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Bini Gopfriedstutz en unabhängige Kiosk?
  • Gesellschaft
Edwin's Kiosk im Bruchquartier Luzern ist mehr als nur eine Einkaufsmöglichkeit. (Bild: Jana Avanzini)

Kette oder Selbständigkeit Bini Gopfriedstutz en unabhängige Kiosk?

6 min Lesezeit 09.06.2014, 05:00 Uhr

Die Kette K-Kiosk der Valora AG dominiert die Kioskszene in der Schweiz. Der Quasi-Monopolist hält mit seinen Filialen die Bahnhöfe und zentralen Standorte besetzt. Gleichzeitig ist die Valora einziger Lieferant von Zeitungen und Zeitschriften in der Schweiz. Wir haben unabhängige Kioske der Region besucht.

Man weiss genau, wo welches Produkt zu finden ist und wieviel es kostet. Jede Filiale sieht gleich aus, hat den gleichen Aufbau. Beim Bezahlen wird man regelmässig auf Aktionen hingewiesen. So kennt man die K-Kioske.

Im Kanton Luzern stehen vierzig solcher Filialen der Valora AG, im Kanton Zug deren zwölf. In der Stadt Luzern gehören weit über die Hälfte der Kioske zur Valora und diese besetzen vor allem die hochfrequentierten Strassen und Plätze wie die Pilatusstrasse, die Kapellgasse und das Löwencenter.
Wie überleben daneben die unabhängigen Kioske, die Selbständigen, die vor allem in Nebenstrassen und Quartieren ohne viel Laufkundschaft auskommen müssen? zentral+ hat bei den Unabhängigen über Vor- und Nachteile der Selbständigkeit nachgefragt.

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Reich wird man als Kioskbetreiber nicht

Hansluz Nussbaum ist der Präsident des Schweizerischen Kioskinhaber-Verbandes und selbst Inhaber dreier Läden.
Er beobachtet, was den Kioskbetreibern immer mehr zusetzt. Der Umsatzrückgang bei den Tageszeitungen in den letzten Jahren um bis zu 10 Prozent ist ein bekanntes Problem. Daneben sind auch die vielen Filialen der K-Kioske und das starke Wachstum von Tankstellenshops und deren Öffnungszeiten eine grosse Konkurrenz für die unabhängigen Kioske.

«Onkel Edwin» im Bruchquartier

In der Stadt Luzern sucht man nicht lange nach einem speziellen, unabhängigen Kiosk. Ins Bruchquartier schickt man uns als erstes. Zu Edwin Suter und seinem Kiosk-Lädeli. Suter führt seinen Kiosk in der Klosterstrasse bereits seit 1995 und ist damit ein Teil des Quartiers geworden. Seine Kundschaft besteht hauptsächlich aus Stammkunden. Die Luzerner kennen ihn. Viele kaufen auch noch bei ihm ein, wenn sie längst nicht mehr in der Nähe wohnen oder arbeiten. «Da fühl ich mich schon gebauchpinselt», lacht er und fügt hinzu «obwohl ich mit Komplimenten schlecht umgehen kann, freue ich mich natürlich sehr, wenn die Leute extra wegen ‹Onkel Edwin› durch die halbe Stadt fahren».

Abhängigkeit vom Monopolisten

Aber auch Suter kämpft, trotz seiner Bekannt- und Beliebtheit, mit Schwierigkeiten. Laufkundschaft gibt es im Bruchquartier immer weniger. Dazu kommen Einbussen in den letzten Jahren. Und der Presse-Lieferant Valora trage ebenfalls seinen Teil dazu bei. Im letzten Jahr sei ihm der aktuelle Vertrag für die Presseerzeugnisse gekündigt und ein neuer mit höheren Preisen gleich beigelegt worden. Der neue Vertrag sei nicht zur Diskussion gestanden und hätte Suter ihn nicht unterschrieben, hätte er keine Zeitungen und Zeitschriften mehr erhalten. Um dieselben Margen mit Presseerzeugnissen zu erzielen, müsse Suter einen Drittel mehr verkaufen, gibt er zu bedenken.

Die Verkäufe sind jedoch durch die Online-Medien in den letzten Jahren massiv zurückgegangen. Ob es jemals ein Thema gewesen sei, seinen Kiosk in die K-Kioske einzugliedern, möchten wir wissen. «Auf keinen Fall», sagt Suter. Er ist überzeugt, dass sein Kiosk von der Valora geführt gar nicht überlebensfähig wäre. An seiner Lage sind der Quartierbezug, die Flexibilität im Sortiment und die faire Preispolitik zentral. Suter hat auch Samstag und Sonntag geöffnet. Ein Kiosk müsse für die Leute da sein, findet er. Sein Sortiment passt er an Kundenwünsche an und hat dabei beispielsweise auch einzelne, selbst verpackte WC-Rollen mit Lolli im Angebot. Er sei halt öfters nach einzelnen WC-Rollen gefragt worden, lacht er.

Keine Zeitungen am Kiosk

Julia Preqi führt erst seit kurzem den N-Bistro-Kiosk am Hirschengraben. Die junge Verkäuferin hat sich bereits ihre Stammkundschaft aufgebaut. Vor allem mit Losen, Lotto und Zigaretten macht sie ihren Umsatz. Ihr Sortiment umfasst aber auch Backwaren, die sie von der JOWA bezieht. Die Valora AG will sie jedoch bisher nicht beliefern. Ohne Begründung sei sie abgewiesen worden. Momentan kann sie daher nur ganz wenige Zeitschriften direkt vom Verlag beziehen, die sie aber nicht zurückgeben kann, falls sie nicht alle verkauft.

Die Valora nennt als Grund für eine Nichtbelieferung zwei Möglichkeiten. «Wenn ein Standort einen Mindestumsatz nicht erreicht, oder ein Inhaber die Bonitätsprüfung nicht besteht, dann können wir diesen nicht beliefern.», erklärt Mladen Tomic, Unternehmenssprecher der Valora AG. In diesen Fällen müssen sich die Läden direkt an die Verlage wenden.

Selbstbestimmung bei den Preisen

Preqi ist trotzdem überzeugt, dass die unabhängigen Kioske durch die treue Stammkundschaft besser funktionieren als Kioske, die einer Kette angehören. Die Kunden hätten einen anderen Bezug zu einem Kiosk, wenn dieser privat geführt werde. «Viel machen aber auch die tieferen Preise aus», ist sich Preqi sicher.

Abgesehen von Zigaretten und Losen können die Unabhängigen ihre Preise selbst bestimmen und bleiben dabei meist unter den Preisen der K-Kioske. Das merken die Kunden und kommen wieder. Preqi vergleicht als Beispiel den Preis für Mars-Schokoladenriegel, die bei K-Kiosken 1.60 Franken kosten, und bei ihr für 1.20 Franken zu haben sind. Dadurch gewinne sie Stammkunden, welche auf die Preise achten und Umwege dafür gerne in Kauf nehmen.

Auch Nussbaum orientiert sich mit seinen drei Kiosken an den K-Kiosken und versucht dann immer mit dem Preis etwas tiefer zu bleiben. Die Leute würden das bemerken und wiederkommen. Wenn man aber nicht an einem Standort mit viel Laufkundschaft steht, sei ein Quartierbezug, ein grosser und treuer Kundenstamm und etwas Spezielles, das den Kiosk ausmache, wichtig. Für Unabhängige ist neben dem Grundsortiment, welches der Kunde von jedem Kiosk erwartet, auch zentral, die eigene Nische zu finden. Nussbaum konzentriert sich beispielsweise auf sein Tabaksortiment, der Kiosk an der Moosstrasse setzt auf Soft-Ice und Getränke, Edwin trotz aller Schwierigkeiten auf Zeitschriften.

Das Feindbild

Nussbaum vom Verband ist überzeugt, die Valora sei in den letzten Jahren als Feindbild aufgebaut worden, was nicht den Tatsachen entspreche. Da eine Unabhängigkeit von der Valora als Kioskbetreiber gar nicht möglich ist, sei ein Gefühl des Ausgeliefert-Seins vorhanden und auch kaum Vertrauen da. Nussbaum beobachtet diese Unsicherheiten der Kioskbetreiber kritisch. Er weist dabei darauf hin, dass die Valora in ihrer Monopolstellung in der Presse-Distribution immer wieder kontrolliert wird und die derzeitigen Margen genehmigt worden seien. Trotzdem bleibe ein ungutes Gefühl.

Vorteile sehen beide Seiten für sich. Tomic, der Sprecher der Valora betont, dass bei K-Kiosk jede Filiale dasselbe Grundsortiment anbiete und die Präsentation der Produkte ebenfalls durch Vorgaben geregelt wird. Der Kunde finde damit in jedem K-Kiosk schnell seine Produkte. Das Angebot wird dabei von der Valora bestimmt. «Als selbständiger Betreiber eines K-Kiosks kann man jedoch bei der Valora einen Antrag stellen, um beispielsweise ein regionales Produkt zum Sortiment hinzuzufügen», bemerkt Tomic. «Agenturen» nennt die Valora diese selbständig geführten Filialen, «welche Unabhängigkeit und Sicherheit zugleich eröffnen».

Nussbaum hingegen nennt die komplette Selbständigkeit und die Flexibilität der Unabhängigen als Vorteil. «Man kann als Unabhängiger viel schneller auf Kundenwünsche oder neue Produkte und Trends reagieren», so Nussbaum.

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