Bleibt Mittelfeldmotor Jordy Wehrmann dem FC Luzern erhalten?
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Für Celestini waren Jordy Wehrmanns Auftritte in dieser Saison oft zu schwankend. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Celestini fordert mehr Konstanz Bleibt Mittelfeldmotor Jordy Wehrmann dem FC Luzern erhalten?

5 min Lesezeit 2 Kommentare 11.05.2021, 09:55 Uhr

Als Jordy Wehrmann im vergangenen Winter zum FC Luzern stiess, waren die Abstiegsplätze für die Luzerner bedrohlich nah. Mittlerweile konnten sich die Zentralschweizer dieser Sorgen entledigen, auch dank des jungen Mannes aus Den Haag. Doch wird der FCL auch in Zukunft auf seinen Mittelfeldmotor zählen können?

Wie zwei alte Freunde schlendern Jordy Wehrmann und Lorik Emini nach dem 3:0-Heimsieg gegen Servette Genf Arm in Arm vom Platz. Die beiden Mittelfeldspieler scheinen sich trotz des Konkurrenzkampfs gut zu mögen, intensiv wird noch über Momente aus dem Spiel diskutiert.

Trotz des hohen Schlussresultats spielten die Luzerner am Sonntag nicht immer so souverän wie in der Endphase des Spiels (zentralplus berichtete), auch Wehrmann hatte neben vielen guten Szenen einige Momente, in denen es ihm an Konzentration fehlte.

Celestini sieht grosses Potenzial

Nach bisher neunzehn Partien für den FCL ist aber offensichtlich, dass im jungen Holländer noch sehr viel Potenzial schlummert. Diese Einschätzung teilt auch FCL-Trainer Fabio Celestini: «Wenn Jordy seine Leistungen abruft, ist es für mich schwierig, ihn auf die Bank zu schicken.»

«Wenn Jordy seine Leistungen abruft, ist es für mich schwierig, ihn auf die Bank zu schicken.»

Fabio Celestini

Für Celestini waren Wehrmanns Auftritte in dieser Saison aber auch oft zu schwankend, er fordert darum mehr Konstanz von seinem Mittelfeldspieler: «Jordy hatte beispielsweise ein super Spiel im Februar gegen YB, so eine Leistung will ich noch öfter von ihm sehen.»

Trotzdem ist Wehrmann aktuell in der Luzerner Startelf gesetzt. Zusammen mit Filip Ugrinic bringt er für Celestini die gewünschte Dynamik, Technik und Geschwindigkeit ins zentrale Mittelfeld. Qualitäten, die der FCL seit den Verletzungen Von Tsyi Ndenge und Marvin Schulz vermisste.

Ohne Feuer im Training geht’s auf die Bank

Doch für Celestini tauchte Wehrmann nach seinem guten Start in Luzern zu oft ab, er vermisste vom holländischen U20-Nationalspieler das Feuer im Training. Wehrmann sass deshalb bei der 1:2-Niederlage in Lausanne auf der Bank, erst in der 72. Minute wurde er eingewechselt. Im darauffolgenden Spiel gegen Basel fehlte der 22-Jährige sogar komplett auf dem Matchblatt des FCL.

«Ich habe mit Jordy gesprochen und ihm erklärt, dass ich mehr von ihm brauche.»

Fabio Celestini

Auf diese Entscheidungen angesprochen meint Celestini: «Ich war damals nicht zufrieden mit Jordys Trainingsleistung. Wenn wir einen ausländischen Spieler verpflichten, muss er besser sein als seine Mitspieler aus dem vereinseigenen Nachwuchs. Lorik Emini hat bewiesen, dass er in der Super League spielen kann, darum verlange ich noch mehr von Jordy.»

Wehrmanns Reaktion gefällt Celestini

Für Celestini war es wichtig zu sehen, wie sein Spieler mit dieser Botschaft umgeht: «Ich habe mit Jordy gesprochen und ihm erklärt, dass ich mehr von ihm brauche. Er ist nicht in Luzern, um Freunde zu finden, sondern um den Unterschied zu machen.»

In Wehrmanns Kopf schien das ehrliche Gespräch mit seinem Cheftrainer einen Schalter umgelegt zu haben, der junge Holländer zeigte in der Folge auf dem Trainingsplatz und in den Spielen eine deutliche Leistungssteigerung.

Es ist vielleicht kein Zufall, dass der FCL seit der empfindlichen 3:4-Niederlage gegen den FC Basel kein Spiel mehr verlor – und Wehrmann seither in jedem Spiel in der Startelf stand.

In Rotterdam noch nicht abgeschrieben

Wehrmanns Stammklub Feyenoord Rotterdam verfolgt derweil aufmerksam die Entwicklung seines Eigengewächs in der Schweiz. Bernard Schuiteman, einst Sportchef von GC und aktuell Scout von Feyenoord Rotterdam, beobachtete den 1,80 Meter grossen Mittelfeldspieler bereits mehrmals auf der Luzerner Allmend. Das bestätigt den Verdacht, dass die Rotterdamer ihren Jungspund noch nicht abgeschrieben haben.

Bei seinem Heimatverein würde auf Wehrmann aber hochkarätige Konkurrenz warten. Im Feyenoord-Mittelfeld tummeln sich unter anderem Namen wie Jens Toornstra, Leroy Fer, und Orkun Kökcü – also ehemalige holländische Nationalspieler, ein Spieler mit Premier-League-Vergangenheit und ein international gejagtes Top-Talent.

Kein Honigschlecken also, obwohl Wehrmann gegenüber zentralplus vor diesem Konkurrenzkampf keine Scheu zeigte (zentralplus berichtete).

Trotzdem wäre es für ihn ein grosser Schritt, die holländische Eredivisie ist qualitativ noch besser einzustufen als die Schweizer Super League. Das hat Ajax Amsterdam den Berner Young Boys im Europa-League-Duell der Liga-Krösusse eindrucksvoll demonstriert.

Eine Verpflichtung könnte für den FCL teuer werden

Eine Verpflichtung Wehrmanns scheint sich zudem nicht so einfach zu gestalten, wie es sich viele Luzerner wünschen würden. Feyenoord Rotterdam hat den Vertrag mit dem Rechtsfuss vor seiner Leihe nach Luzern bis 2022 verlängert. Bei einer Vertragsübernahme müsste der FCL deshalb eine Ablöse nach Holland überweisen.

Zudem wird gemunkelt, dass die Luzerner zwar eine Kaufoption besitzen, es scheint sich dabei aber eher um ein Vorkaufsrecht zu handeln. Mit besseren Leistungen steigert sich also auch der Marktwert von Wehrmann.

Viel Verkehr im Luzerner Mittelfeld

Hinzu kommt, dass sich sich im Luzerner Mittelfeld bald ein Gedränge anbahnt. Marvin Schulz wird voraussichtlich auf die neue Saison hin wieder fit sein, ein weiteres Jahr in Luzern ist für ihn nicht ausgeschlossen. Tsyi Ndenge, der Mann den Jordy Wehmann im Kader ersetzte, wird ebenfalls auf die neue Saison hin in den Kader zurückkehren.

Mit Filip Ugrinic und Lorik Emini stehen ausserdem noch zwei Eigengewächse im Kader, die ebenfalls das zentrale Mittelfeld bespielen können. Ob Alex Carbonell zu diesen Konkurrenten zählt, wird wohl erst im Sommer entschieden.

Nicht zu vergessen sind dann noch die nachrückenden Talente aus dem FCL-Nachwuchs. Tyron Owusu, Ardon Jashari, Julian Hermann und die Willimann-Brüder deuten bereits ihr grosses Potenzial in den U21- und U18-Teams an.

Für den kommenden Sommer hat sich Sportchef Remo Meyer aber so oder so eine komfortable Situation geschaffen: Verlässt ein Leistungsträger wie Marvin Schulz den Verein, könnte sein Ersatz mit Jordy Wehrmann schon bereitstehen. Am kommenden Mittwoch in Sion (20.30 Uhr) wird dieser wohl wieder einmal die Chance erhalten, sich für eine langfristige Zukunft beim FCL zu empfehlen.

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2 Kommentare
  1. Michel von der Schwand, 11.05.2021, 10:04 Uhr

    Der will zurück zu Feyenoord Rotterdam! Hat ja lange genug immer wieder dem Feyenoord-TV Interviews gegeben. Celestini hat doch Konstanz. Der Sportchef hat seinen Vertrag schon längstens verlängert. Der FC Luzern soll schauen, dass vor lauter Schaub und Wehrmann nicht plötzlich der Burch auf und davon ist.

    1. Ein Tüp, 12.05.2021, 09:22 Uhr

      @Michel von der Schwand, Burch hat kürzlich seinen Vertrag bis 2024 verlängert.

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