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Billig, eingezäunt, gross: So wird das neue Asylzentrum in Steinhausen
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Durchgangsstation Steinhausen, Leben einer eritreischen Familie (Bild: Patrick Hürlimann )

Gebäudegrösse führt bei Gegnern zu Kritik Billig, eingezäunt, gross: So wird das neue Asylzentrum in Steinhausen

4 Min 28.01.2019, 09:26 Uhr

Die neue Durchgangsstation für Asylsuchende in Steinhausen wird immer konkreter. Die Pläne der Regierung zeigen: An den Dimensionen, was die Anzahl Plätze angeht, wird festgehalten. Zu reden gibt bei den Gegnern vor allem die Grösse des 15 Millionen Franken veranschlagten Gebäudes.

Seit geraumer Zeit war klar: Ein Neubau des Asylzentrums an der Zugerstrasse 52 in Steinhausen ist unumgänglich. Zu gross sind die Mängel, zu teuer käme eine Modernisierung. Es folgte mehrfach eine Reduktion der maximalen Zahl Asylsuchender, welche für sieben bis zwölf Monate in der Durchgangsstation verweilen, bevor sie an die Gemeinden verteilt werden.

Von 350 auf 250 auf schliesslich 150 wurde die Kapazität gesenkt – jedoch mit einer «Schwankungsreserve» von maximal 100 zusätzlichen Plätzen in einer «ausserordentlichen Lage». Die Aufstockung müsste der Regierungsrat absegnen (zentralplus berichtete).

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Ebendieser Regierungsrat hat nun weitere Details bekannt gegeben, wie das Asylzentrum aussehen soll. Er stützt sich dabei auf die durchgeführte Machbarkeitsstudie. Es ist von einem «einfachen Zweckbau» die Rede, der möglichst günstig daherkommen soll – sowohl was die Erstellung als auch den Betrieb anbelangt.

Dem Standard angepasst

Die neue Durchgangsstation soll zwölf grosse Wohnungen für acht Personen sowie neun kleine Wohnungen für sechs Personen plus eine Quarantänewohnung umfassen. Dies werde schweizweit immer mehr zum Standard, begründet die Regierung.

Asyl Durchgangsstation Steinhausen

So sieht die Steinhauser Durchgangsstation heute aus.

(Bild: lef)

Die Raumaufteilung soll flexibel sein, weswegen das künftige Asylzentrum sowohl für Familien als auch für (Zweck-)Wohngemeinschaften vorgesehen ist. Einzelpersonen würden als Wohngemeinschaft zusammenleben. Bei der Zusammensetzung der WGs wird Rücksicht auf Ethnie, Geschlecht und Alter genommen.

Einer der Vorteile eines Betriebs mit Wohnstruktur, den die Regierung ins Feld führt: Die Sozialisierung soll auf diese Weise besser voranschreiten und ein selbstständiges Leben gefördert werden. Die Wohnungen können ausserdem für die Quarantäne genutzt werden. Sie seien auch bei Pandemie von Vorteil, da sie eine bessere Eingrenzung ermöglichen.

Innen umzäunt

Das Gebäude besteht aus einem vier- und einem fünfgeschossigen Teil, die als Winkel um den Innenhof angeordnet sind. Der innere Bereich ist umzäunt und nur über die Eingangsschleuse erreichbar.

Von den total 2’430 Quadratmetern, die an der Zugerstrasse für die Anlage gebraucht werden, geht ein Teil an Büros und einen Befragungsraum der Zuger Polizei. Dadurch soll die Sicherheit in der neuen Durchgangsstation sichergestellt werden, unter anderem auch in Bezug auf die Abwicklung von Ausschaffungen.

Asyl Durchgangsstation Steinhausen

Das heutige Asylzentrum in Steinhausen von innen.

(Bild: lef)

Der Plan ist, dass der Kanton die Anlage ohne zusätzliches Aufsichtspersonal betreiben kann. Für die Baukosten veranschlagt der Regierungsrat rund 15,6 Millionen Franken. 1,78 Millionen Franken sind als Objektkredit für die Planung budgetiert.

Holz oder kein Holz?

Auch wenn der Umfang des Asylzentrums steht – wie das Gebäude konkret daherkommen wird, ist noch offen. Denn sowohl ein Massiv- als auch ein Hybrid- oder Holzbau ist möglich. Entschieden wird dies im Rahmen eines Projektwettbewerbs. Dieser ist von November 2019 bis Mai 2020 vorgesehen. Der Baubeginn soll im September 2022 und die Inbetriebnahme im November 2024 erfolgen.

«Das Gebäude sieht extrem gross aus. Dies wird auf jeden Fall zu diskutieren geben.»

Mario Reinschmidt, FDP-Kantonsrat aus Steinhausen

Grosse Verzögerungen bei der Umsetzung liegen nicht drin. Denn als Übergangslösung, bis die neue Durchgangsstation bezugsbereit ist, dient das ehemalige Kantonsspital an der Artherstrasse 27 in Zug. Auf diesem Areal steht bereits heute eine provisorische Durchgangsstation zur Verfügung. So muss während der Bauzeit kein Provisorium erstellt werden. Und doch drängt die Zeit, denn das Areal soll spätestens ab 2026 bebaut werden.

Die Ausnahme bleibt

In der näheren Zukunft steht der erwähnte Objektkredit für die Planung auf der Traktandenliste des Kantonsrats am Donnerstag. Dann wird der Vorschlag an die zuständige Kommission übergeben. Die erste Lesung ist für Juni angesetzt. Ob der Antrag des Regierungsrats ohne Widerstand durchkommen wird, ist keineswegs gewiss. Im August äusserte sich Kantonsrat und Vorstandsmitglied der FDP Steinhausen Mario Reinschmidt kritisch gegenüber den Plänen der Regierung (zentralplus berichtete).

«Bereits jetzt spüren wir die vielen Asylsuchenden im Dorf. Wenn es eine Verdreifachung gibt, spüren wir das erst recht. Das ist dann eine Frage der Lebensqualität», äusserte sich Reinschmidt. Die FDP wollte den Regierungsrat überzeugen, die Maximalzahl bei 150 Personen festzusetzen – ohne Ausnahme. Erfolgreich waren die Liberalen diesbezüglich also nicht.

Kritik an Regierungsrat

Reinschmidt ist trotz Einhaltung mehrerer Forderungen der FDP Steinhausen weiterhin skeptisch gegenüber der Maximalzahl der Asylplätze. Zwar bleibt der Polizeiposten in Steinhausen von der geplanten Schliessung verschont (zentralplus berichtete) und es steht gemäss Regierungsbericht genügend Fläche auf dem Areal zur Verfügung, damit sich die Bewohner beschäftigen können.

Mario Reinschmidt, Vorstandsmitglied der FDP Steinhausen.

Mario Reinschmidt äusserte sich im Sommer pointiert zum Asylzentrum in Steinhausen.

(Bild: Lukas Schnurrenberger/zug-im-fokus.ch)

Gänzlich zufriedengestellt ist Reinschmidt durch den Regierungsratsvorschlag trotzdem nicht. «Das Gebäude sieht extrem gross aus. Dies wird auf jeden Fall zu diskutieren geben.» Und er bemängelt, dass «die Regierung schreibt, es gebe nebst Steinhausen keinen geeigneten alternativen Standort».

Reinschmidt will sich nicht dazu äussern, ob sich Widerstand aus den kantonsrätlichen Reihen der FDP und SVP bilden wird gegen den Vorschlag des Regierungsrats. «Die zuständige Kommission wird dieses Geschäft behandeln. Mehr können wir momentan nicht tun.»

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