verbringen.

Doch was ist mit den Menschen, welche keine Wohnung haben und den Anweisungen des Bundesrates nicht nachkommen können? Menschen, deren Lebensumstände auch ohne Corona-Krise nicht dem entsprechen, was gemeinhin als «Normalität» verstanden wird? Und was bedeutet das für die Institutionen in Luzern, die diesen Menschen im Alltag Hilfe anbieten?

Wer kann, soll nach Hause gehen

«Die Gassechuchi bleibt offen. Allerdings mit reduzierten Öffnungszeiten», sagt die Geschäftsleiterin des Vereins Kirchliche Gassenarbeit, Franziska Reist. Der Verein betreibt die Einrichtung am Geissensteinring. Eine Schliessung komme aus verschiedenen Gründen bis auf Weiteres nicht infrage. Dasselbe gelte für die Notschlafstelle, die vom Verein «Jobdach» betrieben wird.

«Wir wollen verhindern, dass es im öffentlichen Raum aufgrund der Situation zu zusätzlichen Eskalationen kommt. Ausserdem soll es weiterhin möglich sein, unter sicheren und hygienischen Bedingungen die selber mitgebrachten Drogen konsumieren zu können, und wir wollen auch weiterhin die Behandlung von kleinen Wunden sowie unsere Duschen anbieten, da die Randständigen ansonsten keinen Zugang zu solchen Dienstleistungen haben und die Gesundheitseinrichtungen bereits am Anschlag sind», so Reist. Man lote derzeit aus, inwiefern diese Angebote aufrechterhalten werden können. Auch deshalb, weil viele Betroffene gesundheitlich bereits stark angeschlagen und damit speziell gefährdet seien.

«Und für Betroffene, die der Beschaffungsprostitution nachgehen, dürfte die Lage noch prekärer werden.»

Franziska Reist, Geschäftsführerin Kirchliche Gassenarbeit Luzern

«Diejenigen, die eine Wohnung haben, werden aufgefordert, nach Hause zu gehen», sagt Reist im Wissen darum, dass dies für viele der Menschen nicht einfach sei, da sie ausser den Kontakten auf der Strasse kaum Beziehungen zu andere Menschen haben. Auch hätten die meisten verständlicherweise keine Medien zur Verfügung, mit denen sie sich die Zeit vertreiben können. «Viele Randständige sind zuhause einsam.»

Sensiblisierung ist schwierig

Die momentane Situation bedeute für die Angestellten der «Gassechuchi» eine grosse Herausforderung, so Reist. «Eine Mitarbeiterin wurde extra dafür abgestellt, die Abstandsregeln durchzusetzen und Menschenansammlungen zu verhindern. Die speziellen Regeln stossen jedoch nicht bei allen auf Akzeptanz und eine Sensibilisierung ist äussert schwierig.»

Dies sei insbesondere auch beim Bahnhof ein Problem, wo trotz der prekären Lage teils bis zu 40 Leute auf engem Raum stünden. Ob es möglich ist, dies künftig zu verhindern und wie man dabei vorgehen will, werde derzeit gemeinsam mit der Polizei und der SIP diskutiert.

Franziska Reist in der Luzerner Gassechuchi

Geschlossene Grenzen: Der Stoff wird knapp

Ein grosses Problem für die Randständigen sieht Reist darin, dass die Grenzen geschlossen wurden. «Der Stoff auf dem illegalen Strassenmarkt wird langsam knapp und damit immer teurer.» Da sich trotz der staatlichen Abgabestellen viele der Süchtigen bei Dealern eindecken würden, könnte dies zu einigen Konflikten führen, befürchtet Reist.  «Und für Betroffene, die der Beschaffungsprostitution nachgehen, dürfte die Lage noch prekärer werden, da kaum mehr Freier in der Stadt unterwegs sind.»

Um möglichst vielen Betroffenen zu helfen, steht das Team der Gassechuchi in engem Kontakt mit  der Methadonabgabestelle DropIn der Luzerner Psychiatrie an der Bruchstrasse. «Das DropIn meldete zusätzliche freie Plätze. Wir hoffen, möglichst vielen Abhängigen, die noch keine Unterstützung mit einer Ersatzsubstanz erhalten, zu einem Platz im DropIn zu verhelfen», erklärt Franziska Reist. Für alle werde es wohl aus verschiedenen Gründen aber kaum reichen. Welche Folgen das haben wird, könne derzeit nur vermutet werden.

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5 Kommentare
  1. CScherrer, 23.03.2020, 10:54 Uhr

    Nicht so einfach zu lösen. Vielleicht könnten da mal ein Hotel vorübergehend helfen und Zimmer zur Verfügung stellen. Die Stadt hätte wohl auch ein gewisses Interesse daran. Und kosten würde das nicht alle Welt. Also, vorwärts machen Hoteliers!
    Was in London funktioniert, wird auch hier funktionieren.

  2. Baldinger Roger, 22.03.2020, 11:43 Uhr

    Es ist wichtig auch mal die andere Seite zu sehen und hier haben definitiv verurteilungen und Vorurteile keinen Platz.
    Wie können wir denen helfen…
    Vielleicht holen Sie sich wiedermal Gutscheine in der „Gassechuchi“ oder bei der Gassenarbeit.
    Wie man dem Bericht entnehmen kann, wird dafür gesorgt,dass die Hygienevorschriften eingehalten werden.

    … vielleicht ergeben sich sogar wertvolle und bereichernde Begegnungen trotz des Abstandes und vielleicht können wir so auch den „Randständigen“ etwas Hoffnung geben.

  3. alice .Schärer-Gurini, 21.03.2020, 19:49 Uhr

    danke danke danke an alle die so viel für ranständige tun!das ist nicht selbstverständlich! ich war dabei imLetten nicht als drögeler sondern als Amme für Babys die keine Chance gehabt hätten ohne die vielen Mütter die Milch abgepumpt haben und ans uni schickten !ich weiss was es heisst da drin zu stehen !Hut ab von den leuten Danke alice

  4. Sarah, 21.03.2020, 15:04 Uhr

    Eigentlich eine Schande, dass es nicht genügend Heime gibt, in die sich die Obdachlosen begeben können.

    1. alice .Schärer-Gurini, 21.03.2020, 19:52 Uhr

      das ist keine Schande !es gäbe ältere Häuser die man öffnen könte auch kleinere Hotel !aber die Menschen auf der Gasse die wollen nicht in ein Zimmer !und auch noch eingesperrt ?die drehen durch !man muss anders helfen unddas wird getan nur man schreibt nicht viel in den Zeitungen

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