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«Bisher waren von allen spektakulären Leaks auch Zuger Firmen betroffen»
  • Politik
Der Zuger Politiker Jo Lang. (Bild: zvg)

Jo Lang zu den jüngsten Enthüllungen in Zug «Bisher waren von allen spektakulären Leaks auch Zuger Firmen betroffen»

3 min Lesezeit 4 Kommentare 11.02.2020, 17:39 Uhr

Die Crypto AG in Zug lieferte Sicherheitsmaschinen, die absichtlich mit einer Sicherheitslücke ausgestattet wurden, um Geheimdiensten damit Zugang zu Informationen zu verschaffen. Der Skandal, der am Dienstag ans Licht kam, überrascht den Zuger Politiker Jo Lang nicht.

Die im Kanton Zug beheimatete Crypto AG soll bereits vor einem halben Jahrhundert damit begonnen haben, manipulierte Chiffriergeräte zu verkaufen. In 130 Länder lieferten sie ihre Geräte, die Sicherheit vorgaukelten, obwohl Geheimdienste sie durch eine Hintertür belauschen konnten. Die Firma wurde 2018 aufgelöst (zentralplus berichtete).

Die Behauptung, die Firma paktiere mit Geheimdiensten stand schon lange im Raum, konnte aber erst jetzt im Zuge von Recherchen zu den Cryptoleaks genannten Enthüllungen bewiesen werden.

Fall Bühler: Vorwürfe wurden schon 1994 laut

Ein Zuger, den das Gebahren der Firma «überhaupt nicht überrascht», ist Jo Lang. Kurz nach Bekanntwerden des weltweiten Spionagefalls am Dienstag twitterte der ehemalige Nationalrat der Alternativen für Zug über eine Veranstaltung der Partei aus dem Jahr 1994 im Casino Zug.

«Auslöser war damals das Buch von ‹Tages-Anzeiger›-Autor Res Strehle zum  ‹ Fall Bühler›», so Lang. Bühler war Vertreter der damaligen Crypto AG. Er gab an, nicht gewusst zu haben, dass er dabei manipulierte Geräte verkaufte. Als er dahinterkam, packte er bei Autor Strehle aus. Die Alternativen Zug luden den Buchautor ein, zum Thema «Spionage mit manipulierten Verschlüsselungsgeräten» zu sprechen. «Die Veranstaltung fand im Rahmen der damals aktuellen Initiative zu einem Waffenausfuhrverbot statt», erinnert sich Lang.

Den Hauptsitz der Crypto AG mit Stacheldraht gesichert

Bei der Präsentation des Buches war laut Lang auch Armin Huber anwesend, damals geschäftsführender Direktor der Crypto AG. «Damals dementierte er alle Behauptungen», so Lang. Aus heutiger Sicht sagt er: «Entweder hat er es wirklich nicht gewusst – oder er hat uns angelogen.»

In den letzten Jahrzehnten hätten die Zuger Alternativen wiederholt protestiert gegen die Kollaboration der Crypto AG mit dem Apartheid-Regime und anderen Diktaturen. Mit einer spontanen Protestaktion wollen die Jungen Grünen Zug auch morgen bei der Crypto International AG in Steinhausen Präsenz zeigen. 

Jo Lang erinnert sich derweil an eine Episode mit der Crypto AG aus dem Jahr 1985. Ein Demonstrationszug von 300 Personen führte an Firmen vorbei, die Geschäfte mit dem damaligen Apartheidsregime in Südafrika machten. Die Crypto AG, da nicht in der Stadt angesiedelt, gehörte nicht zu den Stationen der Demonstranten. «Dennoch wurde der Sitz in Steinhausen von Polizei und Feuerwehr mit Stacheldraht gesichert.» Er vermutet, diese «jenseitige Massnahme», sei eher aus schlechtem Gewissen erfolgt, denn aus einer realen Gefahr durch die Demonstranten.

Lang schätzt, dass in der Folge all der Leak-Enthüllungen – Stichworte Angola, Panama, Paradise – weiteres Ungemach auf Zuger Firmen, ehemalige Verwaltungsräte und Politiker kommen könnte. «Bisher waren von allen spektakulären Leaks auch Zuger Firmen betroffen.»

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4 Kommentare
  1. Patricia, 12.02.2020, 11:11 Uhr

    Massenmedien nenne ich diese ‚rot-weiß Presse‘ ala Bild.
    Die ganz großen die sonst immer schön laus krakehlen.
    Darum erwähne ich auch den Blick im Kommentar expliz.
    Zentralplus ist kein Massenmedium, auch die NZZ nicht.
    Diese Medien sind für ‚höheren Geist‘ gemacht und werden ergo nur von ganz bestimmten Menschen gelesen.
    Wieviel Prozent haben gestern Frontal 21 geschaut? Ich nehme an es waren nicht so viele.
    Die Schweiz berichtet sehr gut, in Deutschland getraut sich nur die Zeit und das ZDF.
    Die Frage ist, warum schweigen momentan die ganz großen Medien? Die die sonst immer sofort ‚Skandal‘ schreien?
    Ich mache mir meinen eigenen Reim daraus, weil ich mir die Besitzer und Verleger der diversen Zeitungen schon löngst expl. angeschaut habe.

  2. Patricia, 12.02.2020, 10:32 Uhr

    Außer der Blick in der Schweiz berichtet KEIN einziges Massenmedium über die Crypto Leaks und Rubikon.
    Nur ein paar kleine mutige Zeitungen getrauen sich, zum Glück!
    WAS sagt bzw. soll und das sagen? Glaube der Politik schon lange nichts mehr.
    Sie ist verlogen bis zum gehtnichtmehr!
    PS: #FreeAssange

    1. Redaktion Christian Hug, 12.02.2020, 10:39 Uhr

      Fragt sich, was Sie unter Massenmedien verstehen. Die Rundschau auf SRF wird heute Abend eine Sondersendung ausstrahlen, seit gestern berichten relevante Zeitungen wie der «Tages Anzeiger» oder die «NZZ» doch recht breit, beispielsweise unter https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/crypto-leaks/ oder https://www.nzz.ch/schweiz/weltweite-spionage-operation-mit-schweizer-firma-aufgedeckt-ld.1539838. Und auch zentralplus bleibt beim Thema am Ball.

  3. mebinger, 12.02.2020, 10:17 Uhr

    Lieber Jo, statt in der Vergangenheit zu baden, wäre es angebracht, auf die enormen Auswirkungen hin zu weise, die sich erst langsam auftun, den wenn alles stimmt, wussten alle Beteiligten Regierungen praktisch alles im voraus und handelten nicht. Was bisher als Verschwörungstheorie abgetan wurde, das man von Anschlägen wusste aber aus politischen Gründen nichts tat, wird plötzlich glaubwürdig. Man wusste auvh von Massenhinrichtungen, von Folter usw, und handelte trotzdem weiter mit diesen Regimes aus wirtschaftlichen Gründen. Dieser Vorgang wird noch zeigen, das die Politik nivht die Geringste Moral für sich beanspruchen darf. Man nimmt , um die Wirtschaft zu stützen jegliche Verbrechen in Kauf

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