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«Bier gilt leider immer noch als Proleten-Getränk»
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Raphael Kuhn verpackt seine Biere selber und fährt sie zu seinen Kunden. (Bild: zvg)

Neue Idee «bierliebe.ch» «Bier gilt leider immer noch als Proleten-Getränk»

3 min Lesezeit 12.12.2015, 12:38 Uhr

Der Luzerner Raphael Kuhn will die Bierkultur fördern. Er hat einen Lieferservice ins Leben gerufen, um Spezialitäten lokaler Brauereien unter die Leute zu bringen. Verpackt wird in der Garage und viel Geld lässt sich noch nicht verdienen. Das könnte sich bald ändern, meint er. 

Der Gedanke liegt nahe: 574 Brauereien gibt es in der Schweiz. Aber: «Die meisten Leute trinken aber stets dasselbe Bier», sagt Raphael Kuhn (30). «Wir wollen aufzeigen, welche Vielfalt es hier gibt.» Er hat dafür den Versand «Bierliebe» ins Leben gerufen. Und da steckt viel Herzblut drin. Jeden Monat verschickt er eine Auswahl an seine Abonnenten. Das Kriterium: Es müssen unabhängige Brauereien sein. In der Zentralschweiz zählen unter anderem das Baarer, Entlebucher, Luzerner und das Seetaler Bier sowie das Stiär Biär Schattdorf, Rosengarten Einsiedeln oder die neu gegründete Brauerei Beckenhof Sursee dazu. 

Eine Flasche für vier Franken

Das Abo ist nicht günstig. Für 24.90 Franken pro Monat erhält man drei Biersorten à je zwei Flaschen. «Bier gilt leider immer noch als Proleten-Getränk.» Für einen guten Wein seien die Leute eher bereit, mehr zu bezahlen. Kleine Brauereien könnten wegen der höheren Produktionskosten mit den Preisen von Eichhof oder Feldschlösschen nicht mithalten.

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«Wir werden kaum reich damit. Wir machen das auch aus Leidenschaft.»

Raphael Kuhn

Entstanden ist die Geschäftsidee – wie könnte es auch anders sein – beim Biertrinken. «Ich habe mit Freunden das Thema diskutiert.» Die meisten Biertrinker würden kaum darüber nachdenken, was sie konsumieren. «Im Restaurant bestellt man oft einfach eine Stange. Das wäre beim Wein undenkbar. Wir wollen aufzeigen, dass es auch in der Schweiz viele verschiedene Biere gibt.» Zudem sei es sehr interessant, stets neue Brauereien kennenzulernen.

 

Verpacken in der Garage

Den Bierversand betreibt Kuhn, der sonst als IT-Spezialist arbeitet, gemeinsam mit Freunden. «Wir werden kaum reich damit. Wir machen das auch aus Leidenschaft.» Die Biere holen sie bei den Brauereien selbst ab. Verpackt werden sie in einer Garage in Rain. Beim ersten Versand im Oktober waren es 40 Kunden. «Inzwischen haben wir die Hunderter-Grenze geknackt.»

Welche Biere sind am beliebtesten? «Das ist schwer zu sagen. Die Geschmäcker sind sehr verschieden.» Künftig soll es auf der Webseite ein Ranking geben. Kuhn selbst mag das Goldmandli aus Baar sowie verschiedene Ale-Sorten. «In den letzten Jahren sind viele neue Brauereien und Biere entstanden. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren weiter verstärken.»

Biere unabhängiger Brauereien sind hierzulande aber immer noch ein Nischenprodukt. Bei Coop beträgt ihr Anteil immerhin ein Fünftel, wie der Grossverteiler auf Anfrage schreibt. Über alle Händler betrachtet ist es jedoch deutlich weniger: «Der Marktanteil beträgt schätzungsweise 8 Prozent», sagt Alois Gmür, Braumeister der Brauerei Rosengarten und Präsident der IG der unabhängigen Brauereien Schweiz.

Kleine Brauereien sind beliebt

Genaue Zahlen kann er nicht nennen, weil viele Brauereien diese nicht bekannt geben würden. Der Anteil der Unabhängigen sei in den letzten Jahren um rund ein Prozent gestiegen, während der Bierkonsum insgesamt stagniert.

Die Gründe für die Zunahme seien einerseits emotionaler Natur: «Kleine Brauereien geniessen Sympathien», sagt Gmür. «Viele Kunden schätzen an uns, dass das Bier aus der Region kommt.» Andererseits seien die Kleinen innovativer und entwickeln stets neue Biere.

Facts zum Schweizer Biermarkt
  • Als unabhängige Brauereien gelten jene, die nicht dem Heineken- oder Carlsberg-Konzern angehören.
  • Zu Heineken gehören Calanda, Eichhof, Ittinger, Ziegelhof.
  • Zu Carlsberg gehören Feldschlösschen, Gurten, Hürlimann, Warteck, Walliser Bier, Cardinal, Eve.
  • 2014 tranken die Schweizer 4,66 Millionen Hektoliter Bier.
  • Das sind 56 Liter pro Kopf. 1995 waren es noch 60, 1990 gar 71 Liter. 
  • Dagegen steigt die Zahl der Brauereien stark an: 2014 waren es 483, 2008 rund 270, bis 2000 weniger als 100.
  • Schweizer Bier ist kein Exportschlager: 63’621 Hektoliter gingen 2014 ins Ausland. Importiert wurden 1,2 Millionen Hektoliter. Das ist die 20-fache Menge.
  • 80 Prozent der hierzulande konsumierten Biere sind Lagerbiere.

 Quellen: Coop, Schweizer Brauerei-Verband/IG der unabhängigen Brauereien Schweiz

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